Finanzen & Recht

Finanzamt vergab zehntausende Steuernummern falsch

Bei der Vergabe der sogenannten persönlichen Steueridentifikationsnummer sind dem Finanzamt gravierende Fehler unterlaufen.

Laut Michael Meister, parlamentarischer Staatssekretär, gibt es Hinweise darauf, dass die Steuernummer in über 164.000 Fällen falsch vergeben wurde.

Dies gehe aus einem Antwortschreiben von Meister an den Linken-Steuerexperten Richard Pitterle hervor.

Viele Personen bekamen mehrere Steueridentifikationsnummern

Das Ministerium und die Bundesregierung seien sich bewusst darüber, dass es Fälle gab, in denen einer Person mehrere Steueridentifikationsnummern zugewiesen wurden.

Laut Meister hatte das Bundeszentralamt für Steuern bis Anfang Dezember 2013 circa 106.000 der Fehlvergaben bereits abgearbeitet. Bisher seien noch etwa 14.000 Fälle in der Bearbeitung. Allerdings wurde von über 164.000 Fehlvergaben gesprochen.

Manuelle Tippfehler schuld an der Misere

Verschiedene Gründe könnten dazu führen, dass eine Person mehrere Steuernummern zugewiesen bekommt. Dies könne zum Beispiel passieren, wenn man von einem Auslandsaufenthalt zurückkommt, hieß es. Von den Meldebehörden würde dann schließlich in den meisten Fällen eine neue Steueridentifikationsnummer gefordert.

In etwa 1.300 Fällen sollen zwei Personen dieselbe Steuernummer erhalten haben. Dies soll, laut Angaben des Fachdienstes Steuerberater intern, durch manuelle Tippfehler zustande gekommen sein.

Unangenehme Konsequenzen nicht ausgeschlossen

Bei zwei Personen, denen dieselbe Steueridentifikationsnummer zugewiesen wurde, traten sehr unangenehme Konsequenzen auf. Die zwei Arbeitnehmer wurden am gleichen Tag geboren und hatten ähnliche Namen.

Eine der beiden Personen wurde aufgrund der fehlerhaften Steuernummer von seiner Firma in die Steuerklasse VI eingestuft. Diese wird jedoch nur dann vergeben, wenn ein Arbeitnehmer mit einem zweiten Arbeitgeber ein Arbeitsverhältnis eingeht.

Der Arbeitnehmer befand sich plötzlich in der Steuerklasse mit der höchsten Steuerlast. Ein Steuerfreibetrag war somit nahezu ausgeschlossen. Dieselbe Steuernummer führte außerdem dazu, dass die Betroffenen bei den Finanzbehörden für ein und dieselbe Person gehalten wurden.

Der Fingerabdruck für das Finanzamt

Die Steueridentifikationsnummer wurde im Jahr 2007 eingeführt. Jeder Bürger in Deutschland sollte eigentlich eine einzigartige elfstellige Nummer zugewiesen bekommen. Für die Steuerbehörden dient die Steuernummer sozusagen als Fingerabdruck.

Sie wird erst im Todesfall gelöscht. Bis dahin bleibt sie das ganze Leben bestehen. Dies gilt auch dann, wenn sich Ehepaare scheiden lassen oder ein Umzug stattgefunden hat.

Welche Informationen sind in der Steueridentifikationsnummer enthalten?

Zu jeder Nummer werden persönliche Daten, wie der Name, die Anschrift, das Geschlecht, Geburtstag und -ort sowie das zuständige Finanzamt, gespeichert.

Durch die Fehler bei der Vergabe der Nummer, wurde sozusagen der einzigartige Fingerabdruck vervielfältigt, sodass bestimmte Personen als eine andere angesehen wurden bzw. dass zwei Personen als ein und dieselbe Person galten. Oder ihnen wurden ‚mehrere Fingerabdrücke‘ zugeteilt.

Dies kann dazu führen, dass die Steuern mit der Steuererklärung falsch abgerechnet werden oder wurden, weil man versehentlich in eine andere Steuerklasse eingeteilt wurde. Dies wirkt sich selbstverständlich auch negativ auf das Nettogehalt von Arbeitnehmern aus.

Von diesem Problem sollen überwiegend Personen betroffen gewesen sein, die nach einem Auslandsaufenthalt eine neue Steueridentifikationsnummer zugewiesen bekamen.



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