Konjunktur

Leiharbeit in der Pflege nimmt zu

Die Leiharbeit in Pflegeberufen nimmt zu. Dies belegen Zahlen der Bundesagentur für Arbeit, die der „Süddeutschen Zeitung“ vorliegen. Demnach erhöhte sich die Zahl der Leiharbeitnehmer in Krankenhäusern und Altenheimen um 400 Prozent. Davon sind rund zwei Drittel der Arbeitnehmer auf ein Gehalt knapp unterhalb des Niedriglohnsektors gekommen.

Zahl der Leiharbeitnehmer in der Pflege auf 16350 gestiegen

Personaldienstleister werben nicht selten mit Slogans wie „Sie gehen keinerlei Arbeitgeberrisiko ein. Krankheit, Urlaub, Feiertage etc. gehen nicht zu Ihren Lasten, da wir als Arbeitgeber für unsere Mitarbeiter zuständig sind“. Ein Personaldienstleister, der examiniertes Pflegepersonal an Altenheime und Krankenhäuser verleiht, wirbt mit genau diesem Slogan.

Anfrage durch Bundestagsabgeordnete Sabine Zimmermann (Linke)

Die Zahl der Leiharbeitnehmer hat sich nach den Zahlen der Bundesagentur für Arbeit demnach auf derzeit 16350 erhöht. Die Bundestagsabgeordnete der Linksfraktion im Deutschen Bundestag, Sabine Zimmermann, hatte zuvor eine diesbezügliche Anfrage gestellt. Die Bundesagentur für Arbeit gab daraufhin die Zahlen in der schriftlichen Antwort bekannt. Die Abgeordnete Zimmermann fragte auch, wie hoch das erzielte Einkommen der Leiharbeitnehmer sei.

Soziale Einrichtungen: Oft kein Geld für reguläre Planstellen vorhanden

Demnach verdienten Leiharbeitnehmer nur 1600 Euro brutto, währenddessen der Durchschnittsverdienst einer examinierten Fachkraft bei rund 2456 Euro brutto monatlich lag. Die Krankenhäuser und Altenheime bewegen sich dabei in einem Teufelskreis. Einerseits droht ein gravierender Pflegenotstand, anderseits sei kein Geld für neue Planstellen vorhanden.

Die Attraktivität der Pflegeberufe leidet derweil derart stark, dass bereits in etwa zehn Jahren fast 300000 Pflegekräfte fehlen werden. Viele soziale Einrichtungen greifen nach einer Studie des Instituts für Arbeit und Technik (IAT) in Gelsenkirchen auf Leiharbeitnehmer zurück, damit das Stammpersonal überhaupt Urlaub oder überstundenfrei nehmen kann, so dünn sei teilweise die vorhandene Personaldecke, heißt es in dem Bericht des IAT. Vielfach soll durch Leiharbeitnehmer allerdings auch eine Kostenreduktion erreicht werden.



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