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Frag-den-Professor.de: Zweifelhafte Hilfe am PC

Gesundheitsportale gibt es viele im Internet. Vielfach geben selbsternannte Gesundheitsexperten Hilfe und Ratschläge zu Gesundheitsfragen. Mit wenigen Mausklicks erhoffen sich hilfesuchende eine Ferndiagnose per Internet. Mittlerweile gibt es bereits so etwas wie die Internethypochondrie. Darunter versteht an User, die im Internet gezielt nach Beschwerden suchen, die diese gerade verspüren und aus den Tipps im Internet die schlimmsten Krankheitsverläufe konstruieren und diese dann auf sich beziehen.

Mit dem Gesundheitsportal „Frag-den-Professor.de“ soll dies anders werden. Dort treten renommierte Experten auf den Plan und wollen per Internet Gesundheitstipps geben. Ob Fragen zu Prostata, Bluthochdruck oder zur richtigen Ernährung. Insgesamt 25 ehrenamtlich agierende Professoren haben sich auf dem Portal zum Ziel gesetzt, eine verlässliche Hilfe am PC anzubieten.

Ehrenamtliches Engagement hebt sich positiv von kommerziellen Plattformen ab

Die an dem Portal beteiligten Professoren sind unbestritten allesamt hoch angesehene Professoren und Ärzte, dennoch bleibt eine Frage offen. Es ist fraglich, warum sich derart angesehene Professoren an einer Initiative beteiligen, dessen Idee zugegebenermaßen gut ist, aber unausgegoren. So haben die Professoren mit ihrer Kritik recht, dass es zu viele Scharlatane im Internet gibt, die Ratschläge zu Gesundheitsfragen erteilen und dass diesem Umstand abgeholfen werden muss.

Der ehrenamtliche Anspruch kommt zudem schon dadurch zur Geltung, dass auf dem Portal keine Werbung zu finden ist. Auch dies ist sehr ehrenhaft. Was jedoch zu bemängeln ist, ist die Tatsache, dass viele Ratsuchende im Internet Hilfe suchen und sich von den Fachleuten konkrete Hilfe versprechen.

Den Fachleuten fehlen konkrete Diagnosen nach dem ICD-10

Da den Professoren jedoch weder genaue Laborwerte noch Diagnosen von behandelnden Ärzten vorliegen, können die Ratschläge allerhöchstens allgemeiner Natur sein und daher mindestens hinsichtlich der Verwertbarkeit so belanglos wie die zahlreichen anderen Hinweise im Internet. Da die „Erklärung“ jedoch von einem Professor stammt, hat diese beim Hilfesuchenden gleich ein anders Gewicht als bei anderen Gesundheitsportalen. Daher besteht bei dem Portal besonders die Gefahr von folgenreichen Fehldiagnosen beziehungsweise falscher Ratschläge per Internet.

Portal für neue Patientenakquise?

Dennoch stellt die Plattform eine bessere Alternative zu zweifelhaften Gesundheitsportalen dar. Was jedoch zumindest zu bedenken ist, ist die Tatsache, dass die an der Plattform beteiligten Ärzte die Datenbasis Hilfesuchender für die Akquise neuer Patienten nutzen könnten. Spätestens dann wäre der Anspruch an ein Ehrenamt aber verwirkt.

Tele-Medizin als wichtiges Zukunftsfeld der Medizin

Die neue Gesundheitsplattform sollte zudem zumindest um eine Cam to Cam-Verbindung ergänzt werden, damit der ratgebende Professor sich auch im wahrsten Sinne des Wortes ein Bild von dem Ratsuchenden machen kann. In der Telemedizin ist dieses Verfahren mittlerweile etabliert. Dennoch stellt „Frag-den -Professor.de“ den guten Versuch dar, eine für die Gesundheitswirtschaft wichtige Zukunftsperspektive in der Behandlung beziehungsweise in der Form des Ratgebers darzustellen.

Da viele Patienten nur in die Praxen gehen, um Ratschläge zu erhalten, könnte dies auch die Budgets der Praxen schonen, weil Arztbesuche zukünftig online stattfinden könnten. Insofern beschreitet die Plattform einen guten Weg in Richtung allgemeiner Tele-Medizin, allerdings klingt allein schon der Name „Frag-den-Professor.de“ nach dem ärztlichen Selbstverständnis an die schon lange nicht mehr existierenden der Götter in Weiß.



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