Politik

Internationaler Schriftsteller-Aufruf für „digitale Rechte“

Für Diskussionsstoff sorgt zurzeit der internationale Aufruf von rund 560 Schriftstellern, die sich für die Wahrung der Demokratie und den Schutz der Privatsphäre im digitalen Zeitalter einsetzen. Zu den Unterzeichnern zählen Literaturnobelpreisträger wie Günter Grass, Elfriede Jelinek und Orhan Pamuk sowie namhafte Autoren, darunter Umberto Eco, Henning Mankell und Paul Auster.

Edward Snowdens NSA-Enthüllungen bewegen Schriftsteller

Ausgelöst durch die Enthüllungen des US-amerikanischen Whistleblowers Edward Snowden, der das Ausmaß der weltweiten Ausspähaktivitäten der National Security Agency der USA, kurz NSA, publik machte, wehren sich die Dichter und Denker gegen eine massenhafte Überwachung, die jeden Einzelnen als potenziell Verdächtigen behandle und die Unschuldsvermutung ausheble.

Der Appell ist am 10. Dezember 2013 in mehr als 30 Zeitungen veröffentlicht worden, in Deutschland in der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“, sowie im Internet auf der Seite „change.org“, auf der bis zu diesem Zeitpunkt rund 48.000 User ihre Unterstützung der Aktion kundgetan haben. Auch SPD-Chef Sigmar Gabriel sah sich zu einer Reaktion veranlasst und verkündete via Facebook, dass er den Vorstoß sowie ein Gespräch mit den Initiatoren begrüße. Angesichts der auch im Vertrag zwischen einer möglichen Koalition aus Union und SPD vorgesehenen Vorratsdatenspeicherung erntete er damit allerdings im Netz vorwiegend Hohn.

Ziel der Initiatoren sei es, so der Schriftsteller Ilija Trojanow am 11. Dezember 2013 in einem Interview des ZDF-Morgenmagazins, zum einen die Menschen für dieses Thema zu sensibilisieren und zum anderen die Vereinten Nationen dazu zu bewegen, die digitalen Menschenrechte der Bürger festzuschreiben.

Juli Zeh: offener Brief an Bundeskanzlerin Agela Merkel

Bereits im September 2013 hatte eine Aktion in Berlin für Aufsehen gesorgt, als eine Gruppe von Autoren vor dem Regierungsgebäude einen von Juli Zeh verfassten Offenen Brief an Bundeskanzlerin Angela Merkel vorlas und eine Aufklärung der NSA-Affäre forderte. Über 60 Schriftsteller und fast 70.000 Internetnutzer hatten das Ansinnen unterschrieben.

Mit ihren Appellen haben die Schriftsteller den Finger auf einen wunden Punkt der Herausforderungen der modernen Technologien gelegt, der aufgrund der weltweiten Vernetzung nicht national, sondern nur global gelöst werden könne, wie der CDU-Bundestagsabgeordnete Ansgar Heveling in einem Interview vom 11.12.2013 gegenüber dem WDR 5 meinte.

Inwieweit die Autoren mit ihrem öffentlichen Eintreten für „digitale Rechte“ tatsächlich etwas bewirken können, steht allerdings in den Sternen, zumal die rasante Entwicklung der digitalen Welt die oftmals behäbigen Strukturen der Politik in vielerlei Hinsicht überrollt. Die Initiatoren des internationalen Aufrufs zeigen sich in diesem Punkt jedenfalls pessimistisch. „Wir stellen immer wieder amüsiert fest, obwohl es ja zum Heulen ist, was für eine technologische Ignoranz unter Politikern herrscht“, sagte Trojanow.



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