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Kurz vor Olympia 2014 – neues Doping-Wundermittel aufgetaucht

Die olympischen Winterspiele 2014 in Sotschi stehen kurz bevor – und schon startet die Debatte um ein angebliches Doping Wundermittel: Full Size MGF. Das synthetisch hergestellte Mittel zum Aufbau der Muskeln kann nicht nachgewiesen werden.

Der Wirkstoff MGF ist bereits seit mehreren Jahren bekannt und steht auch auf der Dopingliste, wie Lars Mortsiefer, Vorstand der Nationalen Anti Doping Agentur (NADA), unlängst erklärte.

Neues Doping-Wundermittel: Full Size MGF

Das nun aufgetauchte „Full Size MGF“ ist allerdings eine völlig neue Variante. Mortsiefer dazu: „Wir bemühen uns mit der WADA, so schnell wie möglich Nachweisverfahren für dieses Mittel zu entwickeln.“

Dennoch warnte der Vorstand der Nationalen Anti Doping Agentur Sportler davon, auf die neue Substanz zurückzugreifen. „Es ist wichtig zu wissen, dass wir die Proben, die wir nehmen, einfrieren können. Wir können dann im Nachgang, wenn valide Testverfahren da sind, die Doper überführen, die diese Substanz eingenommen haben“, so Mortsiefer.

„Full Size MGF“ ist eine Entwicklung einer Moskauer Forschungseinrichtung. Es wird aus einer körpereigenen Substanz gewonnen, die in den Muskelzellen entsteht.

Extrem Hohewirkung für 100.000 Euro

Für 100.000 Euro wird das neue Wundermittel von einem russischen Wissenschaftler angeboten. Das Kölner Dopinglabor bestätigte bereits die extrem hohe Wirksamkeit. Für die Russen, die als Gastgeber bereits stark in der Kritik stehen, ein weiterer Tiefschlag.

Molekularbiologe und Doping-Jäger Werner Franke aus Heidelberg dazu: „Ich halte das System der Sowjetunion und das seiner Nachfolge-Staaten für korrupt.“ Vor allem die Verschleierung von positiven Proben sieht Franke dabei als besonders problematisch. Rückendeckung bekommt Franke von der WADA. Diese hatte dem Moskauer Anti-Dopinglabor schon im November mit dem Lizenzentzug gedroht.

Beleg für die russischen Vertuschungsküste seien laut Franke die Spiele 1980 in Moskau gewesen. Offiziell hatte es damals – zumindest vorerst – keinen Dopingfall gegeben. Später wurden die Proben dann zur Erstellung einer Doktorarbeit an das Dopinglabor in Köln geschickt. Die Kontrolleure waren schockiert, wie Franke berichtet: „Da hat man gesehen: Die Moskauer Proben waren voll mit unerlaubten Mitteln.“

2.453 Tests in Sotschi

Mit der Rekordzahl von 2453 Tests will das IOC den Betrügern auf die Spur kommen. Doch viele Experten sind sich einig, die Kontrollen hinken den neuesten Entwicklungen und Methoden meilenweit hinterher.

Molekularbiologe Franke noch einmal: „Wer sich in Sotschi ertappen lässt, ist entweder ein Hasardeur, der seine allerletzte Chance ergreift, oder bescheuert.“ Sportmediziner Perikles Simon bekräftigt: „Es wird in Sotschi nicht viele Dopingfälle geben. Ich rechne mit einem, zwei, mehr nicht.“ Allerdings nicht, weil die Spiele so sauber sein werden: „Bis zu 60 Prozent aller Olympia-Teilnehmer werden gedopt sein, quer durch alle Sportarten.“

Das IOC, in Person von Präsident Thomas Bach, nimmt die Neuentdeckung des Doping-Wundermittels noch gelassen zur Kenntnis. Bach dazu: „Ich habe von dem Fall gehört und habe volles Vertrauen in die WADA. Der Fall liegt in ihrer Verantwortung, und ich habe keinen Zweifel, dass die WADA dieser gerecht werden wird.“

Russland bereits öfter im Visier der Doping-Fahnder

Auch die Tatsache, dass ausgerechnet ein russischer Wissenschaftler, wo Russland doch Gastgeber der olympischen Spiele in Sotschi ist, die leistungssteigernde Substanz auf dem Markt anbietet, verwundert niemanden.

Trotz allen Entsetzens überraschte es nicht, dass ausgerechnet ein Wissenschaftler aus dem Olympia-Gastgeberland, das neue Mittel auf dem Markt anbietet. Denn Russland ist in der Vergangenheit bereits häufig im Anti-Doping.Kampf negativ aufgefallen.



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