Politik

Libyen: Rebellen erobern große Teile Tripolis- vereinzelt Kämpfe

In Libyen scheint sich der Bürgerkrieg zu Ende zu neigen, die Rebellen haben große Teile der Hauptstadt Tripolis erobern können, dennoch werden vereinzelte Kämpfe zwischen Gaddafi-Anhängern und den Rebellen gemeldet. Der Nationale Übergangsrat in Bengasi erklärt das Ende des Bürgerkrieges, welcher seit Mitte Februar unerbittlich geführt wird. In den vergangenen Tagen hatten die Rebellen große Geländegwinne vermelden können, so wurde z.B. die Stadt Brega erobert. Viele Menschen bekundeten spontan ihre Freude und gingen auf die Straße Tripolis, obwohl immer noch Verbände der libyschen Armee gegen Rebelleneinheiten kämpfen.

Der Hauptsitz von Gaddafi in Bab al-Azizya im Süden der Hauptstadt scheint immer noch nicht von den Rebellen erobert, Gaddafi-loyale Panzerverbände haben den Militärkomplex verlassen und liefern sich heftige Kämpfe mit den Rebellen. Die Straßen in der Hauptstadt, auf denen tausende Menschen wenige Stunden zuvor noch ausgelassen feierten, sind menschenleer. Die regulären Truppen sollen nach Angabe der Übergangrates auch Artillerie und Scharfschützen einsetzen.  Einem Bericht der arabischen Nachrichtenseite Aljazeera zufolge sei die Lage als äußerst prekär zu bezeichnen.

Söhne von Gaddafi festgenommen

Die drei Söhne von Gaddafi, der international gesuchte Saif-al-Islam und Saadi Gaddafi wurden von den Rebellen im Westen Tripolis aufgegriffen, Mohammed Gaddafi ergab sich freiwillig, als Rebellen ihn umzingelten. Muammar Gaddafis Aufenthaltsort ist bislang immer noch unbekannt, Berichte wonach die Südafrikanische Republik ihm ein Asyl angeboten hätte, wurden von der dortigen Administration vehement abgestritten. Dennoch scheint klar, die 42 jährige Herrschaft von Oberst Muammar Gaddafi geht zu Ende. Die Rebellen wollen den Diktator lebendig ergreifen und ihn vor ein nationales Gericht stellen. Das US-Pentagon vermutet, dass Gaddafi sich immer noch in Libyen aufhalte.

Die Rebellen haben eigenen Angaben zufolge 80 % der Hauptstadt eingenommen, unter anderem wurde die staatliche Fernsehanstalt erobert. Viele Ausländische Staatschefs haben diese neuesten Entwicklungen begrüßt, Ägypten folgt Frankreich und erkennt den Nationalen Übergangsrat in Bengasi als legitime Regierung an, US-Präsident Obama warnte vor einer frühzeitigen Siegesbekundung, erklärt aber das Ende des Gaddafi-Regimes. UN-Generalsekretär Ban Ki-moon will die Zivilbevölkerung geschützt sehen, ein entsprechendes Versprechen habe der Vorsitzende des Nationalen Übergangsrates, der ehemalige Justizminister Mustafa Muhammad Abd al-Dschalil, an den Generalsekretär abgegeben.

Neben Gaddafi wird auch der Schwager des Diktators, Abdullah al-Senussi, gesucht, auch auf internationaler Ebene. Neben diversen Verstrickungen in terroristischen Aktionen scheint Senussi auch der führende Kopf des libyschen Geheimdienstes gewesen zu sein. Derweil werden einzelne Berichte wiedergegeben, wonach einige Rebellen in Wohnungen eindringen und Plünderungen vornehmen würden, al-Dschalil will diese Vorwürfe untersuchen und gegebenfalls zu verhindern versuchen.

Wie sich die Lage in Libyen wird entwickeln können, ist völlig offen, anders als im Irak hat im Grunde die libysche Bevölkerung den Diktator verjagt, mit Hilfe von NATO-Angriffen. Die zukünftige politische Entwicklung kann monarchistisch, theokratisch (islamistisch) oder eben demokratisch gestaltet werden.

 

 



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