Finanzen & Recht

Falschberatung – Commerzbank muss 44.000 Euro Schadensersatz zahlen

Die Commerzbank muss für schlechte Beratung Schadensersatz zahlen. Das entschied jetzt das OLG Stuttgart und verurteilte die Commerzbank zu einer Schadenersatzzahlung von rund 44.000 Euro mit der Begründung, dass das Geld eines Kunden zu riskant angelegt wurde. Ein Urteil, das Signalwirkung haben könnte.

Insgesamt 44.453,52 Euro verlor ein Kunde der Commerzbank 2011 innerhalb weniger Monate mit einer Geldanlage der dritthöchsten von vier Risikoklassen – bezeichnenderweise heißt die so verlustreiche Anlage „Wachstum“. Das Oberlandesgericht Stuttgart entschied jetzt, dass die Commerzbank dem Kunden Schadensersatz in Höhe des Verlustes von 44.453,52 Euro zzgl. Zinsen zahlen muss.

Im Jahr 2011 lief eine Anlage des Klägers in Höhe von 750.000 Euro aus. Daraufhin entschloss er sich bei der Commerzbank zu investieren. Ihm wurde die Anlage „Wachstum“ empfohlen und so legte er 60 % des Geldes in Einzelaktien und 40 % in konservative Anlagen an. Die Commerzbank investierte in sechs verschiedene Aktien- und vier Rentenfonds.

40.000 Euro Verlust – nach 5 Wochen

Nach 5 Wochen der Schock. Schon mehr als 40.000 Euro Verlust. Das war im August 2011. Der beginn der Eurokrise. Die Börsenkurse brachen ein. Unverzüglich forderte der Kunde die Commerzbank auf, die Wertpapierkäufe wieder rückgängig zu machen und ihm seine ursprüngliche Anlagesumme wieder gutzuschreiben. Der Kunde war total entsetzt darüber, dass das von der Bank gewählte Portfolie nicht seinen Risikovorstellungen entsprach.

Nachdem das Landgericht Hechingen 2013 die Klage abwies und der Bank Recht gab, hatte der Kläger jetzt mit seiner Berufung vor dem Oberlandesgericht Stuttgart vollen Erfolg. Peter Gundermann, Anwalt des Klägers: „Die Risiken wurden tatsächlich als zu niedrig dargestellt, es befanden sich hochriskante Papiere im Portfolio.“

Besonders brisant: die Commerzbank hatte einen Rentenfonds der höchsten Risikoklasse den 40 % konservativen Geldanlagen zugeschrieben, obwohl mit diesem Fonds sehr hohe Verluste möglich waren. Das Gericht beschloss jetzt, die Beratung der Commerzbank sei nicht anlegergerecht gewesen. Die Bank hätte den Wissensstand, die finanzielle Situation, die Risikobereitschaft und das Anlageziel des Anlegers stärker berücksichtigen müssen. Noch ist das Urteil nicht rechtskräftig. Die Commerzbank hat noch die Möglichkeit beim Bundesgerichtshof eine Revision zu erstreiten.

Das Urteil kann Signalwirkung haben

Sollte das Urteil rechtskräftig werden, könnte es Signalwirkungen haben. Gerade auch im Bezug der Benennung von Anlagestrategien. Zurzeit gibt es hierfür noch keine gesetzlichen Regelungen und mit ihren freigewählten Namen nehmen die Banken die Verwirrung ihrer Kunden dankend in Kauf. In Zukunft werden Kunden Anlagestrategien mit Namen wie „Chance“ oder „Wachstum“ hoffentlich kritischer hinterfragen. Diese Begrifflichkeiten sind extrem auslegungsbedürftig, was auch die Richter feststellten und Maßstab hierfür sei nun einmal der Horizont des Anlegers.

Das Urteil könnte weitreichende Folgen für viele Banken haben, wie Anwalt Gundermann mutmaßt: „Ich gehe davon aus, dass vielen Bankkunden unter Verwendung auslegungsbedürftiger Begriffe zu Risikokategorien nicht zu ihnen passende Strategien und Musterdepots empfohlen wurden.“



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