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Amy Jade Winehouse- ein Nachruf

Als das erste mal der Song „Rehab“ im Radio lief, war man geneigt anzunehmen, das Lauryn Hill endlich eine neue Scheibe veröffentlicht hat, doch beim genaueren hinhören musste man feststellen, dass es eben nicht die Künstlerin aus den USA war, sondern eine Newcomerin aus England, die alsbald für Furore sorgen sollte. 2003 erschien ihr Debütalbum „Frank“ und 2008 erschien das Nachfolgewerk „Back to black“.  Mit nur zwei Erscheinungen hat Winehouse die Musikszene prägend durcheinandergewirbelt, sie öffnete die Tore für neue Künstlerin aus Großbritannien und alsbald folgten in ihrem Fahrwasser Künstlerin wie Adele oder Duffy, auf einmal wurde Soulmusik wieder in und hörbar.

Der Durchbruch ihrer musikalischen Karriere gelang Winehouse 2007/2008. Doch schon recht früh begann Winehouse für ihre Karriere zu arbeiten. In London sang ihr Vater Mitchell Winehouse Lieder von Frank Sinatra vor, und sie sang als Kind leidenschaftlich mit, derart, dass ihre Lehrer Schwierigkeiten hatten sie im Klassenzimmer still zu halten. Im Alter von neun Jahren wurde sie auf Veranlassung ihrer Großmutter Cynthia Winehouse auf die renommierte Susi Earnshaw Theatre School geschickt, einer privaten Schule mit künstlerischer Ausbildung im Norden Londons. Im Alter von zehn Jahren wirkte Winehouse kurz bei einer Rap Combo namens Sweet ‚n‘ Sour mit. Ihre Ausbildung setzte sie auf der Sylvia Young Theatre School fort, flog aber hier im Alter von 14 Jahren, weil sie sich weigerte ein Nasenpiercing abzunehmen. Veredelt wurde ihr Talent auf der berühmten BRIT School in London, wo unter Anderem auch Adele die Schulbank drückte.

Auch als Songwriterin fing Winehouse recht früh an, im Alter von 13 Jahren schrieb sie ihre ersten Songs. Der Musikproduzent Darcus Beese entdeckte Winehouse per Zufall, er hörte sich Aufnahmen der Band The Lewinson Brothers an, bei denen Winehouse in einigen Songs mitsang. Doch Winehouse wurde von ihrem Management als Wirtschaftsgeheimnis gehütet, und so brauchte Beese einige Monate bis er ihre Identität herausfand. Alsbald stellte er Winehouse seinem Chef, Nick Gatfield von Island Records/Universal, vor. Doch auch andere Labels, wie EMI und Virgin Records, waren bemüht Winehouse zu verpflichten, denn ihnen allen war klar, dass hier ein Rohdiamant vorlag.

So erschien das Debütalbum Frank 2003 bei Island Records und sorgte gleich für Furore. Die Mischung aus Soul und Jazz, die markige Stimme von Winehouse, das war Neuland in der britischen Musikszene. In Deutschlang gelangte sie mit dieser Scheibe auf Platz 12 der Albumcharts, obwohl Winehouse mit den Aufnahmen unzufrieden war. 2006 ging sie erneut ins Studio, für die Aufnahmen zum zweiten Album. Am 30. Oktober 2006 wurde Back to Black veröffentlicht und schnell erklomm die Scheibe Platz 1 der britischen Charts. Mit 1,85 Millionen verkauften Platten in Großbritannien konnte sie trotz des MP3-Zeitalters einen kommerziellen Erfolg für sich und ihr Label verbuchen. Mit der Auskopplung Rehab gelang ihr endgültiger Durchbruch, in vielen Ländern erreichte die Platte den ersten Platz der Charts (UK, USA, Deutschland, Frankreich etc. pp.).

Bei den Grammy Awards 2008, wo sie erst aufgrund ihrer bekannten Affinität zu Drogen nicht hinreisen durfte, gewann Winehouse fünf Grammy-Awards, damit ist sie die Künstlerin mit den meisten Auszeichnungen an einem Abend. Doch alsbald begann ein neues Kapitel ihrer Karriere, abseits und auf der Bühne fielen ihre Drogeneskapaden auf, minutiös und gnadenlos von Paparazzis und deren Kameras festgehalten. Schon 2007 erlitt Winehouse einen Zusammenbruch, ihr Managment sprach von einer Erschöpfung. Gerüchte um eine mögliche Magersucht, bzw. Bulimie, machten die Runde. 2008 ließ sie sich in eine Entzugsklinik einweisen, zuvor kursierte ein Video, auf welchem Winehouse eindeutig Crack geraucht hat.

Ihre Fans konnten aber weiterhin live auf der Bühne mitverfolgen, wie eine torkelnde Winehouse den Auftritt versemmelte, Es scheint zu den Grundgesetzen der Medien zu gehören, dass eben solche am lautesten Aufweinen, die zuvor Winehouse gnadenlos zerfleischt haben. Warum die einst so schüchterne Winehouse für Schlagzeilen sorgte, warum sie Drogen (u.A. Alkohol) nahm, war einerlei. Dass sie den Kontakt zu ihrer Vater abbrach, dafür wird sie ihre guten Gründe gehabt haben. Ihre Familie und sie waren aber integer genug, keine Schlammschlacht in der medialen Arena auszutragen. Es heißt, es gibt Gründe für eine Sucht, und jede Sucht sucht nach ihrem Ende. Winehouse, und ihre Sucht, fanden ihres alleine in ihrer Wohnung in London. Ein Ausnahmetalent ist von uns gegangen, wir haben bedächtig ihren Songs zugehört aber nicht verstanden, wir hatten Anteil an ihrer Selbstzerfleischung, haben ihr aber nicht die rettende Hand gereicht. Auf ewig wird ihr Name, wie den anderen Angehörigen des berüchtigten Clubs der 27, in der Kulturwelt zu vernehmen sein. Es heißt, dass eine neue Scheibe schon fertig vorliegt, so oder so, eine neue Ikone ist erschaffen, und die Heuchelei wird weiter ihren Tribut zollen.



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