Sport

LSVD froh: Thomas Hitzlsperger gesteht Homosexualität

Was im Frauenfußball, in der Politik und in vielen anderen Bereichen unserer Gesellschaft längst ganz normal ist, ist im Herrenfußball immer noch ein Tabuthema. Homosexualität.

Immer wieder kursieren Gerüchte, doch öffentlich bekannt zu seiner Homosexualität hat sich noch kein prominenter Fußball-Profi. Bis jetzt.

Hitzlsperger stärkt Homosexuelle im Profi-Fussball

Im letzten Sommer beendete der ehemalige Nationalspieler Thomas Hitzlsperger seine aktive Laufbahn. Jetzt, ein halbes Jahr nach seinem Karriereende, bricht er sein Schweigen und sucht ganz gezielt die Öffentlichkeit.

Damit will Hitzlsperger die Diskussion über Homosexualität im Profisport vorantreiben und anderen einen Weg ebnen. Der 31-jährige gibt zu, dass es für ihn selbst ein sehr langwieriger und schwieriger Prozess war, sich die eigene Homosexualität einzugestehen.

Homosexualität hat in der rauen Männerwelt keine Akzeptanz

Hitzlsperger, der in Deutschland, Italien und England als Profi die Fußballschuhe schnürte, erklärte, dass in keinem dieser Länder Homosexualität auch nur annähernd ein Thema wäre. Zumindest nicht im Mannschaftskreis. Und schon gar nicht in der Kabine.

Schwule sind Weicheier. Ein Klischee, das weit verbreitet ist und so gar nicht vereinbar ist mit dem harten Leistungssport, in dem „Kampf, Leidenschaft und unbändiger Siegeswille“ eine enorme Rolle spielen.

Keine Scham und trotzdem schwer zu ertragen

Auch, wenn es manchmal schwer war die Sprüche der Kollegen zu ertragen, so habe sich Hitzlsperger „nie dafür geschämt, dass ich nun mal so bin“. Trotzdem war und ist es eine schwierige Situation und ein noch schwierigeres Thema.

Deshalb hat Hitzlsperger auch Bundestrainer Joachim Löw und Teammanager Oliver Bierhoff vorab darüber informiert, dass er mit dem heiklen Thema an die Öffentlichkeit gehen würde und sich Outen würde.

Breite Unterstützung für Hitzlsperger

Die Fußballwelt zollt Hitzlsperger Respekt für seinen Mut. Lukas Podolski, ehemals Mitspieler von Hitzlsperger in der Nationalmannschaft, kommentierte das Outing Hitlzspergers auf Facebook „als mutigen Schritt“ und „als richtiges Zeichen in der heutigen Zeit“.

Auch der DFB steht Hitzlsperger und allen, die ihm Folgen werden, zur Seite. Bereits im Sommer veröffentlichte der DFB eine Infobroschüre zum Thema „Fußball und Homosexualität“, um für mehr Offenheit und Verständnis zu werben.

LSVD begrüßt Coming out von Hitzlsperger

Besonders begrüßt wurde das Outing vom Lesben- und Schwulenverband in Deutschland (LSVD), der bereits seit vielen Jahren gegen die Vorurteile im Profi-Sport kämpft und für mehr Aufklärung wirbt.

Homosexuelle Frauen als Vorbilder

Im Umgang mit ihrer Homosexualität sind die Frauen das starke Geschlecht. Nadine Angerer, immerhin Nationaltorhüterin der DFB-Frauen und auch ihre ehemalige Mannschaftskameradin Steffi Jones, heute DFB-Sportdirektorin, gehen ganz offen mit Ihrer Homosexualität um.

Zuletzt hatte das Outing des ehemaligen US-Nationalspielers Robbie Rogers international Aufsehen erregt. In England, der selbsternannten Mutter des Fußballs, war das Bekenntnis von Justin Fashanu gleichzeitig der prominenteste und dramatischste Fall. Fashanu beging Selbstmord nachdem ihm vorgeworfen wurde, einen 17-Jährigen vergewaltigt zu haben.

52 Länderspiele, 6 Tore. 2006 WM-Dritter mit dem DFB-Team, 2008 Vize-Europameister, 2007 Deutscher Meister mit dem VFB Stuttgart – eine beachtliche Karriere, aber vielleicht feiert Thomas Hitzlsperger mit seinem Outing seinen größten Erfolg erst jetzt, nach dem Karriereende.



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