Politik

1. Deutscher Pflegetag: Gespräche über Pflegereform

Der neue Gesundheitsminister Hermann Gröhe von der CDU ist für den Pflegebereich zuständig. Er spricht von einer deutschen Pflegereform, die sicherlich schon seit Jahren dringend nötig ist.

Gröhe muss nachholen, was die letzten Bundesregierungen verpasst haben.

Dass etwas passieren muss, darüber sind sich auch beim 1. Deutschen Pflegetag in Berlin alle einig. Über das Wie und das Was herrscht allgemeine Verunsicherung. Gröhe bittet um Geduld.

Die Pflege in Deutschland steht vor großen Problemen

Darüber hat man auch bei der Kabinettsklausur der Bundesregierung im Schloss Meseberg gesprochen. Die deutsche Bundesregierung und im speziellen Gesundheitsminister Hermann Gröhe stehen vor der Herausforderung, eine Lösung des Problems Pflege und demografischer Wandel zu finden.

Es gibt immer mehr alte als junge Menschen in Deutschland, also auch immer weniger junge Menschen, die die vielen alten Menschen pflegen können. Beim 1. Deutschen Pflegetag in Berlin soll 2014 erstmals daran gearbeitet werden. Politiker und Pflegeexperten wollen offen über Probleme sprechen und Lösungsansätze finden.

Schon das Jahr 2011 erklärte der ehemalige Gesundheitsminister Philipp Rösler zum „Jahr der Pflege“. Auch damals waren die Probleme schon klar und deutlich zu erkennen. Getan hat sich in den letzten drei Jahren allerdings wenig.

Schlechter Ruf der Pflegeberufe führt zum Fachkräftemangel

Zu niedrige Bezahlung für zu viel, zu dreckige, zu stressige und zu harte Arbeit, außerdem körperliche und psychische Belastung der Pflegekräfte – das ist das Bild vieler Deutscher von den Pflegeberufen. Es gibt nur wenige Auszubildende in den Pflegeberufen. Viele Pflegefachkräfte müssen oder wollen ihren Beruf schon früh aufgeben.

Schon heute sind 2,5 Millionen Alte und Kranke in Deutschland auf die Pflege professioneller Fachkräfte angewiesen. Schätzungen zufolge sollen es 2030 bereits 3,5 Millionen und 2050 über 4,5 Millionen pflegebedürftige Menschen sein. Bereits jetzt fehlen 50.000 Fachkräfte in der Pflege in Deutschland.

Mehr Fachkräfte durch ausländische Pfleger

Durch die Öffnung des deutschen Arbeitsmarktes für Rumänen und Bulgaren erhofft man sich, dass qualifizierte Arbeitskräfte ins Land kommen. Einerseits wird über Armutszuwanderung diskutiert, andererseits werden gut qualifizierte Arbeitskräfte auch aus dem Ausland dringend gebraucht.

Des Weiteren gibt es Projekte mit Pflegern aus China. Der Fachkräftemangel in Deutschland soll durch chinesische und osteuropäische Pfleger verringert werden.

Dabei wird allerdings nicht beachtet, dass die eingewanderten Fachkräfte auch in ihren eigenen Ländern gebraucht werden. Sie verbessern langfristig zwar vielleicht die Pflege-Situation in Deutschland, fehlen aber in ihren Heimatländern. Deshalb muss es in Zukunft auch wieder mehr deutsche Pfleger geben.

Pflegeberufe sollen wieder attraktiver werden

Der Ruf der Arbeit in der Pflege soll verbessert werden, ebenso wie die Arbeitsbedingungen. Momentan ist eine Pflegekraft für durchschnittlich zehn Patienten zuständig – das soll sich in Zukunft ändern und so die immense Last der Pfleger verringert werden. Sie sollen mehr Zeit für die individuelle Betreuung ihrer Patienten haben, was sowohl für die Pfleger, als auch für die Pflegebedürftigen eine Verbesserung darstellen würde.

Der Koalitionsvertrag der großen Koalition sieht eine Reform der Pflegeausbildung vor. Es soll eine Grundausbildung für alle Auszubildenden geben. Danach soll es die Möglichkeit geben, sich zu spezialisieren auf Altenpflege, Krankenpflege oder Kinderkrankenpflege.

