Wirtschaft

Fördern Mindestlohn und Rente ab 63 die Schwarzarbeit?

Experten glauben, dass die Schwarzarbeit stark zunehmen wird. Die Rente mit 63 würde unter anderem dazu beitragen.

Es wird damit gerechnet, dass dem Staat pro Jahr eine dreistellige Milliardensumme entgehen wird.

Mindestlohn macht Schwarzarbeit attraktiver

Wirtschaftswissenschaftler schätzen, dass durch die Einführung eines flächendeckenden Mindestlohns in Höhe von 8,50 Euro pro Stunde, Schwarzarbeit für viele Menschen attraktiver wird. Hierzu würde auch die Rente mit 63 beitragen.

Dem Staat würde laut einer Studie der Universität Linz und dem Tübinger Institut für Angewandte Wirtschaftsforschung oder kurz IAW, die am Dienstag veröffentlicht wurde, in Zukunft viel Geld entgehen.

Schwarzarbeit wird wieder attraktiver

In der sogenannten Schattenwirtschaft sollen laut der Studie im Jahr 2014 338,5 Milliarden Euro umgesetzt werden. Dies entspricht 12,2 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. 2013 lag die Quote bei 12,4 Prozent.

Dass das Interesse an Schwarzarbeit zunächst gesunken ist, lag an der Einführung der Minijobs. Forscher sind sich sicher, dass sich dies bald wieder ändern wird.

Die Politik hat laut IAW-Direktor Bernhard Boockmann und dem Linzer Schattenwirtschaft-Experten Friedrich Schneider, nicht zu einem Rückgang der Schwarzarbeit beitragen können.

Eine stabile Konjunktur habe zunächst dafür gesorgt, dass Schwarzarbeit unattraktiver wurde. Die Chancen einen festen Job zu bekommen standen gut, weshalb viele Menschen von der Schattenwirtschaft Abstand nahmen.

GroKo fördert Schwarzarbeit?

Die große Koalition würde dazu beitragen, dass die Schwarzarbeit wieder in den Vordergrund gerät. Dies würde sie nicht absichtlich tun, aber weil reguläre Arbeit teurer wird, würde sie dies indirekt tun, erklärte Boockmann.

Der flächendeckende Mindestlohn, die Rente mit 63 und höhere Beiträge zur Pflegeversicherung würden legale Arbeit unattraktiver machen, hieß es weiter.

Drei Milliarden Euro pro Jahr

Die Schattenwirtschaft würde laut den Berechnungen der Experten ein Wachstum in Höhe von drei Milliarden Euro jährlich erleben.

Hinzu komme außerdem, dass der heimliche Steueranstieg nicht durch Lohnerhöhungen ausgeglichen würde. Dadurch erlebe die Schattenwirtschaft einen weiteren Zuwachs.

Die große Koalition müsse dies in ihrem Koalitionsvertrag berücksichtigen, sonst sei definitiv wieder mit mehr Schwarzarbeit zu rechnen, meinte Boockmann.

Was sagen die Gewerkschaften?

Die Gewerkschaften setzen keinen Glauben in die Prognose der Studie. Das Mindestlöhne und die Rente mit 63 zu mehr Schwarzarbeit führen, sei eine reine Spekulation, die nicht anhand von Fakten belegt werde, sagte Annelie Buntenbach, Vorstandsmitglied des Deutschen Gewerkschaftsbundes oder kurz DGB.

Dem fügte sie hinzu, dass scheinbar kein Argument zu billig sei, um gegen den Mindestlohn zu schießen.

Arbeitsmarktexperten befürchten Zuwachs für Schattenwirtschaft

Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) befürchtet ebenfalls, dass die Schwarzarbeit durch die Reformpläne der Bundesregierung zunehmen wird. Legale Arbeit wird in der Zukunft teurer. Dies könnte dazu führen, dass Kundinnen ihre Friseurin fragen, ob sie ihre Haare nicht abends zu Hause schneiden lassen können, sagte Karl Brenke, DIW-Arbeitsmarktexperte.

Schwarzarbeit in der Bauwirtschaft

Experten erklärten, dass die deutsche Bauwirtschaft weiterhin von der Schwarzarbeit betroffen sei. Legal arbeitende Betriebe, die Steuern und Beiträge abführen, seien dazu gezwungen, mit den Preisen von Schwarzarbeitern in Konkurrenz zu treten. Der Ehrliche sei letztendlich der Dumme, sagte Harald Schröer vom Zentralverband Deutsches Baugewerbe.

Strafverfahren wegen Vorenthaltung von Sozialabgaben

Privathaushalte treten ebenfalls als Auftraggeber auf. Dies würde zum Beispiel dann gelten, wenn sie einen Babysitter engagieren und dieser das Geld jedes Mal bar bekommt.

Der Zoll wies darauf hin, dass in diesem Fall ein Strafverfahren wegen Vorenthaltung von Sozialabgaben drohen könne.



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