Konjunktur

Europas Börsen erneut unter Druck

Die politische unsichere Lage in den Niederlanden und in Frankreich, zudem die immer noch schwelende Staatsschuldenkrise im Euroraum mit neuen Sorgenkindern, setzt die Börsen in Europa massiv unter Druck.

So hat der deutsche DAX nahezu 3,5 % abgeben müssen, die Londoner Börse FTSE 100 schließt um 2,19 % zum heutigen Wochenauftakt schwächer ab. Auch die französische Börse CAC 40 gab 2,83 % Prozentpunkte ab.

Zudem hat der Bruch der Regierungskoalition in den Niederlanden über den Streit des geplanten Sparpaketes die Nerven der Anleger strapaziert. Auf einmal könnte das nächste Sorgenkind des Euroraums aus dem Norden kommen, mehrere Ratingagenturen hatten angedroht, die Top-Bonität der Niederlanden abzustufen.

Anzeichen der wirtschaftlichen Krise verdichten sich

Die Krise um die Staatsverschuldung Griechenlands ist nicht gemeistert, Spaniens Haushaltsschulden noch nicht einmal richtig angegangen, da schert mit den Niederlanden ein vermeintlich stabiles Mitglied der Gemeinschaftswährung Euro aus und sorgt für neue Sorgenfalten. Bislang haben die Rating-Agenturen die Niederlande mit Höchstnoten ausgestattet, doch die nicht einzuhaltende Neuverschuldungsquote von drei Prozent (wie eigentlich in Maastricht vereinbart) sorgt für eine Abstufung der Kreditwürdigkeit der Niederlanden.

Auch die wirtschaftlichen Entwicklungen in Frankreich und in Deutschland deuten auf ein negatives Wirtschaftswachstum. So hat die scheinbar stabile deutsche Wirtschaft erstmals seit Monaten im Einkaufsmanager-Index einen Dämpfer hinnehmen müssen, der so genannte PMI liegt derzeit bei 46,3 Ab einem Wert von 50 gilt ein Wirtschaftswachstum als sicher, ein Wert darunter hingegen deutet auf eine Rezession.

Öffentliche Schulden in Europa

Das Statistische Amt der EU, EUROSTAT, hat zum heutigen Tag die neuen Verschuldungsquoten bekannt gegeben. Demnach beträgt das öffentliche Defizit in der gesamten EU der 27 Staaten 4,1 %, in den Eurostaaten liegt die Nettoneuverschuldung gar bei 4,5 %. Der öffentliche Schuldenstand in der EU der 27 liege demnach bei 87,2 %, innerhalb der Eurostaaten immer noch bei 82,5 %.

Die höchsten Nettoneuverschuldungen weisen Irland (- 13,1% des BIP), Griechenland (- 9,1%), Spanien (- 8,5 %) und das Vereinigte Königreich auf (- 8,3 %), die niedrigsten Nettoneuverschuldungen wurden laut EUROSTAT in Finnland (- 0,5 %), Luxemburg (- 0,6%) und in Deutschland (- 1%) generiert. Ungarn (+ 4,3%), Estland (+ 1%) und Schweden (+ 0,3%) sind die einzigen Staaten in der EU, die einen Überschuss in 2011 erwirtschaften konnten.

Auch Wirtschaft in China schwächelt

Auch der Wirtschaftsmotor China stottert momentan, der Einkaufsmanager-Index (PMI) ist zwar im April um 0,8 Punkte auf 49,1 gestiegen, doch der Wert liegt deutlich genug unter der wichtigen Kennmarke von 50.

Im ersten Quartal 2012 ist die Wirtschaft in China um 8,1 % gewachsen, der niedrigste Wert seit fast drei Jahren. Daher versucht die chinesische Zentralbank Wachstumsimpulse zu generieren, ähnlich wie zuvor die EZB in Europa, verleiht die Zentralbank günstige Kredite. Im März wurden so chinesische Banken mit frischem Geld in Höhe von einer Billion Yuan (ca. 100 Milliarden Euro) ausgestattet.

Die künftigen Entwicklungen auf den internationalen Börsen sind schwer abzuschätzen, gut möglich, dass EZB-Chef Draghi richtig liegt mit seiner Vermutung, dass die Krise schon gemeistert sei, doch ebenso kann der schwelende Brand sich noch weiter ausbreiten, wie das Beispiel der Niederlande vorführt. Die Börsen werden entsprechend reagieren, momentan scheinen Anleger kein Vertrauen zu haben, was die Krise erst recht triggern kann.



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