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Kunstschatz München: Die Bedeutung für die Kunstgeschichte

Der in einem Münchner Wohnhaus gefundene Kunstschatz ist von schier unermesslichem Wert. Insgesamt stellten die Behörden des Zolls rund 1500 ehemals von den Nazis als entartete Kunst bezeichnete Bilder sicher. Die Kunstwerke wurden von den Behörden derweil beschlagnahmt.

Zollbeamte hatten in der Wohnung eines 80-jährigen rund 1500 als verschollen geltende Gemälde von berühmten Meistern gefunden und anschließend beschlagnahmt. Darunter befanden sich auch Gemälde von so berühmten Malern wie Emil Nolde, Picasso, Henri Matisse, Chagall, Max Liebermann, Max Beckmann und Franz Marc.

Wert der Gemälde auf eine Milliarde Euro geschätzt

Die nun beschlagnahmten Bilder befinden sich jetzt in einem besonders gesicherten Bereich des Münchner Zolls. Derweil versucht eine Kunsthistorikerin den materiellen Wert der Gemälde zu beziffern und deren Herkunft zu erforschen. Nach ersten vorsichtigen Schätzungen dürfte der Wert auf rund eine Milliarde Euro zu taxieren sein. Im Dritten Reich wurden die nun beschlagnahmten Gemälde als “entartete Kunst“ bezeichnet und jüdischen Besitzern abgenommen. Aufgekauft wurden die Gemälde durch den Kunsthändler Hildebrand Gurlitt, der heute 80 Jahre alte Sohn Cornelius Gurlitt bewahrte die Gemälde bis zur Entdeckung durch den Münchner Zoll in einer Mietwohnung in München Schwabing auf.

Wohnung war zugemüllt

Die Wohnung selbst stellte sich den Ermittlern als vermüllt dar. Nach den derzeit durchsickernden Ermittlungseinzelheiten kamen die Zollermittler schon im Frühjahr 2011 auf die Spur von Gurlitt. Damals fiel dieser bei einer Kontrolle des Zolls während einer Zugfahrt von der Schweiz in die bayerische Landeshauptstadt auf. Damals soll Gurlitt dem Galeristen Eberhard Kornfeld einige der Bilder verkauft haben. Wie Bilderrahmen in der Wohnung von Gurlitt nahelegen, hat dieser offenbar immer wieder einzelne Gemälde verkauft. Die Zollermittler hegen indes offenbar den Verdacht, dass Cornelius Gurlitt noch weitere Bilder in anderen Verstecken aufbewahrt haben könnte.

Noch weitere Gemälde versteckt?

Wie der “Focus“ recherchiert haben will, soll Cornelius Gurlitt rund sechs Monate nach der Beschlagnahmung der Gemälde durch den Zoll ein Werk von Max Beckmann beim Auktionshaus Lempertz zum Kauf angeboten haben. Das Bild “Löwenbändiger“ stammt aus dem Jahr 1930 und galt ebenfalls als vermisst. Die Mitarbeiter des Auktionshauses wollen sich indes noch genau an das Angebot von Gurlitt erinnern. Demnach habe sich das Gemälde in einem schlechten Zustand präsentiert. Dies könnte ein Hinweis darauf sein, dass das Bild nicht sachgerecht gelagert wurde. Für die Kunstgeschichte dürfte der nun aufgetauchte Gemäldefund indes von unschätzbarem Wert sein.

Kunstgeschichte erhält ungeahnte Möglichkeiten der Forschung

Zudem dürfte damit eine Kunstepoche wieder auferstehen, die von den Nazis als “entartet“ bezeichnet wurde. Nach der Freigabe der Gemälde durch den Zoll und Klärung der Besitzverhältnisse könnten die Bildnisse einer breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. Für die kunstgeschichtliche Forschung indes haben sich nun große Möglichkeiten eröffnet, in Zusammenarbeit mit Historikern, der Aufarbeitung der Nazi-Diktatur ein weiteres Stück hinzuzufügen. Das Wertvollste an den nun aufgetauchten Gemälden ist jedoch nicht der geschätzte Wert in Euro, sondern die Tatsache, dass es den Nationalsozialisten nicht gelungen ist, die materialisierte Form der Gedanken der Künstler auszulöschen. Die Freiheit hat somit die Diktatur besiegt.



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