Gesundheit

BUND Studie: Hormone in Schweinezucht machen krank

Die Massentierhaltung ist weder tiergerecht noch gesund, der Genuss von konventionellem Schweinefleisch macht den Menschen krank, so aktuelle Studien des „Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland“ (BUND).

Der Einsatz von Hormonen bei der industriellen Fleischproduktion bleibt nicht ohne Folgen für den Konsumenten. So zählt der BUND die Unfruchtbarkeit bei Männern als eine unter vielen Folgen durch Hormoneinsatz in der Schweinezucht auf.

Sexualhormone in der Schweinezucht landen beim Menschen

Die industrielle Schweinezucht wird erst durch den gezielten Einsatz von Sexualhormonen wirklich effizient. In der Folge davon tritt die Geschlechtsreife früher ein. So können die Weibchen eher befruchtet werden und die Wurfquote pro Sau erhöht sich.

Mit der Gülle gelangt das hier eingesetzte Östrogen in Teilen ins Abwasser und kann bei Menschen zu schweren gesundheitlich Folgen führen. Dazu zählt auch die Unfruchtbarkeit bei Männern. Das ergaben zwei Studien des „Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland“ (BUND).

Hormone machen Sauen zu Gebärmaschinen

Die in der Schweinezucht eingesetzten hormonellen Präparate synchronisieren den Sexualzyklus der Tiere. Die Ferkel kommen in unnatürlich hoher Anzahl zur Welt, werden weniger lange gesäugt und dabei noch schneller zur Geschlechtsreife gebracht. „Die Tiere werden zu Gebärmaschinen gemacht“, stellt der BUND-Vorsitzende Hubert Weiger in Richtung Bundesagrarminister Hans-Peter Friedrich fest.

Remontierungsraten in Ost- und Westdeutschland

„Die Nutzungsdauer“ heutiger Sauen ist bemerkenswert kurz. Die Sauen werden im Schnitt keine zwei Jahre genutzt und bringen dabei nur bis zu 5 Würfe. Das bedeutet umrechnet, dass sie keine drei Jahre alt werden.

Dementsprechend hoch ist der Bedarf an Nachschub zur Bestandsergänzung durch Jungsauen (Remontierung). Die Remontierungsraten sind in Ostdeutschland mit ca. 50 – 60 % der Sauen im Jahr höher als in Westdeutschland mit ca. 40 – 47 %“. Das sind die Ergebnisse der Studie „Zum Einsatz von Hormonen in der intensiven Sauenhaltung“.

BUND fordert Verbot von Hormontherapie zur Leistungssteigerung

Diese ausgeprägte Medikamentenabgabe an vollkommen gesunde Tiere widerspricht dem Arzneimittelgesetz, so der BUND. Hormontherapien sind eigentlich der Behandlung von Krankheiten in der Zucht gedacht. Bereits in der Vergangenheit wurde übermäßiger Einsatz von Antibiotika bei der Hühnerzucht kritisiert.

Die Umweltschutzorganisation forderte den Bundesagrarminister daher dazu auf, „den Einsatz von Hormonen zur Leistungssteigerung in der Ferkelzucht zu verbieten.“ „Es kommt zu Störungen bei der Organentwicklung, der Verringerung der männlichen Fruchtbarkeit und zum vermehrten Auftreten bestimmter Krebsformen“, so die Studie.

„Mögliche Auswirkungen auf die menschliche Gesundheit durch Einträge von Hormonen in die Umwelt“ führen vor allem zu Brustkrebs, Hoden- und Prostatakrebs.

Hormone in der Tierhaltung schaden auch den Menschen

Weitere mögliche Folgen der Hormone bei den Menschen sind z.B. die Vorverlagerung des weiblichen Pubertätsbeginns, der Verminderung der Spermienqualität bei Männern, genitale Fehlbildungen und Übergewicht.

Ein Umdenken von Politik und Wirtschaft, wie es der BUND fordert, ist auch langfristig nicht absehbar: Die Agrarindustrie wird mittels Förderpolitik durch die EU noch gestärkt. Bauern müssen ihre Felder tatsächlich vor Spekulanten schützen und die Umwelt wird durch den massiven Einsatz von Pestiziden nachhaltig gestört.

Tierschutz völlig außer Acht gelassen

Reinhild Benning, Agrarexpertin, erläutert, dass durch die widernatürlich hohe Anzahl der Ferkel pro Sau auch vermehrt Ferkel verenden, da die Anzahl der Zitzen pro Muttersau oftmals gar nicht mehr ausreiche um alle Jungtiere ausreichend zu säugen.

Außerdem sind laut BUND auch Beeinträchtigungen bei anderen Tierarten zu erwarten. Um eine Risikobewertung möglich zu machen, müsse der Bundesagrarminister sämtliche Daten zu den verwendeten Hormonen in der Nutztierhaltung und deren Mengen offenlegen, forderte der BUND-Vorsitzende.

Steroide: erbgutschädigend und krebserregend

Insbesondere der Einsatz der sogenannten Steroide in diesem Zusammenhang deutlich strenger überwacht werden. „Diese als erbgutschädigend und krebserregend geltenden Medikamente dienen unter anderem in der Sauenhaltung zur Zyklusgleichschaltung“, berichtet der BUND.

Der BUND-Vorsitzende Hubert Weiger betonte, dass diese „Agrarpolitik, die vor allem auf Wachstum der industriellen Tierhaltung setzt, zu mehr Umweltschäden, großem Tierleid, Krebsleiden bei Menschen durch aufgenommene Hormone und hohen Folgekosten für die Gesellschaft“ führt.

Für die Ergebnisse der aktuellen BUND-Studie hat sich auch der Norddeutsche Rundfunk (NDR) interessiert und in einem exklusiven Beitrag berichtet. Die kompletten Ergebnisse der BUND Studie können hier gelesen werden



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