Gesundheit

Hautkrankheiten: Krätze wieder auf dem Vormarsch

Viele Menschen haben bis vor kurzem noch geglaubt, dass die Krätze ausgerottet sei. Dies ist jedoch ein Irrglaube.

In Deutschland haben die Fälle der juckenden Hautkrankheit wieder zugenommen.

Mangelnde Hygiene ist jedoch nicht immer der Grund für die Entstehung von Krätze.

Tägliche neue Krätze-Patienten

In Deutschland glaubten viele Menschen, dass die Hautkrankheit Krätze bereits ausgerottet sei. Seit einiger Zeit häfen sich jedoch wieder die Fälle, in denen Patienten an Krätze erkranken.

Die Berliner Ärztin Jenny De la Torre findet fast täglich auf der Haut von Patienten kleine Bläschen oder Pusteln. Oft beschweren sich die Menschen über einen lästigen Juckreiz.

Die Krätze, auch Skabies genannt, ist nicht ausgestorben. In der Berliner Arztpraxis gehört sie zum Alltag. De la Torre behandelt nur Obdachlose. Sie hat täglich mit Krätze, Läusen und der Schleppe zu tun, erklärte sie.

Jeder kann an Krätze erkranken

Obdachlose sind oftmals von der Krätze betroffen, weil sie häufig in Gemeinschaftsunterkünften schlafen. Aber auch gut Situierte können die Skabies bekommen.

Laut dem Hautarzt Wolfgang Lensing aus Hannover kann jeder Krätze bekommen. Es gab sie schon immer und in allen Schichten. Auch eine sonnenbankverschmorte ‚Schöne‘ könne sie bekommen, erklärte er.

Krätze in Deutschland

Die Meldungen über Krätzeausbrüche in Deutschland häufen sich. Erst im Januar 2014 wurde darüber berichtet, dass sich vier Jugendliche in Lemgo in Nordrhein-Westfalen mit der Hautkrankheit angesteckt haben.

2013 wurden in der Uckermark mehrere Erkrankungen von Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen bekannt. Viele Krankheiten sind meldepflichtig. Die Krätze jedoch nicht. Nur Gemeinschaftseinrichtungen müssen die Krankheit dem Gesundheitsamt melden.

Bisher ist noch nicht bekannt, ob die Krätze heutzutage häufiger auftritt als früher, sagte Professor Hermann Feldmeier vom Institut für Mikrobiologie und Hygiene an der Charité Berlin und Mitautor eines Krätze-Ratgebers des Robert Koch-Instituts.

Hinweis auf die Häufigkeit

Das Krätze-Medikament Infectoscab wurden bei gesetzlichen Krankenversicherten im Jahr 2007 56.000 Mal verschrieben. Im Jahr 2012 hingegen wurde die Creme bereits 79.000 Mal verordnet, wie aus Daten des Wissenschaftlichen Instituts der AOK oder kurz WidO hervorgeht.

300 Millionen Erkrankungen weltweit

In den letzten Jahren sei eine Zunahme der Verordnungen festgestellt worden, berichtete der WIdO-Mitarbeiter Carsten Telschow. 2012 war Infectostab auf Platz 1340 der meistverordneten Arzneimittel. Im Jahr 2012 belegte das Medikament den Platz 1898.

Infectoscab sei zwar nicht das einzige Mittel gegen die Hautkrankheit, aber das meistverordnete Medikament gegen Krätze. Einige Betroffene würden mit individuell angefertigten Rezepturen behandelt, die in der Statistik fehlen, hieß es weiter.

Laut der Weltgesundheitsorganisation oder kurz WHO sind weltweit 300 Millionen Menschen an Skabies erkrankt.

Schwaches Immunsystem kann Krätze begünstigen

Laut dem RKI-Ratgeber kommt die Skabies in Mitteleuropa hin und wieder bei Kindern, Müttern, Personen mit schwachem Immunsystem sowie bei sexuell aktiven Erwachsenen vor.

Krätze ist schwer erkennbar

Lensing erklärte, dass es für Ärzte, auch in Hautkliniken, schwer sei, die Skabies zu erkennen. Häufig würden die Symptome mit Ekzemen verwechselt. Um einen Nachweis erbringen zu können, müsse man den Körper Millimeter für Millimeter nach den Parasiten absuchen, die kaum sichtbar sind. Diese müssen dann abgeschabt und mikroskopisch untersucht und identifiziert werden.

In einer normalen Sprechstunde würde eine solche Untersuchung nicht vorgenommen, erklärte der Hautarzt.

Wie wird Krätze übertragen?

Milben werden meist durch engen Hautkontakt übertragen, der jedoch mehrere Minuten dauern muss. Auch eine indirekte Übertragung durch Kleidung, Bettwäsche oder Handtücher ist möglich, aber eher selten.

In Hotels und Gemeinschaftsunterkünften kann sich die Krätze verbreiten. Ein Risiko sei außerdem trockene Haut, erklärte Lensing. Diese macht es den Milben leichter sich in die obere Schicht der Hornzellen hinein zu bohren.

In der Oberhaut legen die weiblichen Milben dann ihre Eier oder ihren Kot ab und lösen dadurch starken Juckreiz aus. Mangelnde Hygiene ist also nicht immer die Ursache für eine Krätze-Erkrankung.

Übermäßige Hygiene kann zu Krätze führen

Übermäßige Hygiene kann sogar Krätze auslösen. Diese wird in diesem Fall als sogenannte gepflegte Skabies bezeichnet. Durch Cremes würden die Betroffenen ihre Krätze soweit unkenntlich machen, dass sie kaum noch als solche erkennbar sei.

Krätze ist nicht gefährlich

Die Skabies ist durch den verursachenden Juckreiz sehr unangenehm. Gefährlich sei sie jedoch nicht direkt, erklärte der Hautarzt. Sie könne allerdings Folgen habe, wenn durch Kratzen Bakterien in die Haut gelangen. Dies könne zu Infektionen führen.

Die Hautkrankheit ließe sich mit Medikamenten gut behandeln, man müsse nicht die gesamte Wohnung desinfizieren, betonte Lensing.

Die Milben lieben Wärme und Nahrung. Würde man ihnen diese entziehen, sterben sie ab. Es reiche das Bettzeug bei 60 Grad zu waschen und das Zimmer einige Tage auszukühlen.



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