Finanzen & Recht

AWD: Gerichtsurteile- AWD muss Anleger entschädigen

Der Finanzdienstleister AWD muss sich einem Urteil des Oberlandgerichtes Wien beugen und eine Anlegerin aufgrund „grob sorgfaltswidriger Beratung“ entschädigen, zwei weitere Urteile gegen AWD aus Deutschland könnten wegweisend sein. Zum einem hat das Oberlandsgericht Naumburg AWD vorgeworfen, in seinen Prospekten einen Totalverlust verharmlost zu haben (Az.: 5 U 187/1), ein zweites Urteil des Landgerichtes Braunschweig sprach einem Ehepaar Recht zu, auch sie seien grob falsch beraten worden (Az.: 5 O 1976/10). Diese Urteile bringen den Finanzdienstleister AWD in Bedrängnis, andererseits könnten Anleger, die bislang schlicht falsch beraten wurden, von diesen profitieren.

AWD Österreich verliert Klage gegen Verein für Konsumenteninformation (VKI)

Der Ableger des Finanzdienstleisters AWD in Österreich hat eine Klage gegen den Verein der Konsumenteninformation (VKI) verloren. Die Geschädigte hatte ihre Ansprüche an den VKI, einer Partnerorganisation der Stiftung Warentest aus Deutschland, abgetreten. Der VKI warf AWD vor Anleger systematisch falsch beraten zu haben. So hatte besagte Anlegerin eigentlich sichere Anlagen haben wollen, doch der Berater von AWD tat alles, um sie von Aktien zu überzeugen. Diese Anlageform sei so sicher wie Bausparverträge, und obschon die Anlegerin eine Zusicherung über die Risiken unterschrieben hatte, wurde sie darüber nicht aufgeklärt, das sei eine reine Formalie, so der Berater. Das Gericht in Wien sah es als erwiesen an, dass AWD seine Kundin nicht ausreichend über die Risiken informiert hätte, nun muss AWD 36.000 Euro plus Zinsen an den VKI bezahlen. Der VKI bereitet derweil eine Sammelklage von über 2500 Geschädigten vor, der Gesamtwert beläuft sich dabei auf 40 Millionen Euro.

AWD verliert zwei Gerichtsverfahren in Deutschland

Die Bremer Anwaltskanzlei  Hahn hat in beiden verfahren die Geschädigten vor Gericht vertreten, Gegenstand der klage ist ein Filmfonds. In den Jahren 2001 bis 2003 wurden bei 15.000 Anlegern knapp 280 Millionen Euro eingesammelt. In den Prospekten gab AWD vor, dass die Anlage absolut sicher sei, verwendet wurden graphische Darstellungen und Wortkombinationen wie Sicherungskette. Hiermit suggerierte AWD eine Sicherheit, die es bei solchen Anlageformen schlicht nicht gibt. Das Gericht sieh es als erwiesen an, dass AWD bewusst die Risiken verharmlost habe. Diese Urteile sind noch nicht rechtskräftig, da AWD noch Rechtsmittel einlegen will.

AWD wenig kundenfreundlich?

Schon seit Jahren klagen „geprellte“ Anleger gegen AWD und dessen Geschäftspraktiken, in der Regel geht der Finanzdienstleister durch alle Gerichtsinstanzen. AWD (Allgemeiner Wirtschaftsdienst) wurde 1987 in Hannover gegründet, inzwischen ist er eine hundertprozentige Tochter des schweizer Finanzunternehmen Swiss Life (seit 2008). Laut eigenen Angaben betreut AWD an die zwei Millionen Kunden in Deutschland, er bietet Kapitalanlagen, Versicherungen und Fonds an. In die Kritik gerieten insbesondere die Vertreter, die selbst unter immensen Druck gestellt werden, die ihre Kunden aufgrund des Drucks nicht immer exakt beraten. Stiftung Warentest gab im März 2011 an, dass über 34.000 Kunden geschädigt worden seien. Die AWD-Holding gibt für das Geschäftsjahr 2010 einen Umsatz von 547 Millionen Euro an, der Gewinn vor Zinsen und Steuern (EBIT) wurde mit 49,1 Millionen angegeben.



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