Das Ausbildungsangebot soll für Pflegeberufe allgemein gestärkt werden. Außerdem sieht der Koalitionsvertrag vor, dass das gesamte Ausbildungsangebot kostenlos ist. Dies soll die Attraktivität der Ausbildung zusätzlich erhöhen.

Pflege in Skandinavien als Vorbild?

Die Pflegeberufe in Skandinavien sind attraktiver, als in Deutschland. Dies liegt beispielsweise daran, dass die Pflegeberufe mit akademischen Ausbildungen verbunden sind und somit mehr Anerkennung finden. In Deutschland würde dies allerdings vermutlich wenig Sinn machen, da durch die akademische Beschränkung weniger junge Menschen Zugang zu einer Ausbildung in der Pflege hätten.

Die Pflegefachkräfte beispielsweise in Schweden oder Finnland haben in der Bevölkerung ähnliche Stellenwerte wie Ärzte. Sie haben eigene Sprechstunden und können eigenständig Medikamente verschreiben.

Zu der höheren Attraktivität zählt außerdem die bessere Ausstattung mit Pflegepersonal. Der Ruf der Pflegeberufe ist gut, also gibt es auch mehr Pfleger. In Norwegen ist ein Pfleger beispielsweise für lediglich vier Patienten zuständig, während ein deutscher Pfleger zehn Patienten in der selben Zeit betreuen muss. Deutschland bildet damit das Schlusslicht in Europa. Es scheint ein Teufelskreis zu sein: Schlechter Ruf – wenig Fachkräfte. Deshalb müssen die Berufe aufgewertet werden.

Ein halber Prozentpunkt soll sechs Milliarden Euro bringen

So sieht es der Koalitionsvertrag vor, worauf sich auch Gesundheitsminister Gröhe beim 1. Deutschen Pflegetag in Berlin immer wieder bezieht. Der Beitragssatz zur Pflegeversicherung soll in zwei Schritten steigen: Bis zum 01. Januar 2015 um 0,3 Prozent und im späteren Verlauf der Legislaturperiode nochmals um 0,2 Prozent. Die Mehreinnahmen von sechs Milliarden Euro sollen für die Pflege verwendet werden.

Viele Versprechen im Koalitionsvertrag

Union und SPD sind sich darin einig, dass die Pflege für alle, die darauf angewiesen sind, bezahlbar bleiben muss. Die Pflegebedürftigkeit müsse außerdem besser anerkannt werden, um die Situation sowohl für die Pflegebedürftigen selbst, als auch für dessen Angehörige und Pfleger zu verbessern.

Der Koalitionsvertrag sieht weiterhin vor, viele Bereiche die die Pflege betreffen zu unterstützen. Dazu gehören, dass die Betreuungsleistungen ausgebaut werden sollen sowie die altersgerechte Begleitung in der eigenen Wohnung gefördert werden soll. Unterstützt werden sollen außerdem Hospize.

Ein wichtiger Aspekt ist die bessere Vereinbarkeit von Pflege und Beruf, wenn Menschen ihre pflegebedürftigen Angehörigen selbst zu Hause pflegen wollen. Die Doppelbelastung können nur wenige tragen, ohne starke finanzielle Einschnitte hinzunehmen. Die Vereinbarkeit von Pflege und Beruf soll in Form vom Pflegezeitgesetz und Familienpflegezeitgesetz unterstützt werden.

Gröhe will Pläne in die Tat umsetzen

Der Gesundheitsminister bittet dabei zwar noch um etwas Geduld, will die Pflegereform dennoch rasch auf den Weg bringen. Er steht unter großen öffentlichen Druck. Die Pflegebranche drängt auf umfassende Verbesserungen. Bessere Leistungen und Betreuung für Pflegebedürftige ist das große Ziel.

Ob höhere Mittel wirklich zu einer Verbesserung der Lage führen, wird sich zeigen. Ob es dadurch mehr deutsche Pflegekräfte geben wird, liegt an den Deutschen selbst und an jedem Einzelnen, der sich für oder gegen eine Ausbildung in der Pflege entscheidet.



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