Wissenschaft

Ecstasy gegen Blutkrebs?

Die beliebte Partydroge Ecstasy, eine Mischung aus Amphetaminen, soll nach Meinung einiger Wissenschaftler ein hohes Potential aufweisen um in Zukunft Blutkrebs bekämpfen zu können. Bislang war die Wirkung von Ecstasy bekannt, dass der Wirkstoff Krebszellen vernichten kann. Der ursächliche Wirkstoff, MDMA, wurde 1912 von der Firma Merck zum Patent angemeldet. Der Wirkstoff wurde zuerst als Wachmacher, später als Appetitzügler und in den 60ern in der Psychotherapie eingesetzt, erst in den 80ern wurde Ecstasy als Rauschmittel „entdeckt“. Die Langzeitwirkungen der Droge sind selbst unter Fachleuten umstritten, obschon ein hohes Suchtpotential besteht. Bislang sind sich die Wissenschaftler nicht einig, ob Gehirnzellen durch Ecstasymissbrauch geschädigt werden, unbestritten ist der sozio-kulturelle Verfall von Extremusern; hier steht allerdings noch die Frage nach den Umgebungsbedingungen (Setting) aus.

Schon 2006 wiesen Forscher der Universität Birmingham die Wirkung von Ecstasy auf Krebszellen nach, so konnte das Wachstum von Krebszellen deutlich abgeschwächt werden. Doch die Dosierung bei den in-vitro-Versuchen war so hoch, dass normale Menschen an der Wirkung gestorben wären. Nun haben Wissenschaftler der Universität Western Australia im Verbund mit der Uni Birmingham Ecstasy derart umstrukturiert, dass die Wirkung auf Krebszellen verhundertfacht wurde. Insbesondere gegen Lymphdrüsenkrebs, gegen alle gängigen Leukämiearten und gegen multiples Myelom (Krebsart des Knochenmarks) sollen neuartige Medikamente auf Grundlage von Ecstasy erfolgreich eingesetzt werden können. Doch bis zur Entwicklung der ersten Medikamente dauert es noch mindestens zehn Jahre, betonen die Wissenschaftler.

Weiterhin soll die toxische Wirkung (wiewohl diese noch umstritten ist, zu mindestens bei reinem MDMA) auf das Gehirn reduziert werden. Der Forschungsleiter, Professor John Gordon aus der Uni Birmingham, beteuert, dass bei einigen Versuchen von verändertem Ecstasy die Krebszellen im Versuch zu 100 % vernichtet wurden. Die Wirkungsweise ist noch nicht komplett geklärt, anscheinend greift der Wirkstoff auf Lipid-Gruppen in der Zellmembran der mutierten Zelle an und vernichtet diese somit.

Der neue Ansatz scheint vielversprechend, spiegelt aber das Dilemma der aktuellen Drogenpolitik wieder. Aufgrund des weltweiten Verbots wurde die Forschung mit verbotenen Substanzen um Jahre zurückgeworfen. Der Missbrauch aber konnte kaum gestoppt werden, dementsprechend blüht der Schwarzmarkt, und nicht jeder Drogendealer verkauft „saubere“ Drogen was die unkontrollierte Wirkung auf meist jugendliche Drogennutzer noch zusätzlich gefährdet. Eine sachliche Diskussion um Gefährdung und Nutzen von solchen Substanzen wäre wünschenswert, ist aber unter den heutigen Umständen nicht realisierbar. Ein Selbstversuch von betroffenen Menschen wird ausdrücklichst nicht empfohlen!



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