Newsticker

„Gefährliche Studie“: Hetzjagd gegen Hartz-IV-Empfänger?

Wissenschaftler sind stets bemüht, die Wahrheit zu erforschen. Aus diesem Grunde lässt sich eine aktuelle Studie im Auftrag der Bertelsmann-Stiftung zu dem verbleibenden Gehalt nach Abzug der Mietkosten auch doppelt interpretieren. Befürworter des Mindestlohns werden sich bestätigt fühlen, während Hartz-IV-Empfänger sich ungerechterweise diffamiert fühlen.

Dies gilt jedoch weniger aufgrund der Studie an sich, als vielmehr durch die Art, wie die Studie seitens zahlreicher Journalisten in Schlagzeilen umgesetzt werden. Worum geht es genau in der Studie? Die Studie untersuchte die Höhe der Wohnkosten in deutschen Städten. Dabei trat zutage, dass einkommensschwachen Familien nach Abzug der Miete oftmals weniger Geld zum Leben zur Verfügung steht, als Hartz- IV-Empfänger.

Mietbelastung in Städten zum Teil sehr unterschiedlich

Die Studie berechnete unter anderem die Mietbelastung für eine vierköpfige Familie, die über weniger als 60 Prozent des regional üblichen Gehalts verfügt. Als Grundlage für die Modellrechnungen wurden Daten des Mikrozensus aus dem Jahr 2011 und entsprechende Wohnkosten aus einer Datenbank für Immobilienangebote benutzt. Demnach bleibt einer Familien Frankfurt am Main nach Abzug der Miete lediglich 739 Euro Monat. Der Hartz-IV-Regelsatz beträgt hingegen 1169 Euro.

Die Musterfamilie hat demnach 37 Prozent weniger zur Verfügung als ein Hartz-IV-Empfänger. In Jena beträgt das zur Verfügung stehende Geld demnach sogar nur 666 Euro Monat. Dies entspricht 43 Prozent weniger als das Hartz-IV-Niveau vorgibt. Vielfach erhalten diese Geringverdiener als Ausweg selbst aufstockende Grundsicherung. Die Autoren der Studie betonen sogar, dass Haushalte mit einem niedrigen Einkommen Anspruch auf Leistungen nach dem Hartz-IV-Regelsatz besitzen würden.

Während in Frankfurt am Main, in Jena und in Freiburg im Breisgau sowie in München einkommensschwache Familien nahezu jeden zweiten Euro des zur Verfügung stehenden Geldes für die Miete ausgeben, verbleibt einer Familie in Witten oder in Iserlohn (beide in Nordrhein-Westfalen) 80 Prozent des Einkommens. Im Durchschnitt betrug der Anteil der Wohnkosten am verfügbaren Nettoeinkommen im Jahr 2011 etwa 28 Prozent.

 Medien schüren vereinzelt Sozialneiddebatte

Die Studie selbst will sicherlich auf die hohen Mietkosten aufmerksam machen, die Medien indes titeln teilweise mit “Familien bleibt nach Abzug der Miete weniger als Hartz-IV-Empfängern“ und ähnlichem. Durch die Formulierung des Titels kann nicht nur der Inhalt der Studie selbst verzerrt werden, sondern die Art des Journalismus kann sogar unterschwellig zu sozialem Unfrieden in der Gesellschaft führen. Dies gilt deshalb, weil sich Hartz-IV-Empfänger durch die Art der Schlagzeile diskriminiert fühlen können.

Den Machern der Studie selbst indes kommt hierbei keine Verantwortung zu. Die Datenerhebung erfolgte nach wissenschaftlichen Kriterien und ist insofern korrekt erhoben worden. Allerdings dürften bestimmte Medien nun wieder den Sozialneid dahingehend schüren, als das Hartz-IV-Empfänger in die Ecke der Sozialschmarotzer gedrückt werden. Die Wahrheit indes sieht jedoch anders aus. Auch dies belegt die Studie.



Erstellen Sie den ersten Kommentar!

Kommentieren

Sie müssen eingeloggt sein um zu kommentieren.