Gesundheit

Hamburger Muttermilchbörse gerät in Kritik

Die Hamburger Muttermilchbörse funktioniert wie eine Tauschbörse im Internet. Sie stellt eine Plattform für Anbieter von Muttermilch und Käufern dar.

Ein Experte warnt vor dem Kauf fremder Muttermilch.

Erste private Muttermilchbörse

Die Muttermilchbörse in Hamburg gilt als die erste Private ihrer Art. Sie wurde von der Hamburgerin Tanja Müller gegründet. Auf der Webseite sollen Frauen, die keine Milch geben können, Muttermilch kaufen oder Frauen ihre eigene anbieten können. Dies wäre zum Beispiel eine Möglichkeit, wenn das Baby nicht genug trinkt und die Milch aus diesem Grund abgepumpt werden muss.

Risikoreicher Muttermilchtausch

Professor Klaus Vetter hält den Kauf fremder Muttermilch für sehr risikoreich. Wenn Mütter ihr Baby mit der Milch einer anderen Frau ernähren, sollte man sich ihm zufolge vor Augen führen, dass es sich bei der Muttermilch um eine Körperflüssigkeit handelt. Dies bedeute, dass dort immer etwas drin sein könne, was dort nicht rein gehört.

Vetter ist Gynäkologe und Sprecher der Nationalen Stillkommission am Bundesinstitut für Risikobewertung oder kurz BfR.

Hebammen und Mediziner befürworten die Muttermilchbörse

Hebammen und Mediziner stehen dem Projekt von Tanja Müller positiv gegenüber. Lutz Rathmer, Gynäkologe von der Praxisklinik Winderhude sagte dazu, dass die Muttermilchbörse grundsätzlich eine gute Sache sei. Schließlich sei es erwiesen, dass Muttermilch, das Baby vor Krankheiten schützen könne.

Muttermilch ist dementsprechend industriell gefertigter Säuglingsnahrung vorzuziehen. Das würde auch dann gelten, wenn es sich nicht um die eigene Milch handle.

Muttermilch-Sammelstellen der 1970er Jahre

Bis in die 1970er Jahre war es in Deutschland üblich, Muttermilch an Sammelstellen abzugeben. Heutzutage ist der Tausch von Muttermilch nur noch in wenigen Kliniken in Ostdeutschland möglich.

Grund zur Skepsis

Grundsätzlich befürwortet Rathmer die Muttermilchbörse. Dennoch sei ein wenig Skepsis angebracht, weil es sich um ein rein privates Projekt handle, meinte er. Besonders hinsichtlich einiger Infektionen sei der Muttermilchtausch mit Vorsicht zu genießen. Dem fügte er hinzu, dass die Muttermilchbörse labortechnisch begleitet werden solle.

Muttermilch ist die beste Nahrung für Babys

Hebamme Martina Ulle ist ebenfalls Befürworterin der Milchbörse. Sie ist sich sicher, dass die Forschung niemals das erreichen kann, was eine Frau mit ihrem Körper produziert.

Ihren Aussagen zufolge sind in der Muttermilch lebende Bifidus-Bakterien enthalten, die die Abwehrkräfte des Babys stärken. Mit ihren Helferzellen würden sie zum sogenannten Nestschutz beitragen.

Langes Stillen für selbstbewusste Kinder

Wenn eine Mutter ihr Baby stillt, bekommt es die beste Nahrung, die es überhaupt bekommen kann. Schließlich hat die Muttermilch die für das Baby perfekte Temperatur. Bei industriell hergestellter Säuglingsnahrung ist dies oftmals nicht der Fall, weil zum Beispiel sie zu heiß oder zu kalt mit Wasser angerührt wird.

Muttermilch bietet also in vielerlei Hinsicht der industriellen Säuglingsnahrung gegenüber Vorteile. Sie soll außerdem nicht nur vor verschiedenen Erkrankungen schützen, sondern auch vor Allergien.

Babys, die von ihrer Mutter gestillt werden, sollen außerdem Studien zufolge im späteren Leben eine bessere Bindung zu ihrer Mutter haben.



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