Gesellschaft

Japan: 269 Kg Blauflossen-Thunfisch für 736.000 Dollar gefällig?

Das in Japan Fische äußerst beliebt sind, ist kein Geheimnis, diese Vorliebe lassen sie sich auch was kosten, nun auch auf einer Fischauktion, als ein Blauflossen-Thunfisch (oder auch Roter Thun) für eine Rekordsumme von 736.000 Dollar (56,5 Millionen Yen oder ca. 570.000 Euro) versteigert wurde, dafür bekommt der neue Besitzer 269 Kilogramm bestes Thunfisch-Fleisch. Der Kilopreis beträgt dabei stolze 2119 Euro, wohlgemerkt mit Knorpel, Haut und co. Damit wird der Rekord aus dem letzten Jahr, ebenfalls auf dem Tsukiji-Fischmarkt, fast verdoppelt, damals zahlte eine Sushi-Kette für einen 342 Kilogramm Blauflossen-Thunfisch knapp 400.000 Dollar. Der stolze Besitzer Kiyoshi Kimura ist selbstverständlich Besitzer eines Sushi-Restaurants und will den Prachtfisch in seinem Restaurant anbieten. Bei allem Erstaunen über den Rekordpreis für den Blauflossen-Thunfisch, in diesem Fall bestimmt das Angebot den Preis, der Rekordpreis führt drastisch die Überfischung der Ozeane vor Augen, der Blauflossen-Thunfisch ist massiv vom Aussterben bedroht, nach Schätzungen von Naturschützern existieren gerade einmal sechs Prozent der ursprünglichen Population.

2007 erließ die EU eine Verordnung, wonach das Fischen des Blauflossen-Thunfisches im Atlantik und im Mittelmeer untersagt wird. Mehrere Naturschutzorganisationen, allen voran die WWF, kritisierten die Maßnahmen als unzureichend. Schon in diesem Jahr könnte die Population des Blauflossen-Thunfisches im Mittelmeer aussterben, befürchten viele Beobachter. Der nun verkaufte Fisch wurde im Pazifik, nördlich der Zone um Fukushima, gefangen. Der neue Besitzer Kimura gab seiner Hoffnung Ausdruck, dass der Blauflossen-Thunfisch eben nicht aussterben solle. Ob Angesichts solcher Preise, wenn ein Nahrungsmittel zum Statussymbol aufgrund der Knappheit verkommt, dem Bestand wirklich geholfen wird, darf angezweifelt werden.

Auf der Artenschutzkonferenz 2010 in Doha wurde ein Antrag aus Monaco eingereicht, wonach ein Handelsstopp das Überleben der Art sichern sollte, doch dieser wurde mit einer großen Mehrheit abgelehnt. Rund 80 % aller gefangenen Blauflossen-Thunfische werden in Japan konsumiert. Der Thunfisch aus der Dose, der in aller Regel hier in Europa verkauft wird, ist der so genannte Weiße Thun, zwar sind auch hier die Bestände drastisch zurückgegangen (wie bei fast allen Fischarten auf der Welt), doch noch droht hier kein Aussterben. Und wer glaubt, die Fischzucht sei die Lösung, sollte bedenken, dass diese Fische mit Pellets aus Fischölen gefüttert werden, was den Bestand anderer Arten ebenfalls gefährdet. Die Forschung mit Futtermitteln aus pflanzlichen Bestandteilen steht noch am Anfang, könnte aber eine Lösung darstellen. Ob der Blauflossen-Thunfisch bis dahin überleben wird, ist eine andere Frage, vielleicht werden die Menschen in Japan in Zukunft ihren Kindern von einem Fisch erzählen, der lecker war, aber aufgrund der Gier des Menschen ausstarb.



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