Wissenschaft

Deutscher Archäologe will Geheimnis des Englischen Schweiß lösen

Die Krankheit sudor anglicus, auf Deutsch, der Englische Schweiß, trat in den Jahren 1485, 1506, 1517 und in den Jahren 1528/29 und letztmalig 1551 auf. Sie gilt bis heute als ungelöstes medizinisches Rätsel. Bis heute weiß niemand, was die Erkrankung ausgelöst hat. Forscher aus dem Bereich der Medizin haben bisher vergeblich versucht, die Ursache für die Erkrankung herauszufinden. Nun will ein deutscher Archäologe das Problem mit interdisziplinären Forschungsmethoden lösen.

Interdisziplinärer Forschungsansatz als Lösung

Insbesondere die Geschichtswissenschaft aber auch die Archäologie soll beispielsweise Handelsrouten von Händlern aufzeigen und somit quasi den Patienten „Null“ helfen zu finden. Auch die historische Geografie soll zur Lösung des Problems bemüht werden, so der Forscher in einer Stellungnahme anlässlich des Beginns des Forschungsprojektes. An der Lösung des Problems sollen insbesondere britische Forscher beteiligt sein, aber auch ein interdisziplinäres deutsches Forscherteam soll Impulse geben, so der Archäologe weiter. Bereits in seiner Diplomarbeit beschäftigte sich der Archäologe mit einer interdisziplinären Forschungsfrage. Wenn es gelingt, das bisher ungelöste Problem des Englischen Schweiß zu lösen, könnte dies auch Anregungen für andere Forschungszweige bieten, so die einhellige Forchungsmeinung.

Unklare Verläufe der Erkrankung

Die Erkrankung Sudor anglicus zeichnete sich durch eine wahrscheinlich sehr kurze Inkubationszeit und eine hohe Letalitätsrate aus. Von dem Auftreten erster Symptome bis zum Eintritt des Todes vergingen oftmals nur wenige Stunden. Interessant ist, dass die Krankheit nach 1551 nicht mehr auftrat, beziehungsweise nie mehr als solche dokumentiert wurde. Erstmalig wurde sudor anglicus bei der Schlacht von Bosworth am 22. August 1485 ausführlich dokumentiert. Im weiteren Verlauf des Jahres 1485 breitete sich die Krankheit von Wales bis London aus. Im Jahre 1506 trat die Krankheit erneut auf, der Monat des Auftretens ist nicht überliefert. Wohl aber wurde dokumentiert, dass im Herbst keine Neuerkrankungen mehr auftraten. Auffällig an dem Ausbruch des Jahres 1506 ist, dass die Prognose im Gegensatz zu den anderen Jahren sehr günstig war und nur wenige Menschen verstarben Im Juli 1517 kam es in London zum erneuten Ausbruch von sudor anglicus. Innerhalb weniger Stunden verstarben die meisten Erkrankten. Zeitgenössische Quellen vermerkten damals: „Viele die noch zu Mittag fröhlich gewesen, sah man des Abends nicht mehr unter den Lebenden“.

Keine Frage der sozialen Herkunft

Interessant ist, dass die Krankheit sowohl arme Stände als auch reiche Menschen gleichermaßen befiel. Der Ausbruch dauerte diesmal sechs Monate, also bis zum Dezember 1517. Sudor anglicus breitete sich diesmal wohl über ganz England aus und auch das französische Calais wurde diesmal betroffen. In den Jahren 1528/29 kam es zum vierten Ausbruch. Diesmal waren auch Italien und Deutschland betroffen. Hier wurden diesmal auch Lübeck und weitere Teile Schleswig-Holsteins betroffen. Die Hauptsymptome der Betroffenen wurden wie folgt beschrieben: Kältegefühl, Magendruck, Kopfschmerzen, großer Durst, Delir, erschwertes Atmen, große Angst, teilweise Todesangst, Ekel und Erbrechen und teilweise der charakteristische oft übelriechende Schweiß.

Tödlich innerhalb von Stunden

Die Symptome traten vielfach innerhalb weniger Stunden auf. Die Krankheit trat zudem fast immer im Sommer und Herbst auf, vornehmlich bei feuchter und nebliger Witterung. Merkwürdigerweise blieben schwächliche alte Leute, Frauen und Kinder meist von einer Ansteckung verschont. Demgegenüber traf es vorwiegend junge und kräftige, männliche Personen im Alter von 15-42 Jahren, auch aus höheren Ständen. Ortsfremde wurden ebenfalls fast immer verschont.

Neuzeit: Vielfache Interpretationsansätze

In neuerer Zeit wurde sudor anglicus mit der Enzephalitis epidemica B und mit dem Hantavirus Pulmonary-Syndrom in Verbindung gebracht. Auch Beziehungen zur Leptospirose (Morbus Weil) und zum Lungenmilzbrand wurden hergestellt. Im Jahr 1965 hat Patrick die Krankheit sudor anglicus nicht als Infektionskrankheit, sondern als Ergebnis einer Verunreinigung von Nahrungsmitteln durch Pilze (Mutterkorn-Ergotismus) oder einer anderen Form von Getreideverunreinigung betrachtet. Im Jahre 2001 wurden Opfer des Englischen Schweißes in gestörten Gräbern identifiziert. Die Hoffnung auf Basis einer DNA-Analyse zu einer Antwort auf die Erregerfrage zu gelangen, war jedoch vergeblich.

Forscher: Bisherige Methoden nicht effektiv

Mit den üblichen medizinisch-labordiagnostischen Verfahren konnte trotz aller Versuche keine Lösung der Frage herbeigeführt werden welche pathogene Ursache für sudor anglicus letztlich verantwortlich war, so der Archäologe S. Frey in einer Stellungnahme für asentanews. Bezüglich der Hantavirus-Pulmonary-Syndrom-Variante ist zu erwähnen, dass zur Übertragung in erster Linie Nagetiere und deren Exkremente (Urin, Kot, Speichel) als Übertragungsweg zu nennen sind. Das Virus muss demnach stets neu in die menschliche Population eingeschleppt werden. Obwohl sich die Symptome von sudor anglicus und dem Hantavirus-Pulmonary-Syndrom ähneln, ist die zum Teil schnelle Verbreitung der Erkrankung damit nicht zu erklären, so Frey. Deshalb soll nun ein interdisziplinärer Forschungsansatz das ungelöste Problem einer heute unbekannten Erkrankung lösen helfen.



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