Politik

Großbritannien: Unruhen in London und 16.000 Polizisten im Einsatz

Seit nunmehr drei Nächten toben in den Straßen Londons Straßenschlachten zwischen Demonstranten und britischen Polizeieinheiten, um die Situation wieder unter Kontrolle zu bringen befinden sich 16.000 Polizisten im Dauereinsatz. Die Unruhen brachen aus als eine friedliche Demonstration zum Gedenken eines vierfachen Vaters eskalierte, besagter Vater starb aufgrund eines Polizeieinsatzes, die näheren Zusammenhänge zum Todesfall sind bislang nicht geklärt. Die Unruhe breitete sich aus dem Stadtteil Tottenham aus und ergriff auch andere Bezirke in der Hauptstadt London. Ein 26 jährigerAutofahrer wurde gestern bei einer Durchfahrt erschossen, Premierminister Cameron ließ ein Fußballländerspiel absagen da er sämtliche Polizeieinheiten zum Niederschlagen des Aufruhrs benötigt. Die Unruhen griffen auch auf andere Städte über.

Die Sonderkommission der britischen Regierung, genannt Cobra, traf sich zu Beratungen. Darüber hinaus hat Premier Cameron das Parlament frühzeitig aus der Sommerpause zurückgerufen, dieses soll am Donnerstag zu den Vorkommnissen tagen. Die Polizei Londons will neben Tränengas auch Gummigeschosse einsetzen, ein Novum in England. Polizeipräsident Tim Godwin hat gar die britische Armee angerufen.

Zum Todesfall des 26 jährigen Unbeteiligten gibt es keine konkreten Hinweise, besagter Mann wurde in einem Auto im Stadtteil Croydon aufgefunden, dennoch ist sich die Polizei sicher, dass er im Zuge der Unruhen erschossen wurde. Bislang wurden 525 gewalttätige Personen festgenommen, weitere hundert sollen sich noch im Gewahrsam befinden. Premierminister Cameron, der eigens seinen Urlaub in der Toskana unterbrach, kündigt volle Härte an, um die Situation wieder unter Kontrolle zu bringen.

Auch in Birmingham (der zweitgrößten Stadt Großbritanniens), Liverpool, Nottingham und in Bristol griffen die Unruhen über. In Birmingham wurden 138 Personen vorläufig festgenommen. Zugleich wurde eine Polizeistation in dieser Industriestadt in Flammen gesetzt, in Nottinghamshire wurde eine weitere Polizeiwache in Brand gesetzt.

Die Unruhen in London wurden am Montag fortgesetzt, weil ein Mann im Stadtteil Hackney (im Norden Londons) von der Polizei festgehalten und durchsucht wurde, die Polizei konnte nichts finden. Doch anwesende Passanten griffen die Polizisten sofort an, anschließend wurden geparkte Autos demoliert. Daneben wurden Geschäfte geplündert. Auch der Bürgermeister Londons, Boris Johnson, wurde in seinem Dienstwagen angegriffen.

Die Umstände zur Tötung des vierfachen Familienvaters Marc Duggan (29 Jahre alt) sind bislang ungeklärt, die Polizei habe den Mann in Einsatz erschossen. Dieser solle in Verbrechen mit Waffenbesitz involviert gewesen sein. Die aufgebrachte Menge besteht aus größtenteils Jugendlichen, viele sind vermummt. Bezeichnend ist die rapide Verbreitung der Unruhen in ganz England. Die Unruhe scheint auf einen Initialzünder gewartet zu haben, Premierminister Cameron hatte im vergangenen Jahr, nach seinem Wahlsieg, die härteste Sparpolitik in der Geschichte Großbritanniens seit Thatcher verkündet. Viele Bereiche im Sozialen, wie Sozial- oder Miethilfe, wurden drastisch gekürzt. Zudem leidet Großbritannien immer noch unter den Folgen der Finanzkrise von 2007, weil die britische Wirtschaft sich vermehrt als Finanzstandort profilieren wollte, viele Industrien liegen brach, dementsprechend hoch ist die Arbeitslosigkeit vor allem unter Jugendlichen. Dass die Unruhen sich im Wesentlichen an so genannten sozialen Brennpunkten  konzentrieren, dürfte auch keine Überraschung bieten. Ob die Polizei die Unruhen wird unterdrücken können, ist eine rhetorische Frage, die Frage wird lauten, wann die Unruhen niedergeschlagen werden. Ob aber die sozialen Gründe für die Unruhen beseitigt werden, darf weiterhin bezweifelt werden.



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