Gesundheit

EFSA: Bisphenol A Grenzwerte noch im gefährlichen Bereich

Ob Kinderspielzeug, Wasserflasche oder Computer: Weichmacher stecken in vielen Alltagsprodukten.

Die EU hat erneut Warnung vor den Giftstoffen, allen voran Bisphenol-A (BPA) ausgesprochen und empfiehlt die Grenzwerte drastisch zu senken.

EFSA warnt vor Weichmacher Bisphenol A

Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) hat am vergangen Freitag (17.01) die Gesundheitswarnungen für den Weichmacher Bisphenol A (BPA) aktualisiert und für die Senkung des Grenzwertes auf ein Zehntel des bisher geltenden Wertes plädiert.

Ursache der momentanen Aufruhr ist die Auswertung von über 450 Studien durch die EFSA. Deren Gutachten besagt, dass schädliche Wirkungen für Leber, Nieren und Brustdrüsen mit einer Exposition gegenüber BPA in Verbindung stehen.

Was ist Bisphenol A (BPA) und wo kommt es vor?

BPA ist eine chemische Verbindung, die es ermöglicht Materialien dehnbarer und flexibler zu machen. Es kommt meist in Kombination mit anderen chemischen Stoffen bei der Herstellung von Kunststoffen und Harzen zum Einsatz.

So zum Beispiel in Polycarbonat, einem Kunststoff der in Mehrweg-Getränkeflaschen, Geschirr oder Vorratsbehältern eingesetzt wird. Rückstände von BPA finden sich auch in Epoxidharzen, die in Schutzbeschichtungen von Konserven- und Getränkedosen verwendet werden.

Studie zur gesundheitsschädlichen Wirkung von Bisphenol A

In geringen Mengen kann der Weichmacher aus den Verpackungen in die Lebensmittel und Getränke und somit in den Körper gelangen. Hohe Temperaturen fördern die Lösung von BPA aus Verpackungen, sodass besonders in der Sommersonne Glasflaschen oder BPA-freie Flaschen Plastikbehältnissen vorzuziehen sind.

Eine im Sommer 2013 in der Fachzeitschrift „Environmental Health Perspectives“ veröffentliche Studie belegt zudem, dass Bisphenol A nicht nur über die Absorption im Verdauungstrakt, sondern bereits durch Kontakt mit der Mundschleimhaut in den Blutkreislauf gelangen kann.

Welche Gesundheitsrisiken entstehen durch BPA?

In seiner chemischen Struktur ähnelt BPA dem weiblichen Geschlechtshormon Östrogen und zählt somit zu den sogenannten endokrin aktiven Substanzen, die das menschliche Hormonsystem beeinflussen können. Es kann Auswirkungen auf die Fruchtbarkeit und Fortpflanzung haben und wird unter anderem als Mitverursacher für männliche Impotenz diskutiert.

Bereits im Mutterleib kann sich der regelmäßige Verzehr von belasteten Lebensmitteln negativ auswirken und zu einer Fehlentwicklung des Hodens des ungeborenen Jungen führen. Die von der Europäischen Union verhängten Grenzwerte werden in der Regel von der Industrie eingehalten.

Dennoch besteht Gefahr, denn die kleinen aufgenommen Mengen addieren sich und wirken als Summe gesundheitsschädlich.

Wirtschaftliche Bedeutung des Weichmacher Bisphenol A

Der aktuelle Report der EFSA nennt, wenn auch “weniger wahrscheinlich”, weiterhin Schädigungen des Nerven-, Immun-, und Herzkreislaufsystem als Folgen zu hoher BPA-Werte im Körper. Ob und inwiefern BPA an der Entstehung von Krebs beteiligt ist, ist noch nicht gänzlich geklärt.

Da die Verwendung von Weichmachern viele Produkte erst gebrauchsfähig macht, ist ein völliges Weglassen des Stoffes in der Industrie kaum denkbar. Um den gesundheitsschädlichen Effekt jedoch weitgehendstes zu minimieren, empfiehlt die EFSA den bisherigen geltenden ADI-Wert (acceptable daily intake = täglich tolerierbare Aufnahmemenge) von BPA von derzeit 50 Mikrogramm pro Kilogramm Körpergewicht auf 5 Mikrogramm zu senken.

Um die Giftstoffquellen zu reduzieren, sollte auf die Nutzung von Glas- oder BPA-freier Flaschen geachtet werden und zur Aufbewahrung von Lebensmittel Behälter aus Metall oder Glas gewählt werden. Für Kinder ist Spielzeug aus Naturmaterialien zu bevorzugen.



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