Gesundheit

KKH fordert Pillen-Check für Patienten

Ingo Kailuweit, der Chef der Kaufmännischen Krankenkasse oder kurz KKH, fordert, dass Patienten, die mehrere Medikamente einnehmen, dazu verpflichtet werden müssen, ihre Arzneimittel in regelmäßigen Abständen überprüfen zu lassen.

Eine Möglichkeit, diese Forderung zu realisieren, sei die Prüfung durch ein unabhängiges Institut.

Pillen-Check für Patienten, die mehr als fünf Medikamente einnehmen

Wenn es nach Ingo Kailuweit geht, sollen Patienten, die mehr als fünf Medikamente gleichzeitig einnehmen müssen, dazu verpflichtet werden, die Arzneimittel regelmäßig überprüfen zu lassen.

Als Grund nannte der Chef der KKH, dass es bei vielen Medikamenten, wenn sie gleichzeitig eingenommen werden, zu Wechsel- und Nebenwirkungen kommen könnte. Die sogenannte Polypharmazie könnte dementsprechend gesundheitliche Risiken mit sich bringen.

Viele ältere Menschen von Polypharmazie betroffen

Wenn mehr als fünf Arzneimittelwirkstoffe täglich eingenommen werden müssen, spricht man von einer sogenannten Polypharmazie. Laut dem Arzneimittelreport 2013 sind von diesem Problem etwa ein Drittel aller Versicherten betroffen.

Von den 80- bis 94-jährigen Patienten seien etwa 50 Prozent betroffen. Laut der Barmer GEK nehmen Männer, die über 65 Jahre alt sind im Durchschnitt täglich 7,3 verschiedene Wirkstoffe ein. Bei den Frauen in dieser Altersgruppe sind es 7,2 Wirkstoffe.

Viele Patienten haben vier Ärzte

Die Überversorgung mit Medikamenten ist darauf zurückzuführen, dass die über 65-jährigen Patienten durchschnittlich vier Ärzte haben. Sie besuchen in regelmäßigen Abständen einen Allgemeinmediziner, einen Augenarzt, einen Orthopäden und einen Gynäkologen bzw. Urologen.

Oftmals verschreiben die Ärzte den Patienten zudem mehrere Medikamente.

Alle acht Sekunden wird ein Patient Opfer eines Medikationsfehlers

Besonders Patienten, die über fünf Medikamente gleichzeitig einnehmen müssen, leiden, laut Kailuweit, oftmals unter Neben- und Wechselwirkungen. Ein verpflichtender Pillen-Check sei für diese Risikogruppe hilfreich, ist er sich sicher.

Der KKH-Chef erklärte, dass in Deutschland Schätzungen zufolge alle acht Sekunden ein Patient Opfer eines Medikationsfehlers wird. Hiervon seien besonders Patienten in der stationären Pflege betroffen, hieß es weiter.

Kailuweits Forderung soll zum Nachdenken anregen

Kailuweit möchte durch seine Forderung ‚Verbesserungen für die Versicherten und für die Finanzen der Krankenkassen‘ erwirken. Den Pillen-Check könnte ‚ein unabhängiges Institut mit pharmakologischen Experten für Arzneimittelsicherheit‘ durchführen, erklärte der KKH-Chef.

Von der Medikamentenprüfung würden vor allem die Patienten profitieren, aber auch das Gesundheitswesen, da weniger Folgekrankheiten und somit auch weniger Kosten für die Krankenkassen entstehen würden.

In der ‚Deutschen Apotheker Zeitung‘ wurde bei der Forderung Kailuweits von einem Diskussionsbeitrag gesprochen. Ein fertig ausgearbeitetes Konzept sei der Vorschlag nicht.

Viele Schlaftabletten für alte Menschen nicht geeignet

20 bis 40 Prozent aller über 65-Jährigen leiden an Schlafstörungen, insbesondere an Schlaflosigkeit. Viele Schlafmittel sind für Patienten im höheren Alter nicht geeignet. Sie können sogar zu verstärkter Müdigkeit am Tag führen. Durch eine Medikamentenüberprüfung, könnte auch dieses Problem besser berücksichtigt werden.

Wenig Schlaf im Alter ist normal

Dies glauben die meisten Menschen. Doch haben die Schlafstörungen für gewöhnlich nur selten mit dem Alter zu tun, sondern sie sind auf eine körperliche oder psychische Erkrankung zurückzuführen, erklärte Jane Schröder von der Unabhängigen Patientenberatung.

Bevor Patienten sich ein Schlafmittel verschreiben lassen, sollten sie gemeinsam mit dem Arzt die tatsächliche Ursache für die Schlafprobleme herausfinden.

Leberschäden durch Schlafmedikamente?

Die Schlaftablette am Abend birgt für ältere Patienten gewisse Risiken. Das Medikament wird im Alter nur noch langsam über die Leber abgebaut. Nachwirkungen können somit länger anhalten.

Viele Patienten klagen aus diesem Grund darüber, dass sie sich tagsüber benommen und müde fühlen. Sie fühlen sich außerdem kraftlos und haben keinen sicheren Stand mehr beim Gehen.

Antihistaminika als Schlafmittel

Aufgrund der zahlreichen Probleme, die durch die Einnahme von Schlafmitteln entstehen können, verschreiben immer mehr Ärzte, schlaflosen Menschen, sogenannte Antihistaminika.

Diese dienen ursprünglich zur Behandlung von Allergien. Viele dieser Medikamente machen gleichzeitig aber auch müde. Auch nach der Einnahme von Antihistaminika kann es am Folgetag zu Benommenheit und Konzentrationsstörungen kommen.

Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten können ebenfalls nicht ausgeschlossen werden. Ein verpflichtender Pillen-Check könnte also eine Lösung sein.



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