Gesundheit

Chilli-Schoten: Hilft Schärfe gegen Schmerzen?

Ob indisches Spicy Chicken oder feuriges mexikanisches Chili Con Carne– scharfes Essen kurbelt nicht nur den Stoffwechsel an, sondern kann auch schmerzlindernd wirken.

Dass es sich bei dem Inhaltsstoff der Chilli-Schote Capsaicin um einen natürlichen Schlankmacher handelt, wurde dagegen in verschiedenen Studien widerlegt.

Chilli als Heilpflanze

Die Ureinwohner Amerikas wissen schon seit Jahrhunderten um die heilenden Wirkungen ihrer Chilifrüchte, in der westlichen Medizin hingegen ist die Anwendung der grünen, gelben oder roten Schoten noch relativ jung. Die wohl bekannteste Eigenschaft aller Chilis ist, dass sie bei Kontakt mit Schleimhäuten ein feurig brennendes Gefühl in Mund und Rachen auslösen.

Scoville-Skala zur Bestimung des Schärfegrades

Die verschieden Chilisortenvariieren in der Intensität ihrer Wirkung und werden mit Hilfe der Scoville – Skala nach Schärfegrad geordnet. Während der in der europäischen Küche häufig verwendeten Peperoni 100 bis 500 Scoville zugeordnet werden, weisen extreme Chilisorten wie Habernero Werte über 100.000 Scoville auf.

Capsaicin in Chilli für Schärfe verantwortlich

Verantwortlich für das durch Chilis verursachte Feuer im Hals ist das enthaltende Alkaloid Capsaicin. Dieses stimuliert spezielle Nervenenden in den Schleimhäuten, die neben chemischen Reizen auch auf hohe Temperaturen reagieren. Die aktivierten Nervenenden leiten das Schärfe-Signal an das Gehirn weiter und bedingen lokal die Freisetzung eines Botenstoffs mit dem Namen Substanz P.

Dieser löst die Wahrnehmung des brennenden Schmerzes aus und veranlasst zur Wärmeabfuhr eine verstärkte Durchblutung des Gewebes. Als Folge erscheinen Zunge und Lippen leuchtend rot und fühlen sich glühend heiß an.

Scharfes Chili gegen scharfe Schmerzen

Während es innerlich wie Feuer wirkt und dem Körper verbrennungsähnliche Symptome vortäuscht, hat Capsaicin äußerlich angewendet einen entspannenden und schmerzlindernden Effekt. Es gibt diverse Cremes, Salben und Pflaster (Wärmepflaster), die Chiliextrakte enthalten und besonders bei Muskelverspannungen zum Einsatz kommen.

Capsaicin bedingt in der Haut die Ausschüttung des Botenstoff-Substanz P und verlangsamt dessen Wiederaufnahme in die Nervenzellen. Als Folge verarmen die Nervenzellen an der Substanz, Signale können nicht mehr vollständig ans Zentralnervensystem geleitet werden und der Schmerz der Muskelverspannung wird nicht mehr wahrgenommen.

Capsaicin in Chilli als Schmerzmittel

In Deutschland leiden laut des Deutschen Forschungsverbandes Neuropathischer Schmerz (DFNS) etwa sechs Prozent der Bevölkerung an Nervenschmerzen, das entspricht knapp fünf Millionen Menschen. Durch hochkonzentriertes Capsaicin werden bei Betroffenen die Nervenfasern reversibel deaktiviert.

„Man könnte sagen, die Nerven werden zunächst erregt, um anschließend unerregt sein zu können“, erklärt Prof. Dr. Burkhard Gustorff, Vorstand der Abteilung für Anästhesie, Intensiv- und Schmerzmedizin am Wiener Wilhelminenspital gegenüber dem Forum Gesundheit Österreich.

Schmerzmittel bei Muskelverspannung zum selber machen

Die Nervenfaser sind somit unempfindlich gegenüber aller möglichen Reize; und die Schmerzen verschwinden. Tipp für die heimische Küchenapotheke: Bei Muskelverspannungen einen Teelöffel Cayennepfeffer mit 60 ml Öl mischen und in die entsprechenden Muskelpartien einmassieren.

Der Kontakt mit den Augen sollte auf jeden Fall vermieden werden, denn ähnlich wie im Mund verursacht Capsaicin auch hier Brennen und Rötungen. Dies zeigt sich nicht zuletzt bei Pfeffersprays, deren Effekt auf der Wirkung von Capsaicin beruht.

Mythos um Capsaicin als Schlankmacher

In den Medien wird das scharfe Alkaloid immer öfter nicht nur als Schmerzmittel bezeichnet, sondern ihm fälschlicherweise auch Diät-Wunderwirkungen nachgesagt. Im Magen angelangt steigert es zwar die Sekretion der Magensäure und die Durchblutung, wodurch es verdauungsfördernd und stoffwechselanregend wirkt.

Studien zeigen jedoch, dass der regelmäßige Konsum mit einer Gewöhnung des Körpers und somit einem verminderten Schlagkraft des Fettverbrennungs-Effekt einhergeht. Wer viel und regelmäßig Chili isst, kurbelt somit zwar den Stoffwechsel an, wird jedoch kein Diätwunder erleben.



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