Politik

Koalitionsvertrag 2014: Rentenerhöhung und die Rente mit 63

Neues Jahr, neue Regeln bei der Rente: Eine Erhöhung der Mütterrente, die solidarische Lebensleistungsrente und die abschlagsfreie Rente mit 63 Jahren sollen laut Koalitionsvertrag ab 2014 für mehr Fairness sorgen und der deutschen Bevölkerung soziale Sicherheit im Alter gewährleisten.

Das neue Rentenpaket schließt auch einen neuen Rentenwert ein, wodurch sich die Senioren auf mehr Geld freuen können. All diese Neuerungen will die sogenannte GroKo ( Große Koalition aus CDU/CSU und SPD ) durch Steuermittel finanzieren.

Mindestens 850 Euro Rente  in Ost und West

Die GroKo verspricht im Koalitionsvertrag: „Wir wollen, dass sich Lebensleistung und langjährige Beitragszahlung in der Rente auszahlt. Wir werden daher eine solidarische Lebensleistungsrente einführen.“ Konkret soll das heißen: Wer 40 Jahre Rentenbeiträge gezahlt hat, bekommt voraussichtlich ab 2017 mindestens 850 Euro Rente im Monat.

Die 850 Euro ergeben sich aus dem neuen Rentenwert, der zu diesen höheren Beträgen führt. Die monatliche Rente ergibt sich nach wie vor aus den gezahlten Beiträgen. Die Beiträge werden in Entgeltpunkte umgerechnet. Je mehr Entgeltpunkte, desto höher ist die Rente.

Neue Entgeltpunkte bei der Rentenberechnung

Bisher entsprach ein Entgeltpunkt 28,07 Euro im Westen und 24,92 Euro im Osten. Ein neuer Entgeltpunkt entspricht 28,14 Euro im Westen und 25,74 Euro im Osten. Im Westen ist ein Punkt also sieben Cent mehr Wert, im Osten sogar 82 Cent. Eine Ungleichheit zwischen den alten und den neuen Bundesländern herrscht trotz der größeren Erhöhung im Osten nach wie vor, aber die große Koalition verspricht, dass die Renten in ganz Deutschland angeglichen werden.

Wer 45 Jahre gearbeitet hat, darf mit 63 Jahren in Rente gehen

Das normale Renteneintrittsalter wurde 2007 erhöht und liegt seit dem, je nach Geburtsjahr, bei 67 bzw. 65 Jahren. Wer vor 1964 geboren wurde, geht mit 65 Jahren in Rente. Wer später geboren wurde, geht mit 67 Jahren in Rente. Der Unterschied ergibt sich aus der allgemein gestiegenen Lebenserwartung.

In vielen Berufen ist es aber schwer, so lange zu arbeiten. Es ist teilweise fast unmöglich, bestimmte Berufe in einem hohen Alter auszuüben, z.B. aufgrund der hohen körperlichen Belastung. Seit 2012 durfte man sich daher nach 45 Beitragsjahren bereits mit 65 Jahren zur Ruhe setzen, ohne Abzüge hinzunehmen. Ab 01. Juli 2014 wird das Alter noch einmal gesenkt.

Die abschlagsfreie Rente kann dann schon ab einem Alter von 63 Jahren bezogen werden, wenn ebenfalls 45 Jahre Rentenbeiträge gezahlt wurden. Im Koalitionsvertrag heißt es: „Angesichts verlängerter Lebensarbeitszeit ermöglichen wir langjährig Beschäftigen einen um zwei Jahre früheren abschlagsfreien Rentenzugang.“

Früher gab es zwar auch schon die Möglichkeit mit 63 Jahren Rente zu beziehen. Allerdings musste für jeden Monat, den man früher in Rente gegangen ist, 0,3 Prozent Abschläge hinnehmen. Maximal konnte die Rente lebenslang um bis zu 10,8 Prozent gemindert werden.

