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FDP: Brüderle, Sexismus und ein Brötchen

Wohl kaum ein Pressefrühstück dürfte so viel Interesse hervorgerufen haben wie das an diesem Mittwoch stattgefundene. Hauptprotagonist war der FDP-Fraktionsvorsitzende Rainer Brüderle. Bei Kaffee, Schnittchen und Brötchen redete Brüderle gewohnt über politische Themen. Ein Thema, welches die versammelte Hauptstadtpresse besonders interessierte, berührte Brüderle jedoch nicht.

Gemeint ist die in den letzten Tagen heiß diskutierte Sexismus-Debatte. Brisant an dem Pressefrühstück ist die Tatsache, dass jene Journalistin anwesend war, der Rainer Brüderle ein ausfüllendes Dekolletee im Dirndl zusprach. Laura Himmelreich wurde jedoch mit keinem Blick von Brüderle gewürdigt. Der FDP-Politiker diskutierte stattdessen über den Besuch des ägyptischen Präsidenten, über die Lage in Afrika und weitere an diesem Tag belanglos klingende Themen. Das Thema, was die versammelte Presse jedoch besonders interessierte, ließ Brüderle wieder aus.

FDP zum kollektiven Schweigegelübde verpflichtet?

Sexistische Äußerungen scheinen Brüderle leicht von der Hand zu gehen beziehungsweise aus dem Mund zu entschlüpfen, eine anschließende Diskussion über das Thema gerät dann jedoch innerhalb der FDP offenbar zu einer Art Schweigegelübde. Insbesondere die Frage eines anwesenden Journalisten, ob Brüderle denn gemerkt habe, dass Laura Himmelreich anwesend sei und ob Brüderle sich entschuldigen wolle, zeigte wie stur der FDP-Politiker offenbar ist.

Brüderle würdigte  Journalistin Himmelreich keines Blickes

Weder antwortete er auf die Frage, noch entschuldigte er sich, stattdessen ging er. Die Sichtweise hinsichtlich des Sexismus praktizierte Brüderle bei dem Pressefrühstück weiterhin. Indem er die anwesende Journalistin Himmelreich keines Blickes würdigte und das Thema geflissentlich überging, zeigte Brüderle Arroganz und damit ein typisches Alpha-Tiergehabe. Nach der Definition ist die Herausstellung von geschlechtlichen Unterschieden und die Überhöhung des eigenen Geschlechts als Sexismus zu bezeichnen. Indem Brüderle auf das Thema überhaupt nicht einging, praktizierte er im Prinzip weiterhin seine sexistische Sichtweise.

Andrea Nahles (SPD) verlangt Erklärung Brüderles

Der FDP-Fraktionsvorsitzende wirkte während des Pressefrühstücks nicht so locker wie sonst üblich, stattdessen zog er sich in einem inneren Refugium aus Abwehrhaltung zurück. Ob das Verhalten des FDP-Spitzenmannes seiner Partei beim Überspringen der Fünf-Prozent-Hürde bei der Bundestagswahl helfen wird, bleibt derweil abzuwarten. Andrea Nahles ( SPD) verlangt derweil von Brüderle eine öffentliche Erklärung.

Erste satirische Ansätze entdeckt

Derweil findet das Thema in den Talkshows der Fernsehprogramme einen immer breiteren Raum. Sollte das Thema in den nächsten Wochen nicht abebben, könnte die FDP im bevorstehenden Bundestagswahlkampf ein echtes „Sexismus-Problem“ haben. In diesem Zusammenhang fragte einer der anwesenden Journalisten auch, ob Brüderle denn bis zum Ende schweigen wolle.

Auffällig beim Pressefrühstück war auch, dass die betroffene Stern-Journalistinnen sich sehr zurückhielt. Der Stern indes sieht es als gedankliche Armut an, wenn FDP-Politiker regelrecht „bockig“ und beleidigt reagieren würden. Derweil titelt die Online-Ausgabe des Satiremagazins “ Titanic“ bereits mit folgender Schlagzeile “ Sexismus-Streit vorbei? Brüderle bietet Versöhnungssex an“. Einige Experten wollen sogar schon erste Entwürfe für ein FDP-Wahlplakat erspäht haben, darauf zu sehen Rainer Brüderle beim Oktoberfest mit einer Frau im Dirndl, darunter der Schriftzug „Mia san mia- FDP.“



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