Politik

Bulgarien: Ausschreitungen gegen Roma

In der vergangenen Nacht haben in 14 Städten in Bulgarien pogromartige Ausschreitungen gegen die Minderheit der Roma stattgefunden, die Polizei hat 168 Verdächtige vorläufig festgenommen. Auslöser für die Anti-Roma Ausschreitungen ist ein Verkehrsunfall, in dem der 19 jährige Angel Petrov in der Ortschaft Katunitsa ums Leben kam. Der Fahrer des am Unfall beteiligten Minibusses ist ein Verwandter des so genannten Zaren Kiro (Kiril Rashkov), in den hiesigen Medien gerne als „Roma-Boss“ bezeichnet, eine Person der organisierten Kriminalität. Er soll nach dem Unfall die Verwandten des getöteten Jungen bedroht haben, weswegen er am Mittwoch festgenommen wurde. Die Ausschreitungen finden im Vorfeld zu den Präsidentschaftswahlen und dem eigentlich am 1. Oktober geplanten „Roma Pride Parade“ statt, schon warnt Präsident Parwanow vor einem ethnisch geprägten Wahlkampf.

Über 2200 Menschen sollen sich an den gestrigen Ausschreitungen beteiligt haben, manche der Demonstranten sollen mit Waffen oder gar Bomben ausgerüstet gewesen sein. Noch am Samstag, einen Tag nach dem Unfall, haben Hooligans des Fußballklubs Lokomotive Plowdiw Besitztümer von Rashkov angezündet. Am Montag und Dienstag wurden in diversen Städten, auch in der Hauptstadt Sofia, Ausschreitungen gegen Roma gemeldet. Die so verängstigten Roma haben ihrerseits angefangen sich zu wappnen und zu bewaffnen. Noch am heutigen Abend wird eine weitere Anti-Roma Demonstration in Sofia abgehalten, die Polizei hat ihre Kräfte am Nationalen Kulturpalast zusammengezogen um mögliche Eskalationen zu verhindern.

Die bulgarische NGO Amalipe wollte eigentlich am 1. Oktober die so genannte Roma Pride Parade in Sofia abhalten und versucht nun die Spannungen abzubauen, hierzu sollen Kinder Gedichte vortragen und Blumen verteilen. Das Motto der Parade „“I Am Proud to Be Bulgarian and Roma“ deutet auf die Versöhnungsgeste, doch der offene Marsch wurde abgesagt, wiewohl der Vorsitzende von Amalipe, Teodora Krumova, betont von Anfang an keinen Marsch geplant zu haben.

Da die Mehrheit der Roma in bitterster Armut lebt (wie in ganz Osteuropa), nimmt es nicht wunder, dass Einige kriminell werden, wie der so genannte Zar Kiro. Das Vermögen von Rashkov wurde eingefroren, man wirft ihm Steuerhinterziehung vor. In dem 7,7 Millionen Einwohner Staat Bulgarien werden 4,9 % zu den Roma gezählt, damit sind sie nach den Türken die drittgrößte Bevölkerungsgruppe. Sie zählen dabei zu den Ärmsten und sind am stärksten von Ausgrenzungen betroffen. Im Jahre 2005 wurde die Partei Ataka (Angriff) gegründet, diese rechtsextreme Partei könnte von den Ausschreitungen am meisten profitieren, weswegen es nicht verwundert, wenn der bulgarische Präsident Parwanow versucht, die Wogen zu glätten. Ataka hatte bei den Parlamentswahlen von 2009 immerhin knapp 10 % der Stimmen für sich verbuchen können. Die Lage der Roma, ob im Westen oder im Osten, wird auf absehbare Zeit immer gefährlicher.



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