Wissenschaft

AKW Fukushima: Leck- 45 Tonnen verseuchtes Wasser ins Meer

Wie prekär die Lage am havarierten AKW Fukushima Daiichi noch immer ist, zeigt die Meldung von Betreiber Tepco, wonach 45 Tonnen verseuchtes und radioaktives Wasser aus dem Atomkraftwerk  und mindestens 300 Liter ins Meer geflossen seien, das entsprechende Leck haben Arbeiter am Morgen des gestrigen Sonntags aufgefunden. Das Leck sei durch einen Riss an einem Fundamenten verursacht, bis dieses schließlich mit Sandsäcken gestopft werden konnte, sei kontaminiertes Wasser aus dem Kraftwerksgelände ins offene Meer gelangt. Der Super-Gau (eigentlich der erste Multi-Gau der Geschichte) des AKW Fukushima ereignete sich nach dem desaströsen Erdbeben und dem darauffolgenden Tsunami vom 11. März, die Abschaltung (das so genannte Cold Shutdown) sollte im Frühjahr 2012 erfolgen.

Im Laufe der Krise wurden vier der sechs Reaktorgebäude durch Explosionen zerstört, in mindestens drei Reaktoren sei eine (partielle) Kernschmelze eingetreten, das gesamte Gelände ist schwer radioaktiv verseucht, eine Sperrzone von 20 Kilometer Radius wurde eingerichtet. Der Fund von so genannten Hotspots hat die japanische Bevölkerung nochmals zusätzlich verunsichert. Der Fund des Lecks wird nicht helfen, das Vertrauen der Bevölkerung wieder herzustellen.

Das Leck befindet sich an einer Anlage zur Dekontamination von Wasser, dieses wird von radioaktiven Cäsium-Isotopen gereinigt und dem neu errichteten Kühlsystem des Kernkraftwerkes zugeführt. Selbstverständlich beeilte sich Tepco-Sprecher Junichi Matsumoto zu versichern, die ausgetretene Menge habe keinen Einfluss auf die Umwelt. Von den 45 Tonnen seien lediglich 300 Liter ins offene Meer gelangt. Die Menge an Radioaktivität unterscheide sich kaum von der des angrenzenden Meeres, Strontium-Isotopen (ein weiteres Spaltprodukt) könnten auch enthalten sein. Da Strontium jedoch so genannte Beta-Strahlung emittiert (Beta-Strahlung reicht nicht weit und hat kaum Durchdringungsfähigkeiten), ist die Gefahr überschaubar, wiewohl eine direkte Einnahme von Strontium als krebsverursachend gilt. Cäsium hingegen strahlt Gamma-Wellen aus und kann dementsprechend über Partikel mehrere hunderte Kilometer weiter transportiert werden.

Bei der Messung der Radioaktivität an der besagten Stelle wurde ein Wert von 110 Millisievert pro Stunde gemessen. Die genauen Untersuchungen werden laut Tepco mindestens zwei, wahrscheinlich drei Wochen andauern. Die entsprechende Apparatur zur Reinigung des Wassers wurde nun außer Dienst genommen. Dann wird auch klar, wieviel an Strontium ausgetreten sind. Das Leck am AKW Fukushima, nicht die erste Panne und nicht das erste Mal, dass Radioaktivität vom zerstörten AKW in die Umwelt gelangt.

 

 

 



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