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Annette Schavan: Doktortitel und Ministeramt weg?

Für Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) wird es eng. Der Promotionssausschuss der Universität Düsseldorf hat die Doktorarbeit der Ministerin geprüft und die Empfehlung ausgesprochen, ihr den Doktortitel abzuerkennen. Das Verfahren hierzu wird offenbar auf der Sitzung am 22. Januar 2013 eröffnet.

Die Ministerin hatte die Doktorarbeit vor 30 Jahren an der Philosophischen Fakultät der Universität Düsseldorf geschrieben. Die Arbeit trägt den Titel “Person und Gewissen“. Die Entscheidung über eine mögliche Aberkennung des Doktortitels fällt nun der Fakultätsrat der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf.

Schavanplag veröffentlichte erste Verdachtsmomente

Bereits im Frühjahr 2012 kam der Verdacht auf, dass Annette Schavan bei ihrer Doktorarbeit unsaubere wissenschaftliche Methoden angewandt hatte. Erste Verdachtsmomente tauchten im Internet-Blog „schavanplag“ auf. In einem ersten Schritt hatte die Universität eine Promotionskommission eingesetzt, die die Verdachtsmomente überprüfen sollte. Nunmehr ist die Kommission offenbar zu dem Schluss gekommen, dass die Vorwürfe aus dem Internet-Blog zutreffend sind.

Kommission: Bereits festgelegt?

Die Kommission sieht es offenbar als erwiesen an, dass die Bundesbildungsministerin vorsätzlich abgeschrieben habe. Dies berichtet die „Süddeutsche Zeitung“ in ihrer Ausgabe vom Mittwoch. Der Rektor der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf, Michael Piper, sagte, dass das Verfahren der Hochschule keine Vorentscheidung sei, sondern “unausweichlich“. Die Philosophische Fakultät stelle ein faires Verfahren sicher, auf ein solches haben die Ministerin zudem Anspruch, so Piper. Sollte der Fakultätsrat zu der Erkenntnis kommen, dass die Gründe für die Aberkennung des Doktortitels so schwerwiegend sind, dass das Verfahren eröffnet werden sollte, dürfte nicht nur der Doktortitel weg sein, sondern zugleich auch die politische Karriere von Annette Schavan.

Enge Vertraute von Angela Merkel

Die Bundesbildungsministerin gilt als enge Vertraute von Bundeskanzlerin Angela Merkel. Ob die Ministerin bereits damit gerechnet hat, dass es so kommen wird, lässt sich nur vermuten. Als Indiz könnte jedoch der Verzicht auf die Kandidatur zur stellvertretenden Parteivorsitzenden beim CDU-Parteitag in Hannover gelten. Ob der Doktortitel letztlich aberkannt wird, bleibt abzuwarten. Was jedoch in jedem Fall beachtet werden sollte, ist die Tatsache, dass die Arbeit von Annette Schavan aus dem Jahr 1980 stammt und insofern hinsichtlich der Zitierweise und der Arbeitsweise von der heutigen Zeit zum Teil abweicht.

Das Fettnäpfchen des Volker Kauder (CDU)

Was jedoch nicht sein darf, ist der Kommentar des Unions-Fraktionsvorsitzenden Volker Kauder (CDU) gegenüber der Universität Düsseldorf. Kauder warf der Universität im Hinblick auf das Verfahren gegen Schavan Dilettantismus vor. Volker Kauder macht sich mit solchen Aussagen zumindest im Kreise der Wissenschaft keine Freunde. Außerdem hat sich der Uni-Rektor der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf bereits gegen Angriffe aus der Politik zur Wehr gesetzt. Der Uni-Rektor ist der Meinung, dass die Maßstäbe, die für alle anderen gelten, auch für eine verdiente Ministerin gelten müssen.



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