Konjunktur

EZB-Chef Draghi: Schlimmste Krise nun vorbei

Der Chef der Europäischen Zentralbank (EZB) Mario Draghi sagte in einem Interview mit der BILD, dass die schlimmsten Szenarien der Eurokrise nun vorbei seien, die schlimmst-anzunehmenden Szenarien seien nicht eingetreten, nun würde sich die Situation wieder stabilisieren.

Auch einen Vergleich mit den USA scheut Draghi nicht und behauptet, dass Europa besser da stehen würde als die USA, wiewohl dies nicht der Realität entspricht. Ob die Öffnung der Geldschleusen der EZB helfen habe könne, die Krise im Euroraum zu überwinden, bejahte er eindeutig.

In der so genannten Long Term Refinancing Operation hatte die EZB im Dezember 2011 und im Februar 2012 den Banken hunderte Milliarden Euro zu günstigen Zinsen verliehen und löste damit einen (noch verdeckten) Inflationsdruck aus.

EZB Kreditvergabe: Starke Medizin

Die Vergabe von über 580 Milliarden Euro als Kredit der EZB bezeichnete Draghi als starke Medizin. Dieses Geld sei nur benutzt worden, um alte Verbindlichkeiten abzulösen und wäre dementsprechend nicht dem Wirtschaftskreislauf zugefügt worden, deswegen würde auch keine Inflationsgefahr aufkommen. Eine Ansicht, die der Bundesbankchef Weidmann eindeutig widersprochen hat.

Seit Wochen muss die EZB nun keine Staatsanleihen von drangsalierten Staaten aufkaufen, dies deutet Draghi als gutes Zeichen. Zudem seien die wichtigsten Kennzahlen, wie Inflation, Leistungsbilanz, Arbeitslosenquote und Haushaltsdefizite auf dem Weg der Besserung, gute Anzeichen für eine Erholung aus der Eurokrise. Dass die Inflation innerhalb der EU bei 2,7 % liegt, und damit oberhalb der selbstgesteckten Ziele, erklärte Draghi mit dem Preisanstieg für Mineralölprodukte und Energie.

Die Gefahr eines Staatsbankrottes von Griechenland sei im vergangenen Herbst am höchsten gewesen, die EZB hätte mitgeholfen dies zu verhindern. Dennoch bleibe jede Menge noch zu tun, das Vertrauen der Anleger kehre langsam zurück. Auf der anderen Seite hatte das Marktforschungsinstitut Markit Economics am heutigen Donnerstag mit, dass der so genannte Einkaufsmanagerindex (im Original: Purchasing Managers Index PMI) für Deutschland im März unter die wichtige Kennmarke von 50 Punkten gefallen ist, derzeit liegt der Index bei 48,1 Punkten (vorher bei 50,2).

Ab einem Wert von unter 50 weist der Index auf ein negatives Wirtschaftswachstum hin, der Index selber wird durch Befragungen von Managern (Auftragslage, Exportaufträge, Einkaufspreise etc.) erstellt. nach der Bekanntgabe reagierten die Märkte prompt, Euro und der DAX liessen nach.

Krise wirklich überstanden ?

Der Chef der EZB gibt dem größten Anzeiger Deutschlands, der größten Volkswirtschaft innerhalb der EU, ein Interview, in diesem gibt er sich äußerst optimistisch. Diesen Optimismus teilen längst nicht alle Analysten, so werden bei den Staatsverschuldungen Spaniens, Portugals und Italiens enorme Anstrengungen verlangt, um die Haushaltsdefizite nach unten zu korrigieren, mit der Folge von möglichen sozialen Unruhen. Auch die Verlangsamung des Wirtschaftswachstums in China könnte globale Auswirkungen haben und damit auch die EU-Staaten treffen.

OB EZB-Chef Draghi mit seiner Äußerung, die schlimmste Krise sei nun vorbei, bewusst positive Polemik betreibt, sei dahin gestellt, die Probleme innerhalb der EU sind bei weitem noch ungelöst.

 



Erstellen Sie den ersten Kommentar!

Kommentieren

Sie müssen eingeloggt sein um zu kommentieren.