Gesundheit

Alkohol- und Medikamentensucht im Alter

Immer mehr Menschen werden im Alter abhängig von Alkohol oder Tabletten.

Aus diesem Grund bietet die Innere Mission Frankfurt nun für Abhängige, die über 60 Jahre alt sind, eine Beratungsstelle an.

Die Sucht in Zahlen

Die Berater der Beratungsstelle besuchen die Betroffenen auch zu Hause.

Etwa 13 Prozent aller Menschen über 60 Jahre sind abhängig von Medikamenten. Besonders häufig greifen sie zu Psychopharmaka. 27 Prozent der Männer und rund acht Prozent der Frauen dieser Altersgruppe haben ein Alkoholproblem.

Die Sucht wird ein zunehmendes Problem

Die demografische Entwicklung führt dazu, dass die Sucht im Alter zunehmend ein größeres Problem wird.

Die Innere Mission Frankfurt, möchte diesem Problem entgegenwirken. Seit Anfang des Jahres bietet sie eine Beratungsstelle für Betroffene an. Experten der Suchthilfe Stiftung Waldmühle, das Hufeland-Haus sowie die ambulante und stationäre Altenhilfe arbeiten für die Beratungsstelle Hand in Hand zusammen.

Detlef Betz vom Diakonischen Werk Hessen, sagte, dass die Beratungsstelle hessenweit einmalig sei. Sie sei etwas ganz Besonderes, da Akteure verschiedener Fachgebiete zusammenarbeiten.

Wie arbeitet die Beratungsstelle?

Martin Wolf vom Hufeland-Haus und die Suchthelferin Judith Gehler erklärten an einem Beispiel, wie die Beratungsstelle funktioniert.

Die Nichte einer 75-Jährigen Frau hatte sich an das Sozialrathaus gewendet, weil ihre Tante so viel Alkohol trank, dass immer wieder Notärzte, Rettungswagen und die Polizei Hilfe leisten mussten.

Nachdem die Beratungsstelle Kontakt zu der Frau aufnahm, gewann sie nach mehreren Hausbesuchen Vertrauen zu den Beratern. Nach einem Alkoholabsturz führte sie eine Entgiftung durch und ließ Hilfe zu.

Seit einigen Monaten trinkt die 75-Jährige nur noch alkoholfreies Bier. Voraussichtlich wird sie bald schon wieder an Ausflügen teilnehmen und die Angebote der Altenhilfe in Anspruch nehmen.

Patienten sollen nicht abstinent werden

Ziel der Beratungsstelle sei es nicht, den Patienten zur Abstinenz zu verhelfen. Sie sollen wieder mehr Lebensfreude entwickeln und dadurch eine bessere Lebensqualität erfahren.

Die Beratungsstelle hilft also vielmehr dabei, die Menschen aus ihrer sozialen Isolation zu befreien.

Das Projekt soll zunächst drei Jahre laufen. Es wird von der deutschen Fernsehlotterie gefördert und kann daher von Betroffenen kostenlos in Anspruch genommen werden.

Nicht nur Alkohol- und Medikamentensucht spielen eine Rolle

Im Alter würden viele Menschen nicht nur zu übermäßigem Nikotin-, Alkohol- oder Medikamentenkonsum neigen, erklärte Bernd Nagel, der Geschäftsführer der Stiftung Waldmühle.

Die TV-Werbung würde außerdem viele Menschen dazu verleiten, zwanghaft an Glücksspielen teilzunehmen oder Einkäufe im TV-Shop zu tätigen.

Gründe für die Sucht

Die Gründe eine Sucht zu entwickeln, sind vielfältig. Der Verlust des Partners könne dazu führen, dass die Menschen mehr Alkohol trinken und das nicht nur abends, sondern bereits schon am Tag. Auch der Eintritt in die Rente kann Süchte begünstigen.

Suchtberaterin Gehler erklärte, dass Problem sei oftmals eine Mischung aus vielen Dingen. Die Aufgabe der Beratungsstelle sei es herauszufinden, was dem Betroffenen hilft. Bei der 75-Jährigen Frau half die zweimal täglichen Hausbesuche.

Viel hilft viel

Das glauben viele alte Menschen. Aus diesem Grund schlucken sie häufig die doppelte Medikamentendosis, wenn ein Beruhigungs- oder Schmerzmittel nicht wirkt.

Dabei sei dies für gewöhnlich das Gegenteil, erklärte Nagel. Viele alte Menschen greifen nicht bewusst zu den Tabletten, um sich Linderung zu verschaffen, sondern aus reiner Gewohnheit, hieß es weiter.

Ausfallerscheinungen durch Drogenmissbrauch sind bei jungen Menschen zudem leichter zu erkennen. Bei alten Menschen könne schließlich auch Demenz die Ursache für eventuelle Ausfälle sein.



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