Gesellschaft

Friedensnobelpreis an drei Frauen- Sirleaf, Gbowee und Karman

Der diesjährige Friedensnobelpreis wird auf drei Frauen aufgeteilt, geehrt werden die Präsidentin Liberias, Ellen Johnson Sirleaf, die Frauenaktivistin Leymah Gbowee aus Liberia und Tawakul Karman aus Jemen. Dies gab das norwegische Nobel-Komitee heute bekannt, deren fünf Mitglieder vom norwegischen Parlament gewählt werden. Die Frauen hätten mit ihrer gewaltfreien Arbeit zur Verwirklichung der Frauenrechte und des Friedens maßgeblich beigetragen. Die Preisverleihung wird am 10. Dezember in Oslo stattfinden, dotiert ist dieser mit zehn Millionen Kronen (ca. 1,27 Millionen Euro).

Ellen Johnson Sirleaf- die Mutter des Friedens in Liberia?

Ellen Johnson Sirleaf ist die erste, frei gewählte Präsidentin eines afrikanischen Staates, sie gewann die Wahlen in 2005. Ihre Ausbildung schloss Sirleaf in den USA ab, wo sie Wirtschaftswissenschaften und öffentliche Verwaltung an der Harvard University studierte. Schon 1972 bekleidete sie das Amt der Finanzministerin in Liberia unter William Tolbert (bis zum Militärputsch 1980 Präsident Liberias). Nach dem Putsch fand Sirleaf Asyl in Kenia, dort arbeitete sie für die Citibank Africa. 1985 bewarb sie sich für einen Senatsposten in Liberia, wurde aber darauf kurzzeitig inhaftiert. Danach verließ sie erneut das Land und bekleidete einige Posten bei internationalen Organisationen, wie der Weltbank, sie war auch Mitglied der Untersuchungskommission zum Völkermord in Ruanda der Afrikanischen Union. Im Bürgerkrieg Liberias (1989 bis 1996 und 1999 bis 2003) bezog sie Stellung und unterstützte erst Charles Taylor, der derzeit auf seine Verhandlung vor dem Internationalen Gerichtshof in Den Haag wartet. Später distanzierte sie sich von Taylor. Im Bürgerkrieg Liberias kamen schätzungsweise 250.000 Menschen ums Leben, über eine Million Liberianer wurden vertrieben. Bei den Wahlen 2005 trat Sirleaf gegen den populären ehemaligen Fußballspieler Weah an, im zweiten Wahlgang konnte sie sich gegen ihn durchsetzen.

Leymah Roberta Gbowee- die Macherin des Friedens in Liberia!

Kaum gegensätzlicher könnte das Leben der zweiten Friedensnobelpreisträgerin Leymah Roberta Gbowee aussehen, sie verbrachte ihr Leben stets in Liberia. Bei Ausbruch des ersten Bürgerkrieges zog sie in die Hauptstadt Monrovia, wo sie als Streetworkerin mit traumatisierten Kindern arbeitete, insbesondere mit ehemaligen Kindersoldaten, die zuhauf im Bürgerkrieg eingesetzt wurden. Im Verlauf des zweiten Bürgerkrieges gründete sie die Organisation Women of Liberia Mass Action for Peace, diese Friedensorganisation hatte maßgeblichen Einfluss auf die Beendigung des Bürgerkrieges 2003. Die Frauen in der Organisation führten ihren gewaltfreien Kampf mit teils außergewöhnlichen Methoden, so gab es einen massenweisen „Sexstreik“ der Frauen. Der Dokumentarfilm „Pray the Devil Back to Hell“ erleuchtet die Methoden der Organisation, der Film gewann 2008 den Preis für den besten Dokumentarfilm auf dem Tribeca Filmfest.

Tawakul Karman- Antreiberin der Proteste in Jemen

Tawakul Karman aus dem Jemen ist Politikerin der Al-Islah Partei, eine Oppositionspartei, die bei den letzten Wahlen 2003 rund 22 % der Stimmen erhalten hat. Neben konservativ-religiösen Gruppen (z.B. die jemenitische Muslimbruderschaft, oder die so genannten Salafisten), beheimatet die Partei auch Vertreter der Stämme, die in Jemen immer noch eine gewisse Bedeutung inne haben. Gleichzeitig ist Karman als Frauenaktivistin der Organisation Women Journalists Without Chains tätig, die sie 2005 gründete. Für diese Arbeit wurde Karman öfter bedroht. bei den Unruhen und den Protesten 2011  organisierte Karman Studentenproteste in der Hauptstadt Sana, immer wieder wurde sie für ihre Teilnahme an den Protesten inhaftiert. Mit 32 Jahren ist sie die jüngste Gewinnerin des Friedensnobelpreises aller Zeiten.

Fazit- der Friedensnobelpreis ist endgültig politisiert

In seinem Testament hinterließ Alfred Nobel die Bemerkung: “ Mit meinem verbleibenden realisierbaren Vermögen… (sollen die) Zinsen jährlich als Preis an diejenigen ausgeteilt werden sollen, die im vergangenen Jahr der Menschheit den größten Nutzen erbracht haben…an denjenigen, der am meisten oder am besten auf die Verbrüderung der Völker und die Abschaffung oder Verminderung stehender Heere sowie das Abhalten oder die Förderung von Friedenskongressen hingewirkt… (hat)“. Vielfach wird beschrieben, dass Nobel Gewissensbisse geplagt hätten, weil er die Entdeckung von TNT als Produkt Dynamit genutzt hat und damit ein Vermögen erworben hat. Die diesjährige Vergabe will ein wichtiges Signal setzen und die Frauenrechte in den Vordergrund rücken, was absolut berechtigt ist. Doch insgesamt darf man nicht vergessen, dass die Vergabe nach eurozentristischen Motiven erfolgt. So ist die Vergabe an Liu Xiaobo im vergangenen Jahr (für den gewaltfreien Kampf um Menschenrechte in China) als politisches Signal gegen Beijing zu betrachten. Xiaobo ist u.A. ein Unterzeichner der so genannten Charta 08 (die zwar politische Reformen fordert, aber die brenzlige soziale Lage in China komplett ausblendet), die in China (auch unter dissidenten Menschenrechtsaktivisten) umstritten ist. Die Auszeichnung von Obama, der als Präsident gleich zwei Kriege auszufechten hat, kann bestenfalls als Aufforderung verstanden werden. Oder aber die Auszeichnung von Muhammad Yunus (2006 für die Idee der Minikredite): inzwischen sind viele Kreditnehmer noch mehr verarmt als vor der Vergabe, eine dänische Dokumentation wirft ihm ferner Veruntreuung von Hilfsgeldern (immerhin in Höhe von 100 Million Dollar) vor usw. Ob Sirleaf als Präsidentin eines Staates vielleicht schon zwangsweise Leichen im Keller haben muss, oder aber die Partei von Karman von Islamisten vielleicht unterwandert ist, dürfte dem Nobelpreiskommitee auch nicht gänzlich unbekannt sein. Letztlich ist die Vergabe des Friedensnobelpreises stets eine politische Entscheidung, ob diese immer richtig ist (oder sein kann), bleibt umstritten.

 



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