Gesundheit

KKH Allianz: Erstattung der Praxisgebühr und Rausdrängen von teuren Mitgliedern folgt offenbar einem System

In der aktuellen Ausgabe des ZDF-Magazins „Frontal 21“ wurde dokumentiert, dass die KKH Allianz offenbar mittels einer über mehrere Monate durchgeführten Telefonaktion versucht hat teure Mitglieder aus dem Versicherungsverhältnis zu drängen. Ziel der Telefonaktion war es offenbar, dass sich die betroffenen KKH Allianz-Kunden eine andere Krankenkasse suchen sollten.

Während der Vorsitzende der KKH Allianz, Ingo Kailuweit die Vorwürfe zurückwies und die Telefonaktion im Zusammenhang mit angemahnten Beitragsrückständen betrachtet haben möchte, offenbart die interne Marschrichtung der KKH Allianz anscheinend jedoch genau diesen Kurs.

Zusatzangebote für junge und gesunde Mitglieder

Teure Mitglieder sollen möglichst weichen und gesunde und kostenneutrale Mitglieder das Gros der Mitgliedschaft bilden. Festzumachen ist dies auch daran, dass aufgrund des geltenden Einheitsbetrages für alle gesetzlichen Kassen immer mehr gesetzliche Krankenversicherungen dazu übergehen, Bonusprogramme und andere Zusatzangebote aufzulegen, um diese an die jeweilige gesetzliche Kasse zu binden. Diese Angebote gelten in erster Linie jedoch für junge und gesunde Mitglieder.

Ältere Versicherte bekommen derartige Zusatzangebote von selbst indes nicht unterbreitet, sondern müssen explizit nachfragen. Die Gesetzeslage sieht jedoch eine Gleichbehandlung aller Versicherten vor, also auch der älteren und kranken Kassenmitglieder.

KKH Allianz:Erstattung der Praxisgebühr an Bedingungen geknüpft

Zu Beginn des Oktobers preschte die KKH Allianz mit dem Vorstoß vor, als erste gesetzliche Krankenversicherung die Praxisgebühr faktisch abzuschaffen. Allerdings gilt dieses Angebot wiederum nur für junge und gesunde Mitglieder beziehungsweise für diejenigen Mitglieder, die gesundheitlich in der Lage sind, die Bedingungen der KKH Allianz zu erfüllen.

Die Versicherten müssen insgesamt vier im Jahr besuchte „Pro Boni-Maßnahmen“ nachweisen. Dies sind entweder Früherkennungsuntersuchungen, Präventionskurse sowie die aktive Mitgliedschaft in einem Sportverein oder die aktiv nachgewiesene Mitgliedschaft in einem Fitnessstudio.

Chronisch Kranke faktisch von Erstattung ausgeschlossen

Kranke Versicherte indes können allein aus gesundheitlichen Erwägungen diese Kurse in aller Regel nicht besuchen. Die Politik der KKH Allianz zielt offenbar darauf ab, die gesunden und jungen Personen mit der Erstattung der Praxisgebühr zu ködern und die kranken und teuren Mitglieder gleichzeitig herauszuekeln. So stimmt zumindest am Ende die Bilanz der KKH Allianz.

KKH Allianz: Interne Prüfung angekündigt

Ob allerdings die gesetzlichen Vorgaben im Einzelfall eingehalten werden, gilt es nunmehr zu überprüfen. In jedem Fall sollte jeder für sich selbst entscheiden, ob eine derartige Unternehmensführung unterstützt werden sollte, zumal jeder heute gesunde in der Zukunft ebenfalls zu den teuren und kranken Mitgliedern zählen könnte.

Bezüglich der durchgeführten Telefonaktion der KKH Allianz hat der Vorstandsvorsitzende Ingo Kailuweit zumindest eine interne Prüfung angekündigt. Das Image der KKH Allianz indes dürfte nunmehr angesichts des Berichts von „Frontal 21“ zumindest mittelfristig arg gelitten haben. Ob dadurch der gewünschte Effekt einer Kostenersparnis erzielt wird oder ob nunmehr die jungen und gesunden Mitglieder erneut das Weite suchen, wie im Zuge der zwischenzeitlich seitens der KKH Allianz rückgängig gemachten Einführung der Praxisgebühr, bleibt abzuwarten.



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