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Katholische Kirche: Deutsche Bischöfe erlauben die „Pille danach“

Sie werden von dem Steuerzahler zu 100 Prozent finanziert und dennoch bestimmt die katholische Kirche was in ihnen geschieht. Die Rede ist von den katholischen Krankenhäusern. Vor kurzem geriet der Fall einer Frau in den Fokus des öffentlichen Interesses, die vergewaltigt wurde und von einem Notfallmediziner an ein katholisches Krankenhaus in Köln zur weiteren Behandlung überwiesen wurde.

Das katholische Krankenhaus lehnte die Behandlung ab, auch eine Weiterüberweisung in ein zweites katholisches Krankenhaus in Köln war nicht erfolgreich. Auch das zweite katholische Krankenhaus lehnte die Behandlung der Frau ab.

Beide Krankenhäuser argumentierten damit, dass sie nicht die „Pille danach“ verabreichen dürften. Nachdem der Fall bekannt geworden war, geriet die Katholische Kirche zunehmend in die Defensive. Nun haben die katholischen Bischöfe offenbar darüber beraten, ob in Einzelfällen die „Pille danach“ eingenommen werden darf.

Erzbischof Zollitsch: „Pille danach“ darf nicht zur Abtreibung verwendet werden

Der Vorsitzende der Bischofskonferenz, der Freiburger Erzbischof Zollitsch, erklärt zur Haltung der Katholischen Kirche, dass die Pille danach nicht als Element der Familienplanung oder der Empfängnisverhütung betrachtet werden darf. Dennoch können Frauen, die Opfer einer Vergewaltigung wurden, in katholischen Krankenhäusern zukünftig medizinische, seelsorgerische und psychologische Hilfe erhalten.

Die Gabe der „Pille danach“ darf in katholischen Krankenhäusern jedoch auch zukünftig nur dann verabreicht werden, wenn diese eine verhütende und keine abtreibende Wirkung entfaltet. Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz bekräftigte dabei, dass keine medizinisch-pharmazeutischen Methoden seitens der Katholischen Kirche akzeptiert würden, die eine Tötung des Embryos bewirken würden. Die Katholische Kirche will ihre Krankenhäuser an diesen moraltheologischen Vorgaben messen lassen.

Zollitsch will sich mit kirchlichen Beratungseinrichtung sowie mit dem Vatikan und der katholischen Ärzteschaft hinsichtlich einer weiteren Klärung in der Frage auseinandersetzen. Kardinal Joachim Meisner aus Köln hatte die „Pille danach“ als erster in seinem Erzbistum erlaubt.

Aufarbeitung von Missbrauchsfällen in der Kirche weiter offen

In einem weiteren brisanten Fall, der vor kurzem in den Fokus der Öffentlichkeit geriet, gibt es noch keine weiteren Neuigkeiten. Das Forschungsprojekt über die Aufarbeitung der sexuellen Gewalt in der Katholischen Kirche war gescheitert, nachdem die Katholische Kirche sich geweigert hatte, verlässliche Zahlen und Personalakten an die Wissenschaftler herauszugeben.

Frauenrolle als Thema in der Katholischen Kirche

Auch in Bezug auf die Frauenrolle diskutierten die Bischöfe. Die katholischen Bischöfe wollen demnach zukünftig auch mehr Frauen für Leitungspositionen innerhalb der Katholischen Kirche gewinnen. Bereits jetzt beträgt der Anteil bis zu 19 Prozent. Dies sei nach Angaben von Zollitsch höher als in den Führungsetagen der freien Wirtschaft.

Ob sich die Haltung der deutschen Bischöfe auch innerhalb der nächsten Wochen und Monaten noch durchsetzen wird, dürfte nicht zuletzt davon abhängen, wer der neue Papst in Rom wird. Sollte es ein Reformpapst werden, könnte die Sichtweise der katholischen Bischöfe innerhalb der gesamten Katholischen Kirche Schule machen. Sollte jedoch ein konservativer Papst gewählt werden, könnte die Deutsche Bischofskonferenz bald schon zur Ordnung gerufen werden.



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