Politik

Ägypten: Muslimbruderschaft verärgert über Aufruf von Erdogan

In Ägypten hat sich die Muslimbruderschaft kritisch gegenüber den türkischen Premierminister Erdogan geäußert, Erdogan hatte anlässlich seines Besuches in Kairo ein säkulares Ägypten gefordert. Zudem warnte die Muslimbruderschaft vor den Ambitionen der türkischen Außenpolitik, durch die Abkehr der traditionellen Beziehungen zu Israel versucht die amtierende türkische Regierung sich die Führerschaft in den muslimischen Ländern zu sichern. Demnach stieß insbesondere die Forderung von Erdogan, Ägypten solle eine Verfassung ähnlich wie die in der Türkei einsetzen, auf die Kritik vieler Gruppen, berichtet die arabische Nachrichtenagentur Al Arabiya.

Noch am heutigen Mittwoch will Erdogan, der sich auf Staatsbesuch in Ägypten eingefunden hat, eine der größten Oppositionsgruppen des Landes, der Muslimbruderschaft, treffen. Die Muslimbruderschaft, die unter dem Regime des gestürzten Mubarak verfolgt wurde, genießt im Ausland eher ein zweifelhaftes Ansehen. Sie wurde 1928 von Hassan al Bana gegründet und orientiert sich an einem fundamentalistischen Islam. Al Bana vertrat schon 1938 eindeutig antisemitische Positionen. In den 50ern wurde die Gruppe politiusch verfolgt, viele ihrer Anhänger, so auch der umstrittene Anführer Sayyid Qutb, wurden hingerichtet. Liberale Beobachter befürchten einen Wahlsieg der Muslimbruderschaft bei den kommenden Wahlen im November und die Implementierung eines theokratischen Systems, obschon insbesondere jüngere Mitglieder der Muslimbruderschaft zu einem demokratischen System tendieren. Gefährlicher erscheinen die Abspaltungen, die wesentlich radikaler daher kommen ( z.B. al-Jihad al-Islāmī).

In einem Interview sagte Erdogan, Säkularismus bedeute nicht zwingend eine Abkehr von der Religion. Der Sprecher der Bruderschaft, Dr Mahmoud Ghuzlan, kritisierte die Äusserung von Erdogan als Einmischung in innere Angelegenheiten Ägyptens, man werde nicht Staatsformen einfach klonen. Offen bleibt der Wahlausgang im November in Ägypten, die Ägypter werden über die neue Regierung entscheiden.

 



Trackbacks/Pingbacks

Kommentieren

Sie müssen eingeloggt sein um zu kommentieren.