Wissenschaft

Folgen aus dem Super-Gau Fukushima: Premier Kan denkt über Atomausstieg nach

Der japanische Premierminister Naoto Kan will Konsequenzen aus dem Super-Gau von Fukushima ziehen, nun denkt er, der sich bislang vehement für die nukleare Stromerzeugung eingesetzt hatte, über einen Ausstieg aus der Atomenergie in Japan nach. Demnach soll Japan mittelfristig aussteigen, die bisherigen Planungen sahen gar einen Ausbau der Atomenergiewirtschaft bis zum zum Jahre 2030 vor. Demnach sollte die Energieerzeugung von derzeit 30 % der Gesamtmenge auf 53 % durch atomare Erzeugung steigen. Stattdessen soll im Gegenzug auf regenerative Energien gesetzt werden. Insbesondere die Thermalenergie könnte entsprechende Kapazitäten aufweisen (Japan sitzt auf dem so genannten Pazifischen Feuerring, mit Vulkanen und heißen Quellen). Derweil wurde bekannt, dass verseuchtes Rinderfleisch in den Handel gelangte und höchstwahrscheinlich auch verzehrt wurde. Darüber hinaus tauchen neue Fakten auf, die den Betreiber Tepco immens belasten.

Premierminister Kan äußerte sein Vorhaben am Dienstag im japanischen Unterhaus. Eigentlich wollte Japan im Zuge der CO2-Einsparung verstärkt auf Atomkraftwerke setzen, doch die Katastrophe von Fukushima hat die Stimmung in der japanischen Bevölkerung, zwar leise aber deutlich, kippen lassen. In der Verlautbarung vom Dienstag bekräftigte die Regierung ihr Vorhaben, den Anteil aus regenerativen Quellen auf 20 % der benötigten Gesamtmenge bis zum Jahre 2020 steigen zu lassen. Bislang liegt der Anteil aus regenerativen Energiequellen bei mageren 1,1 %. Die Opposition wirft dem Premier vor, dass er Verwirrungen stiften würde. Kritisiert wird auch der so genannte Stresstest, dem sich die AKWs im Lande unterziehen müssen, wenn sie weiterhin betrieben werden sollen. Denn dieser Test wird weniger harte Voraussetzungen festlegen, als der Stresstest, der in Europa vorgeschlagen wurde. Wann dieser Test erfolgt ist bislang unklar.

Fleisch mit Cäsium-Kontamination in acht Präfekturen verkauft

Derweil wurde bekannt, dass Rindfleisch mit Cäsium-Belastung in acht Präfekturen in den Handel gelangten und auch höchstwahrscheinlich verzehrt wurden. Die örtlichen Behörden weigern sich die Namen der entsprechenden Geschäfte zu nennen, zum Einem um eine Panikmache zu verhindern, zum Anderen aber weil der Konsum nicht wirklich gesundheitsgefährdend sei(!). Wissenschaftler hatten in der vergangenen Woche eine Rinderfarm in der Präfektur Fukushima aufgefunden, auf der die Tiere erhöhte Cäsiumwerte aufwiesen. Elf Rinder wurden notgeschlachtet, sechs aber gelangten in den Handel. Dabei lag der Cäsiumwert bei 3200 Becquerel pro Kilo, damit war der Grenzwert (500 Becquerel pro Kilo) um das sechsfache überschritten. Cäsium hat, je nach Isotopentyp, eine Halbwertszeit von zwei oder 30 Jahren. Im Körper lagert sich das radioaktive Metall in den Knochen und in den Organen langfristig ab und kann Krebs verursachen.

Fukushima- einst auf einem Hügel, und damit sicher vor Tsunamis

Neue pikante Details lassen Betreiber Tepco im schlechten Licht stehen. Die einstigen Baupläne vom AKW Fukushima sahen nämlich vor, dass das AKW auf dem vorhandenen Hügel errichtet werden sollte. Dieser wies eine Höhe von 34 Metern auf, und damit außer Reichweite der meisten Tsunamis. Dieser Hügel wurde um 25 Meter abgetragen, denn schließlich hätte es nach Meinung des Betreibers Tepco niemals einen Tsunami geben können, der höher gewesen wäre als 3,1 Meter. Damit lag das AKW ca. zehn Meter über dem Meeresspiegel. Zu allem Überfluss wurden weitere 14 Meter in den Untergrund gegraben, dort waren die Versorgungstunnel untergebracht (die jetzt voll stehen mit hochradioaktivem Wasser) und die Notstromaggregate. Der Tsunami vom 11. März (13 Meter hoch) überflutete das AKW-Gelände und setzte die Notstromversorgung k.o. Damit wurde die Kernschmelze in den Reaktorblöcken 1, 2, 3 erst überhaupt ausgelöst. In einer wissenschaftlichen Studie aus dem Jahre 1966 gaben sich die Wissenschaftler gewiss, dass kein Erdbeben das AKW Fukushima bedrohen könne, schließlich hätte es in den vergangenen 700 Jahren keine nennenswerte Erdbeben in der Region gegeben. Eine Gefahr durch ein Seeerdbeben (und damit Tsunamis) wurde komplett ausgeblendet. Mit dieser Studie erteilte die damalige japanische Regierung die Erlaubnis zum Bau des AKWs. Befragt zum Grund des Abtragens des Hügels sagte der ehemalige Vize-Vorsitzende von Tepco, Masatoshi Toyota, dass man direkt auf Felsenstein bauen wollte, um das AKW erdbebensicher zu bauen, eine fatale Entscheidung wie sich nun herausstellt. Aber auch der Kostenfaktor habe eine Rolle gespielt, denn Kühlflüssigkeit hätte mit starken und teuren Pumpen den Hügel erst bewältigen müssen. Vor dem Bau des AKW nannte man die Gegend „das Tibet von Fukushima“, weil sie so dünnbesiedelt war. Mit dem Bau ging eine wahre Propagandawelle von Tepco einher, man sichere neue Arbeitsplätze, das AKW sei sicher etc. Nun fühlen sich die Bewohner, die evakuiert werden mussten, von Tepco betrogen.



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