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Commerzbank: Bald wieder in privaten Händen?

Die Bundesrepublik Deutschland griff der von der Finanzkrise gebeutelten Commerzbank unter die Arme und kaufte sich im Zuge der Finanzkrise in die Bank ein. Nun plant die Bundesregierung offenbar die Staatsanteile wieder zu verkaufen. Wie der “Focus“ berichtet, soll Finanzminister Wolfgang Schäuble bereits erste Sondierungsgespräche mit einem potentiellen Interessenten, der Schweizer UBS, geführt haben.

Wolfgang Schäuble hat zu diesem Zweck mit dem früheren Chef der Bundesbank, Axel Weber, ein Gespräch geführt. Weber ist heute Vorsitzender des Verwaltungsrats der UBS. Die Commerzbank wird an der Börse derzeit mit rund 6,8 Milliarden Euro taxiert. Der Anteil des von der Bundesrepublik aufgelegten Banken Rettungsfonds Soffin beträgt dabei rund 1,2 Milliarden Euro.

Bund: Sperrminorität aufgegeben

Wie ein Sprecher des Bundesfinanzministers in Berlin mitteilt, war es stets Ziel der Bundesregierung, die für die Commerzbank gewährten Kriterien für eine Stabilisierung in einem möglichst zeitlich eng begrenzten Rahmen zu halten. Wie der Sprecher von Schäuble weiter mitteilt, ist jedoch zum heutigen Zeitpunkt nicht absehbar, wann die Bundesanteile an der Commerzbank wieder veräußert werden. Sowohl die Commerzbank als auch die Schweizer UBS lehnten zu dem Bericht des „Focus“ eine Stellungnahme ab. Bereits in den vergangenen Monaten war absehbar, dass die Bundesregierung offenbar ihre Aktivitäten bei der Commerzbank reduziert. So sank der Bundesanteil bei der Commerzbank unter 25 Prozent. Dadurch hat die Bundesregierung automatisch wichtige Befugnisse, die sie durch die 25-Prozent-Marke gehabt hat, bewusst aufgegeben. Zuvor konnte sie bestimmte Beschlüsse der Bank durch eine Sperrminorität aktiv beeinflussen. Dies entfällt zukünftig. Ob durch den Verlust der Sperrminorität jedoch der Verkaufspreis bei der Bank besser sein wird, lässt sich bezweifeln. Experten hätten der Bundesregierung daher auch geraten, die Sperrminorität beizubehalten und dann den Verkauf der Anteile zu planen. So wäre im Falle eines Verkaufs ein deutlich höherer Preis erzielt worden, so die Meinung der Analysten.

Commerzbank baut 5200 Stellen ab

Insgesamt 18,2 Milliarden Euro kostete das Engagement der Bundesrepublik bei der Bank. Davon waren allein 16,4 Milliarden Euro als stille Einlage geplant. Durch die verbliebenen 1,8 Milliarden Euro konnte sich der Bund ein Viertel der Aktien sichern. Martin Blessing, Chef der Commerzbank, versprach damals eine “gut verzinst Einlage“, durch die der Bund und damit letztlich der Steuerzahler das Engagement bei der Commerzbank letztlich mit einem plus hätte beenden können. Statt Milliardengewinne machte die Commerzbank jedoch immer weitere Verluste. Die Folge war ein Sanierungsprogramm nach dem anderen. Das aktuelle Sanierungsrezept sieht die Streichung von rund 5200 Stellen bei der Commerzbank vor. Martin Blessing will nun die Commerzbank auf Privatkunden und den Mittelstand fokussieren. Sämtliche nicht mehr zu dem neuen Konzept passende Bereiche will er abstoßen. Experten, darunter auch die Ratingagentur Moody’s, gehen indes davon aus, dass der Sanierungskurs frühestens im Jahr 2015 erste Erfolge zeigen wird. Die Folge der Unsicherheit schlägt sich letztlich auch auf die Aktie nieder. So sank die Commerzbank Aktie Anfang Juli 2013 auf den Tiefststand von 5,56 Euro.



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