Finanzen & Recht

Prokon Insolvenz? Anleger fürchten Pleite

Prokon droht mit Insolvenz in einem Schreiben an seine Anlegergemeinschaft, aus dem eine möglicherweise eintretende Prokon-Pleite hervorgeht.

Mit Versprechen von hohen Renditen für Geldanlagen in Ökostrom lockte der Betreiber für Windkraftanlgen Prokon tausende Anleger.

Vor den überzogenen Versprechen hoher Renditen bei Prokon hatten Verbraucherschützer bereits seit längerem gewarnt. Nun scheinen sich mit einer möglichen Prokon-Pleite alle Befürchtungen zu bewahrheiten.

Was passiert mit den Geldeinlagen der Anleger bei einem Prokon-Bankrott?

Prokon sammelt über eine Milliarde bei Privatanlegern

Das teure und aufwendige Werben des Windparkbetreiber Procon aus Itzehoe in Schleswig-Holstein hat sich gelohnt. Mit dem Versprechen überdurchschnittlicher Renditen und das Investieren in die „gute Sache“ Ökostrom lockte das Unternehmen von Carsten Rodbertus tausende Privatanleger an.

Kapitalanleger investierten Angaben des Unternehmens nach insgesamt 1,4 Milliarden Euro in die Genussscheine von Prokon. Bei diesen Genussrechteanteilen handelt es sich um eine Art unbesichertes Darlehen des Anlegers an den Emittenten. Im Gegenzug wird dem Anleger eine geschäftsabhängige Rendite zugesichert, die laut Angaben von Stiftung Warentest im Januar 2014 stolze sieben Prozent betragen sollte.

Bis zu 75.000 Anleger wären von Prokon-Pleite betroffen

Mit bis zu 75.000 betroffenen Anlegern wäre eine Prokon-Insolvenz eine der größten Pleiten am sogenannten Grauen Kapitalmarkt. Grund zur Besorgnis haben die gutgläubigen Anleger allemal. In einem Schreiben an seine Anteilseigner erklärt Prokon die finanzielle Schieflage und droht vorsorglich mit den einfallenden „Heuschrecken“, sollten keine Abstriche hingenommen werden.

In seinem Schreiben an die Anlegergemeinschaft vom 10.01.2014 hält das Unternehmen „wichtige Informationen zur aktuellen Lage von Prokon und zur Abwendung einer Planinsolvenz“ bereit. Dem Schreiben sind weitere Anlagen wie folgt beigefügt:

Brief der Geschäftsführung zur aktuellen Lage und zur Verhinderung einer Planinsolvenz von PROKON

Faltblatt zur Wirtschaftlichkeit von PROKON

Brief der Anlegergemeinschaft „Freunde von PROKON“

„Verhinderung einer Planinsolvenz von PROKON“

In seinem Schreiben stellt Prokon seine Anlegergemeinschaft vor die Entscheidung, die Genussrechtsanteile bis frühestens 31.10.2014 zu behalten, die Anteile gar zu erhöhen, die Kündigung der Genussrechte zu widerrufen oder die Genussrechtsanteile zeitnah zu kündigen.

Bei letzterer Entscheidung soll der Unterzeichner bestätigen, sich über eine Insolvenz und damit über Verluste an Sachanlagevermögen im Klaren zu sein und diese in Kauf zu nehmen. Am Ende erfolgt der Hinweis, dass eine Insolvenz nur bei einer Zusage von mindestens 95 Prozent des Genussrechtskapitals abgewendet werden kann.

Wie entscheiden Anleger von Prokon?

Dabei scheint man bei Prokon weiterhin auf die Kunst der Überzeugungskraft zu bauen und appelliert zum Ende des Schreibens mit den Worten:

„Lassen Sie nicht zu, dass es zu einer Planinsolvenz kommt! Lassen Sie nicht zu, dass sich Heuschrecken und Energiekonzerne für wenig Geld ein Vorzeigeunternehmen mit im Kapitalmarkt einmaliger, fairer Philosophie unter den Nagel reißen! Wir können es schaffen, aber das kann nur mit Ihnen gemeinsam gelingen, wenn Sie uns jetzt nicht noch mehr Kapital entziehen!“

Möglicherweise Bankrott: Prokon bleibt im Focus

Prokon geriet bereits 2012 ins Visier der Verbraucherschützer und der Justiz. Damals bescheinigte das Oberlandesgericht Schleswig-Holstein dem Ökostromproduzenten „irreführende Werbung“. In seinen Werbebroschüren, die in sämtlichen Privathaushalten landeten, bewarb Prokon seine Genussscheine als ähnlich sicher wie das klassische Sparbuch.

Erst kürzlich warnte auch die Stiftung Warentest vor den unlauteren Versprechen der Prokon angesichts drohender Verluste von etwa 200 Millionen Euro. Möglicherweise wird zu untersuchen sein, ob auch in diesem Fall der Tatbestand des Bankrotts erfüllt ist, wie dies zahlreiche Anleger bereits im Fall der Teldafax-Pleite schmerzlich erfahren mussten.

Verluste sind wahrscheinlich

Sollte Prokon für sein Ansinnen keine ausreichende Zustimmung erhalten, droht die Pleite bereits Ende Januar 2014. Im Falle einer Prokon-Insolvenz müssen sich Anleger in jedem Fall auf hohe Verluste oder gar einen Totalverlust ihres Geldes einstellen.

Doch selbst bei einer flächendeckenden Zustimmung der Genussrechteinhaber bleibt die Frage offen, wie lange Prokon eine Pleite abwenden kann.

 



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