Union und SPD streiten trotzdem weiter

CDU, CSU und SPD sind sich bei der abschlagsfreien Rente ab 63 Jahren über die Berücksichtigung der Arbeitslosigkeit noch nicht einig. Die Regelung der 45 Beitragsjahre sind gesetzt, jedoch wurde in puncto Arbeitslosigkeit ein Detail im Koalitionsvertrag offen gelassen. „Langjährig Versicherte, die durch 45 Beitragsjahre (einschließlich Zeiten der Arbeitslosigkeit) ihren Beitrag zur Stabilisierung der Rentenversicherung erbracht haben, können ab dem 1. Juli 2014 mit dem vollendeten 63. Lebensjahr abschlagsfrei in Rente gehen.“

Die Zeiten der Arbeitslosigkeit sind aber nicht definiert. CDU und CSU wollen, dass maximal fünf Jahre der Arbeitslosigkeit als Beitragsjahre zählen. Der SPD ist das zu wenig. Jedes Jahr, in dem der Beitragszahler arbeitslos war, soll genau so auf die 45 Jahre angerechnet werden, wie ein Jahr, in dem gearbeitet wurde. Je nach dem wie die Entscheidung ausfällt, würde es erhebliche Unterschiede geben, wer wann in Rente gehen kann.

Positive Entwicklung: Eine Gerechtigkeitslücke wird geschlossen

Das wird durch die Erhöhung der so genannten Mütterrente ab dem 01. Juli 2014 erreicht. Denn Frauen und Männer, deren Kinder vor 1992 geboren sind, bekommen mehr Rente. Eltern mit Kindern, die älter als 21 Jahre alt sind, waren vorher benachteiligt gegenüber Eltern, deren Kinder nach 1992 geboren sind, also jünger als 21 Jahre alt sind. Die große Koalition vermerkt im Koalitionsvertrag: „Die Erziehungsleistung der Mütter und Väter, deren Kinder vor 1992 geboren wurden, werden wir stärker würdigen.“

Zur Zeit wird bei Eltern mit Kindern über 21 Jahren ein Erziehungsjahr pro Kind und damit ein Entgeltpunkt angerechnet. Eltern mit jüngeren Kindern bekommen drei Erziehungsjahre pro Kind und damit drei Entgeltpunkte.

Die Beträge werden im kommenden Jahr angeglichen. Den bisher benachteiligten Eltern werden ab Juli 2014 zwei Entgeltpunkte, statt einem, angerechnet. Einkommensunabhängig bekommen Mütter und Väter für ihre Erziehungsleistung dann 56 Euro im Westen und 50 Euro im Osten monatlich pro Kind. Alle Eltern, die ihre Kinder gemeinsam erzogen haben, können sich entscheiden, wer die Kindererziehungszeiten in der Rente erhalten soll. Dabei spielt es keine Rolle, wie wann die Kinder geboren wurden.

Die GroKo setzt auf Solidarität der Versichertengemeinschaft

Im Koalitionsvertrag heißt es: „Wer nichts mehr an seiner Erwerbssituation ändern kann, ist in besonderem Maße auf die Solidarität der Versichertengemeinschaft angewiesen.“ Wer  früher z.B. wegen Krankheit in Rente gehen musste, bevor er das 63. Lebensjahr erreicht hatte, musste sehr niedrige Renten hinnehmen, oft weniger als 500 Euro im Monat. Durch die Erhöhung der so genannten Erwerbsminderungsrente um durchschnittlich 40 Euro im Monat, sollen solche niedrigen Beträge trotz früherem Rentenalter verhindert werden.

Allgemein gilt: Unsere Bevölkerung ist die älteste in Europa. Die Bevölkerung wird immer schneller immer älter. Diese gesellschaftliche Struktur und die wirtschaftliche Struktur in Deutschland müssen einander angepasst werden, um soziale Sicherheit im Alter auch in Zukunft zu gewährleisten. Viele Unternehmen haben schon umgedacht und stellen wieder vermehrt ältere Menschen ein bzw. sorgen dafür, dass ihre Mitarbeiter auch im fortgeschrittenen Alter im Unternehmen bleiben können. Der Trend zeigt, dass die Beschäftigungsquote der über 50-jährigen steigt.

Die Finanzierung des neuen Rentenpakets ist umstritten

Die Renten steigen, aber die Rentenbeiträge bleiben zunächst gleich. Wie das finanziert werden soll, geht aus dem Koalitionsvertrag nicht hervor. Durch den demografischen Wandel gibt es immer weniger Beschäftige, die in die Rentenkassen einzahlen, aber immer mehr alte Menschen, die angemessen hohe Renten beziehen wollen. Das ist auf Dauer ein Problem, das von der Bundesregierung gelöst werden muss. Ob die Steuermittel für die Finanzierung der neuen Rente auch in Zukunft reichen, ohne Steuern oder Rentenbeiträge zu erhöhen, so wie es die Regierung vorsieht, bleibt im Moment offen.

Lesen Sie hier aktuelles über die Debatte der Großen Koalition zur Armutszuwanderung in Deutschland.



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