Politik

Ägypten: 24 Tote bei Demonstration der Kopten in Kairo

In Ägypten sind auf einer Demonstration der Kopten in der Hauptstadt Kairo 24 Menschen ums Leben gekommen, Dutzende wurden zum Teil schwer verletzt. Die Demonstration der religiösen Minderheit der christlichen Kopten fand vor der Zentrale des staatlichen Fernsehsenders statt, sie protestierten gegen eine mutwillige Zerstörung einer Kirche im Süden Ägyptens. Nach Aussagen von Teilnehmern hätte die anwesende Militärpolizei grundlos Gewalt angewendet, anschließend sei die Lage eskaliert und die Militärpolizei hätte das Feuer eröffnet. Nach Darstellung der Militärpolizei, die auch so im staatlichen Sender wiedergegeben wurde, hätten einige bewaffnete Kopten das Feuer eröffnet. Interims-Premierminister Essam Sharaf verhängte umgehend eine Ausgangssperre und rief die Bevölkerung zur Besonnenheit auf.

Allgemein bezeichnet man alle Christen in Ägypten gemeinhin als Kopten, ob sie nun Angehörige der Koptischen Kirche oder einer anderen Konfession (griechisch-katholisch, orthodox etc.) sind. Die Schätzungen über ihren Anteil an der Gesamtbevölkerung Ägyptens schwanken zwischen 5 % bis 15 % (vier bis zu zwölf Millionen Ägypter). In der Geschichte spaltete sich die Koptische Kirche nach dem so genannten Konzil von Chalcedon (hier wurde die so genannte Göttlichkeit Jesus festgelegt) im Jahre 451 von den anderen Kirchen ab, somit ist sie eine der ältesten bestehenden Kirchen. Ein Viertel aller ägyptischen Kopten sollen in der Hauptstadt Kairo leben.

Nach den Auseinandersetzungen vor der Fernsehzentrale griffen die Ausschreitungen auch auf andere Stadtteile über, so auch auf dem Tahrir-Platz. Nach Aussage des Gesundheitsministeriums wurden in der vergangenen Nacht über 200 Personen medizinisch behandelt, die an den Ausschreitungen teilnahmen. Premierminister Sharaf rief zur Beruhigung auf, gleichzeitig gab er die immer wiederkehrende These einer Verschwörung zum Besten, demnach würden außenstehende Kräfte den Konflikt erst schüren.

Die Kirche in der Provinz Aswan (genauer in der Gemeinde Merinab) wurde von einer aufgebrachten Menge angegriffen, weil kurz zuvor Gouverneur Mustafa al-Sayed die Behauptung aufstellte, die Kirche wäre ohne Baugenehmigung errichtet. Die Demonstration in Kairo fing zuerst friedlich an, später zündeten die Demonstranten Militärfahrzeuge an.

Immer wieder gab es Spannungen zwischen Kopten und Muslimen, so starben 2001 bei einem Massaker in El Kosheh 21 Kopten und ein Muslim. Bei einem Anschlag Anfang 2011 in Alexandria starben erneut 21 Kopten, der Gouverneur Adel Labib machte das Terrornetzwerk Al Kaida verantwortlich. Monate später wurden Dokumente im Büro des ägyptischen Geheimdienstes gefunden, die eine Beteiligung des Dienstes an diesem Anschlag nachwiesen. Die letzte große Auseinandersetzung ereignete sich Anfang Mai in Kairo, als eine koptische Kirche in Brand gesetzt wurde, bei den darauffolgenden Auseinandersetzungen starben zwölf Menschen.



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