Politik

Libyen: Rebellen erobern Brega-Zentrum

Die Rebellen in Libyen haben allem Anschein nach das Stadtzentrum der östlichen Stadt Brega erobert, Brega gilt als wichtiger Verladehafen für die Erdölausfuhr. Dementsprechend stellen die entsprechenden Anlagen ein wichtiges Kriegsziel dar, auch diese sollen sich in der Hand der Rebellen befinden, wiewohl noch Kämpfe aus der Stadt gemeldet werden. Somit befindet sich praktisch der ganze Osten Libyens unter der Kontrolle der Aufständischen. Der Bürgerkrieg in Libyen fand seinen Ursprung in den Protesten im Januar 2011 (so genannter Arabischer Frühling), als die Sicherheitskräfte hunderte Menschen im Zuge der Demonstrationen gegen Libyens Diktator Gaddafi töteten. Seit dem 20. Februar befindet sich die Metropole Bengasi in der Hand der Aufständischen, seitdem tobt ein unerbittlicher Bürgerkrieg in Libyen.

In den frühen Morgenstunden am heutigen Samstag hätten Rebellen das Stadtzentrum von Brega endgültig erobert, so eine Meldung aus Bengasi. Die Rebellen hatten zuvor am 13. März die Kontrolle über die Hafenstadt verloren, seitdem wurden massive Kampfhandlungen um die Stadt geführt. Ob die Ölanlagen wirklich von den Rebellen erobert wurden, ist bislang unklar, widersprüchliche Meldungen sind zu vernehmen. Demnach besagt eine Meldung, dass die Raffinerie verlassen aufgefunden wurde, die Rebellen hätten sich zurückgezogen weil sie eine Falle vermuteten. Andere Meldungen besagen, dass sämtliche Anlagen von den Rebellen erobert wurden.

Kämpfe an der Grenze Libyen-Tunesien

Wie ein Sprecher der tunesischen Armee bekannt gab fanden am Samstag an der Grenze zu Libyen Kampfhandlungen statt, eine Gruppe von Libyern hätte versucht die tunesische Grenze zu überschreiten, die Kampfhandlungen hätten die ganze Nacht hindurch angehalten. Die Libyer seien motorisiert und schwer bewaffnet gewesen, es hätte mehrere Tote und Verletzte gegeben, genauere Angaben wurden nicht gemacht. Unklar ist auch, ob besagte Gruppe loyale Anhänger von Gaddafi oder libysche Rebellen gewesen sind. Die Armee Tunesiens will in den kommenden Tagen ihre Beobachtung der Grenze intensivieren. Auf der anderen Seite versuchen Rebellenverbände seit Tagen die Versorgungsroute für libysche Armeeeinheiten an der tunesischen Grenze zu kappen.

Weitere Gewinne für die Rebellen

Noch am Freitag beeilten sich Vertreter der Rebellen zu melden, dass die Stadt Az-zawiyya (ebenfalls mit einer Ölraffinerie) im Westen erobert wurde, damit rücken die Rebellen bis auf 50 Kilometer auf die Hauptstadt Tripolis vor. Als Antwort wurde die Straße von Tripolis nach Az-zawiyya von der libyschen Armee bombardiert. Heftige Gefechte werden derzeit aus Zlitan, 150 Kilometer östlich von Tripolis, gemeldet, beide Seiten hätten hohe Verluste zu beklagen. Die Zeitung Al Jazeera berichtet hingegen, dass Zlitan ebenfalls von den Rebellen erobert wurde.

Die Situation für die Nicht-Libyer scheint sich zu bessern, es werden große Anstrengungen unternommen um diese Menschen außer Landes zu bringen. Viele Ausländer sollen in den nächsten tagen aus Tripolis in sichere Länder gebracht werden. Weitere Städte, die die Rebellen inzwischen für sich behaupten, sind Surman (60 Kilometer westlich von Tripolis) und Gharyan (50 Kilometer südwestlich der Hauptstadt). Die Rebellen scheinen eine neue Taktik anzuwenden, anfangs sind sie einfach vorgerückt und wurden mit einer Gegenoffensive zurückgeworfen. Inzwischen gehen sie bedächtiger vor. Die Bombardements der NATO wurden in den vergangenen Tagen ausgesetzt, insbesondere Ziele in Tripolis wurden von der NATO zuvor angegriffen. Inzwischen scheinen sich auch in Tripolis Gruppen zu formieren, die mit Waffengewalt gegen Gaddafi vorgehen wollen. Die Schlinge um Gaddafis Hals wird immer enger, die Hauptstadt wird zusehends isoliert. Wie die Post-Gaddafi Ära aussehen wird ist momentan unklar, dennoch scheint es so als ob die Tage von Gaddafi als Diktator Libyens gezählt sind.

 



Erstellen Sie den ersten Kommentar!

Kommentieren

Sie müssen eingeloggt sein um zu kommentieren.