Wirtschaft

Bitcoins als alternative Geldanlage gefragt

Sind Bitcoins die Währung der Zukunft?

Finanzexperten sehen in dem neuen digitalen Zahlungsmittel einen wichtigen Baustein für ein neues Finanzsystem.

Gleichzeitig könnte die Währung auch ein Segen für Milliarden armer Menschen sein. Aber die neue Wunderwährung hat auch Haken.

Mit einer provokanten Aussage eröffnet Aaron König von Bitfilm seinen Vortrag zur virtuellen Währung Bitcoin auf dem DLD 2014 in München. „Ich bin nicht sicher, ob die Bank, in deren Haus wir uns befinden, in ein paar Jahren noch existiert“, sagt er süffisant.

Die Konferenz findet übrigens in einem schicken Altstadtgebäude der Hypovereinsbank. Und König setzt sogar noch einen obendrauf, denn er erwartet den Zusammenbruch des gesamten Finanzsystems: „Gut, dass wir eine Alternative haben und vorbereitet sind.“

Verändern Bitcoins die Welt?

Bitcoins seien die rettende Alternative. Das sieht nicht nur König so, sondern auch vier weitere Experten, die mit ihm auf dem Podest sitzen. Sie sind sich einig: die digitale Währung bietet nur Vorteile und werde sogar die ganze Welt verändern.

Johann Gevers von der Monetas AG dazu: „Früher lebten die Menschen in ganz kleinen Gruppen. Sie kannten jeden und bauten Vertrauen auf.“ Später, in den stark wachsenden Gesellschaften, funktionierte dies nicht mehr. Die Gesellschaften wurden gelenkt von wenigen Personen an der Spitze.

Jetzt sieht Gevers wieder einen Wendepunkt: „Heute jedoch befinden wir uns auf dem Weg zurück zu einer dezentralen Gesellschaft – wir stehen am Beginn einer demokratischen Revolution.“

Bitcoins: „bevorstehende Revolution“

Die „bevorstehende Revolution“ werde von mehreren Säulen getragen. Eine dieser Säulen sei ein dezentrales Finanzsystem. Und in diesem neuen dezentralen Finanzsystem übernehmen die Bitcoins eine entscheidende Rolle.

Gerade die Entwicklungsländer würden von der virtuellen Währung profitieren, sind sich die Finanzexperten einig. Gevers ergänzt: „Milliarden Menschen besitzen kein Konto oder keine Kreditkarte.“ Diese konnten bisher nur von Angesicht zu Angesicht Geld transferieren.

Überweisungen per Handy

Die digitale Währung ändert dies. Rund drei Viertel der Weltbevölkerung sei mit Mobiltelefonen ausgestattet. Und eben mit diesen Mobiltelefonen können sie Geld überweisen ohne ein eigenes Konto zu besitzen. Mit den Bitcoins.

Avedisian fügt hinzu: „Außerdem arbeiten viele Menschen aus Entwicklungsländern im Ausland. Sie überweisen regelmäßig einen Teil ihres Einkommens in die Heimat – mit Bitcoins geht das schneller und günstiger als mit herkömmlichen Methoden.“ Dies sei ein riesiger Fortschritt für Entwicklungsländer.

Rodolfa Andragnes von der Bitcoin Foundation Argentinia stammt aus Argentinien, einem ebenfalls krisengeschüttelten Land. Die Menschen in Argentinien wurden durch den Zusammenbruch der argentinischen Wirtschaft und anhaltende Inflation geprägt. „Sparen lohnt sich kaum, weil die Inflation den Wert des Geldes vernichtet“, so Andragnes. Viele Argentinier würden gern in Dollar und Gold investieren. Doch dies ist offiziell verboten, um die Teuerungsrate nicht noch weiter anzukurbeln. Vielen bliebe nur der Schwarzmarkt. „Dort kostet der Dollar dann aber auch knapp doppelt so viel“, ergänzt Andragues.

Aus diesem Grund seien die Menschen in Argentinien sehr interessiert an alternativen Geldanlagen. Andragues weiter: „Bitcoins können eine Alternative zum Dollar sein. Die Argentinier müssen die Vorteile der digitalen Münzen erkennen.“ Das Ende von illegal unter der Matratze gehorteten Dollars?

12 Millionen Bitcoins im Umlauf

Zurzeit sind rund 12 Millionen Bitcoins im Umlauf. Das Maximum sind 21 Millionen – dies wird durch einen Algorithmus sichergestellt, durch den sie auf Computern erzeugt wurden. Der große Vorteil: jeder kann günstig und schnell überweisen, sofort auf die Bitcons zurückgreifen, denn es gibt keine zentrale, überwachende Instanz. Anders als bei Kreditkarten.

Doch, dass es auch einen guten Grund gibt, warum die Bitcoins sich bisher noch als Zahlungsmittel etablieren konnten, wird nur am Rande erläutert. Peter Sundra dazu, der die Entwicklung der Bitcoins seit Jahren verfolgt: „Manche sagen, die Volatilität sein ein Problem. Ändert sich die Nachfrage nach Bitcoins, ändert sich der Kurs und das beeinflusst die Preise für Waren.“

Bitcoins als alternative Geldanlage

Eine sinkende Nachfrage ist jedoch keine Seltenheit. Zwar haben die Bitcoins eine wahre Kursexplosion erlebt, von der beispielsweise auch Rodolfo Andragnes profitierte, wie er berichtete: „Ich habe damals Bitcoins zum Kurs von 40 Dollar je Münze gekauft, heute kosten sie etwa 900 Dollar.“ Allerdings ist die Online-Währung damit immer noch ein gutes Stück von ihrem jüngsten Hoch entfernt.

Vor Kurzem kostete die virtuelle Währung sogar über 1.200 Dollar – jetzt sind es nur noch 870 Dollar. Zuletzt sackte der Kurs immer wieder ab. Die Ursache liegt im vergleichsweise geringem Volumen, das gehandelt wird. Sobald schon geringes Kapital aus dem Markt abgezogen wird, hat das für den Kurs schwerwiegende Folgen.

Finanzexperten sehen den Erfolg der Bitcoins eng verknüpft mit der Finanz- und Eurokrise. Das Vertrauen in herkömmlihe Währungen ist bei einigen Menschen verschwunden. Die einen flüchten in Gold und andere Edelmetalle, andere in Bitcoins.

Am Ende des Vortrags räumt zumindest auch Gevers ein, dass die Bitcoins noch nicht so sicher sind, wie es nötig wäre und somit auch die Zukunft nicht zwingend rosig sein muss.



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