Finanzen & Recht

Handy-Pfand- sinnvoller Vorschlag der Grünen?

In Deutschland liegen schätzungsweise 83 Millionen Alt-Handys ungenutzt in den Schubladen, genau diesen Schatz müsste man heben können, fordert die umweltpolitische Sprecherin der Grünen im deutschen Bundestag, Dorothea Steiner. Beim Kauf eines Handys sollen dazu 10 Euro als Handy-Pfand erhoben werden, somit also Anreize geschaffen werden, damit der Elektronikschrott auch wieder der Verwertungskette zugefügt werden kann. Der Branchenverband Bitkom hält dies für einen falschen Schritt, der bürokratische Aufwand würde dem Nutzen entgegenstehen. In der Tat bieten die Mobilfunkanbieter in Deutschland eine Rückgabemöglichkeit, andere Firmen kaufen Alt-Handys auf, die Deutsche Umwelthilfe hat eine Kampagne zum Handyrecycling gestartet  (Handys für die Umwelt). Möglichkeiten sind vorhanden, doch sie finden bislang kaum Resonanz unter den Verbrauchern und Handy-Hortern.

Alt-Handy- voller Edelmetalle und Seltener Erden

In Alt-Handys sind viele Edelmetalle und Seltene Erden verbaut, im Akku Lithium-Ionen. So werden im Durchschnitt pro Handy 250 mg Silber, 24 mg Gold, neun Milligramm des teuersten Metalls Palladium, neun Gramm Kupfer und vier Gramm Kobalt verbaut. Bei jährlich einer Milliarde verkauften Handys werden somit 250 Tonnen Silber, 24 Tonnen Gold und neun Tonnen Palladium verbaut. Was die Seltenen Erden, wie Indium, Tantal und Lithium etc., im Recyclingprozess angeht, hier wurden im Gegensatz zu den Edelmetallen bislang kaum wirksame und profitable Verfahren zur Rückgewinnung entwickelt. Eine weitere Möglichkeit einer sinnvollen Nutzung des Elektronikschrotts ist die Weiterverwendung, die Internetseite Wirkaufens.de kauft Alt-Handys auf, überholt sie und vertreibt sie dann weiter in Deutschland. Die meisten Handys in den Schubladen sind immer noch funktionstüchtig. Weniger sinnvoll ist das Verschicken des Schrotts ins Ausland, im Grunde wird hier dann der Müll (der später zwangsläufig aus dem Alt-Handy entsteht) ins Ausland abgeschoben. Schon jetzt werden jährlich 155.000 Tonnen hochgiftigen Elektronikschrotts nach Afrika verschifft, mit katastrophalen Auswirkungen für die Menschen und die Natur vor Ort (hier eine Studie des Bundesamtes für Umwelt über die Auswirkungen des Elektroschrotts im Ausland).

Wenn Handy-Pfand- warum nicht gleich Elektronikpfand?

Falls das Handy-Pfand sich durchsetzen sollte, stellt sich dann die Frage, warum nicht gleich auf alle Elektronikgeräte ein Pfand erhoben werden sollte. Anscheinend befürchtet der Branchenverband Bitkom genau dieses Szenario. Der bürokratische Aufwand wäre dann sicherlich sehr hoch, eine andere Sache ist die Bevormundung der Kunden. Vielleicht ist es sinnvoller, die Verbraucher in Deutschland über bestehende Möglichkeiten aufzuklären, noch sinnvoller wären gesetzliche Vorgaben an die Hersteller. Bis 2016 müssen Elektronikhersteller 45 % der Geräte wiederverwerten, drei Jahre später sind die Hersteller verpflichtet, 65 % der Altgeräte wieder zu verwenden. Steiner fordert eine Anhebung dieser EU-Vorgaben. Ob ein Handy-Pfand einen sinnvollen Vorschlag der Grünen darstellt, ist mit einem Ja zu beantworten, nämlich dann wenn endlich die überfällige Diskussion über Elektronikschrott angestossen wird.

 



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