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Dänemark: Freistadt Christiania wird 40 Jahre alt

In der Hauptstadt Dänemarks in Kopenhagen feiert die so genannte Freistadt Christiania ihren 40. Geburtstag, die alternative Siedlung entstand 1971 auf einem ehemaligen Militärgelände.

Anlässlich des Geburtstages warten die Bewohner, die so genannten Christianiten, mit einer groß angelegten Straßenparty auf. Das Motto der großen Sause lautet: “ 40, fresh and free“.

Was als Alternativsiedlung begann ist heute institutionalisiert, obschon gleich mehrere Regierungen versucht haben die Siedlung in die Stadt Kopenhagen einzugemeinden. Auf der anderen Seite sind nicht wenige Dänen stolz auf Christiania und führen Besucher und Touristen aus aller Welt in die Siedlung um ein anderes Dänemark aufzuzeigen.

Freistaat Christiania in Dänemark wird 40

Mit dem 40. Geburtstag wollen die Bewohner Christianias nicht nur ein Jubiläum feiern, sondern zugleich eine neue Ära einläuten. Lange Zeit war der Status der alternativen Siedlung unklar und wurde mehr schlecht als recht von der dänischen Regierung toleriert. Doch erst kürzlich hat die dänische Regierung das Gelände für 76,2 Millionen Kronen (ca. 10,2 Millionen Euro) und die darauf befindlichen Gebäude für ca. 40 Millionen Kronen (5,3 Millionen Euro) verkauft und somit der Siedlung einen legalen Status verliehen. Gleichzeitig wurde das Recht der Anwohner bestätigt die Zuwanderung weiterhin mitbestimmen zu können. Auch der Verbleib der knapp 300 errichteten Gebäude, die meist in Eigenregie errichtet wurden und architektonisch interessant sind, wurde offiziell bestätigt.

Nicht immer war die Geschichte der Freistadt Christiania friedlich, so löste der Versuch eines Abrisses eines Hauses 2007 Straßenkrawallen aus, am Ende musste die Polizei unverrichteter Dinge abziehen. Auch intern gab es zum Teil bewaffnete Konflikte, 2005 starb eine unbeteiligte Person in einer Schießerei, eine Gang versuchte damals das Cannabis-Geschäft zu übernehmen. 2009 wurde gar eine Granate in eine Menschenmenge geschmissen, eine Person wurde schwer verletzt.

Regeln auch in Christiania

Die Bewohner Christianias haben ihre eigenen Regeln aufgestellt, demnach sind (trotz starker Akzeptanz von Drogenkranken) harte Drogen, Waffen, schusssichere Westen, Gewalt und Autos im Viertel verboten. Die Verwaltung wird basisdemokratisch gestaltet, das Plenum (Fællesmøde) übernimmt dabei die Rolle einer rechtssprechenden Organisation nach Außen (z.B. mit den dänischen Behörden), die Gebietssitzung (Områdemøde) übernimmt interne Regelungen.

Während die Christianiten bis vor kurzem ihre Siedlung abseits der dänische Rechtssprechung sahen (denn die Polizei wird nicht reingelassen), hat die Regierung Dänemarks das Viertel eher als autonome Kommune toleriert. Mit der Neuvereinbarung will sie Christiania als Stadtteil Kopenhagens integriert wissen.

Freie Stadt der Künstler und Alternativen

In der Freistadt leben viele Künstler, Alternative, ehemalige Obdachlose oder Studenten. Der offene Verkauf von weichen Drogen in Straßenbuden, wie Marihuana, wurde von den Bewohnern selber aufgelöst, einen Tag bevor die dänische Polizei eingerückt wäre, seitdem floriert der Schwarzhandel und auch die Gewalt kann damit erklärt werden.

Trotz der offensichtlichen Veränderungen der letzten Jahren schwärmen die Bewohner immer noch vom Geist Christianias, dieser sei in den Wurzeln immer noch lebendig. Auch viele Touristen schwärmen von der Atmosphäre im Viertel, ein Freiraum für Freigeister. Auch wenn diese Freigeister sich dem Offensichtlichen beugen müssen, um den Aufkauf Christianas zu finanzieren, wurden so genannte Volksaktien (Christiania Folkeaktie) herausgegeben.

 

 



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