Gesundheit

Altenpflege: Pflege am Limit – Gefährliche Pflege in Heimen an der Tagesordnung?

In den Jahren 1997 bis 2007 wurden die Vollzeitstellen für Pflegefachkräfte um insgesamt 43000 Stellen reduziert. Dies entspricht, bezogen auf die Gesamtbeschäftigtenzahl, 13 Prozent der Pflegekräfte. Im selben Zeitraum stieg jedoch die Zahl der jährlichen Behandlungsfälle um etwa 750000, dies entspricht einer Steigerung um 5 Prozent.

Das ist der Stand für den Pflegebereich in Krankenhäusern. In deutschen Alten- und Pflegeheimen ist die Situation bezogen auf examiniertes Personal bisweilen noch dramatischer. Grundsätzlich lässt sich die Situation auf die Formel bringen „Mangel führt zu Mängeln“.

Alten- und Seniorenheime haben zwar nicht unbedingt unter einem generellen Personalmangel zu leiden, wohl aber unter einem gravierenden Fachkräftemangel. Ungelernte Arbeitskräfte indes geben ihr bestes für die Betroffenen, aber oftmals ohne das nötige Fachwissen, was zum Teil zu lebensbedrohlichen Zuständen bei den Pflegebedürftigen in den Heimen führt.

Eine Fachkraft für 65 Bewohner

Wohnbereiche mit 65 Bewohnern und nur einer examinierten Fachkraft im Dienst sind keine Seltenheit. Derzeit sind rund 2,4 Millionen Menschen in Deutschland pflegebedürftig. Im Jahre 2007 waren es lediglich 1,2 Millionen. Für das Jahr 2050 werden 3,2 Millionen pflegebedürftige Personen in Deutschland prognostiziert. Der demografische Wandel indes lässt jedoch auch das Pflegepersonal selbst altern, was aufgrund der Arbeitsbelastung in der Pflege zu erhöhten Krankheitsausfällen führt. Dadurch verschärft sich der Mangel an guter Pflege weiterhin, ein genereller Pflegenotstand scheint unausweichlich.

Zahl der über 50-jährigen Pflegekräfte nimmt stetig zu

Im Jahr 2000 gab es in Deutschland 1516000 Beschäftigte im Pflegebereich unter 35 Jahren. Im Jahr 2007 waren es nur noch 1367000 Beschäftigte unter 35 Jahren. Im Jahre 2000 standen dieser Zahl 788000 Beschäftigte über 50 Jahren entgegen. Im Jahre 2007 waren es bereits 1085000 Beschäftigte über 50 Jahren. Die Situation wird sich indes weiter verschärfen und damit die Lücke im Pflegebereich weiter aufreißen.

Bereits jetzt liegen vermehrt Bewohner in Altenheimen wund oder exikieren (Flüssigkeitsmangel), weil sie nicht ausreichend zu trinken erhalten. Dem Pflegepersonal, das zuweilen bis an die Grenzen der körperlichen Erschöpfung und Selbstausbeutung geht, ist kaum ein Vorwurf zu machen. Die Heimbetreiber indes schaffen es nicht, genug Fachkräfte zu bekommen, zum Teil führens ie dies auch nur als Grund an, um Geld zu sparen.

Faktisch steigt mit der gefährlichen Pflege auch die gesamtgesellschaftliche Belastung an. Bereits jetzt kommt es vermehrt vor, dass Angehörige Pflegebedürftige wieder aus Heimen nach Hause zurückholen.

Heimplatz für 2900 Euro monatlich

Die Heimbewohner müssen zuweilen bei Vorliegen der Pflegestufe 3 durchschnittlich 2900 Euro monatlich aufwenden. Immer weniger Rentner können sich diese Ausgaben jedoch von der eigenen Rente noch leisten. Die Folge ist ein erneutes Einspringen der Steuerzahler. Diese begleichen nunmehr über ergänzende Sozialausgaben die Kosten. Können die Betroffenen selbst nicht für die Pflegekosten aufkommen, müssen die leiblichen Kinder für diese aufkommen.

Pflege im Ausland als Lösung?

Vielfach sind also nicht nur die Betroffenen selbst arm dran, sondern auch die nächsten Angehörigen. Um Geld zu sparen, weichen immer mehr Pflegebedürftige auf eine Pflege im Ausland aus. Dort ist eine 24-Stundenpflege bereits für 1000 Euro monatlich zu haben. Die Versorgung selbst ist oftmals sogar besser als in Deutschland, weil es genug Pflegepersonal gibt.

Eine Lösung kann dies jedoch für die Betroffenen nicht sein, weil neben der fremden Sprache oftmals auch eine Vereinsamung eintritt, die durch weniger Kontakt zu den Angehörigen hervorgerufen wird, weil diese eben im fernen Deutschland zurückbleiben. Letztlich hilft nur eine grundsätzliche Reform des Gesundheitssystems.

Heimbetreiber ohne Moral?

Dies jedoch kostet Geld und dieses wird immer weniger den Betroffenen selbst zugutekommen, sondern am ehesten den Heimbetreibern, denn immer mehr haben erkannt, dass sich mit alten und kranken Menschen viel Geld verdienen lässt. Moral und eine menschenwürdige Pflege sind da eher nebensächlich, solange die Betreiberbilanz stimmt. Leidtragende sind neben den Pflegebedürftigen das Pflegepersonal, das mit ausgebeutet wird und keinerlei Lobby genießt.



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