Gesellschaft

Chile zählt die Opfer der Pinochet-Diktatur

Eine Kommission zur Aufklärung der Verbrechen im Zeitraum der Pinochet-Diktatur in Chile 1973 bis 1990 kommt zu neuen Erkenntnissen, demnach werden mehr Tote und Folteropfer gezählt als bislang offiziell verkündet wurde. Demnach werden bislang bestätigte 40.018 Opfer gezählt, rund 9800 mehr als bislang angenommen. Kommissionsvorsitzende Maria Luisa Sepulveda gab bekannt, dass diese 9800 Opfer in der Mehrzahl politische Gefangene waren, die nachweislich allesamt gefoltert wurden. 

Bei der Betrachtung der Opferzahlen geht es auch um die Entschädigungszahlung für die Opfer der Pinochet Diktatur, diese sollen künftig eine monatliche Rente von umgerechnet 260 Dollar erhalten. Ein vorheriges Ergebnis der Kommission wollte 27,153 Opfer gezählt haben. Bislang werden offiziell 3065 Menschen als getötet oder vermisst gemeldet.

Bei der Zählung müssen potentielle Opfer gewisse Kriterien erfüllen, diese müssen nachweislich von Pinochet-Anhängern gefoltert, entführt oder getötet worden sei. Die Pinochet Diktatur wurde mit Hilfe der CIA installiert, um gegen den demokratisch gewählten Salvador Allende vorgehen zu können. Am 11. September 1973 putschte General Pinochet gegen die amtierende Regierung, in der Folge wurden landesweit Geheimgefängnisse errichtet, tausende Oppositionelle, meist linke Kräfte, wurden inhaftiert und gefoltert. Erst 1989 beendete ein Referendum die Macht Pinochets, der aber bis 1998 offiziell als oberster Heerführer weiterhin ein Amt bekleiden konnte. 1999 wurde der ehemalige Diktator in Großbritannien festgenommen, später aber freigelassen. Ein Gerichtsverfahren 2000 in Chile wurde zwei Jahre später beendet, Pinochet wurde Demenz bescheinigt, damit galt er nicht als verhandlungsfähig. Er starb am 10. Dezember 2006, ohne jemals sich gerichtlich für seine Gräueltaten verantworten zu müssen.

Seit Beginn des neuen Jahrtausend versuchen chilenische Behörden die Vorkommnisse aufzuarbeiten, dennoch bestehen Risse durch die ganze chilenische Gesellschaft. Diese Aufarbeitung stellt für die gesamte chilenische Gesellschaft eine Herausforderung dar.



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