Unternehmen

MSM Gruppe beschert Deutsche Bahn Konkurrenz- über Preiskampf

Die Kölner MSM-Gruppe, bislang ein Reiseveranstalter und vor allem als Anbieter von Sonderzugsangeboten bekannt, wird der Deutschen Bahn (DB) ernsthafte Konkurrenz bieten, und zwar über den Preiskampf. Demnach bestätigte ein Sprecher der MSM Gruppe, dass man einen Antrag bei DB Netz auf die Bahnstrecke Hamburg-Berlin-Köln gestellt habe, ab Ende 2012 soll der Linienverkehr in den Betrieb gehen. Der Clou dabei, bei rechtzeitiger Bestellung soll die einfache Fahrt Hamburg-Köln 19,90 Euro kosten. Das Preissystem ist angelehnt an das der Billig-Airlines, auch hier zählt rechtzeitig bestellen. neben MSM hat ein weiteres Unternehmen ebenfalls auf derselben Strecke einen Antrag bei DB Netz eingereicht, der Betreiber HKX will ebenfalls dieselbe Strecke bedienen. Den Kunden dürfte es erfreuen, Konkurrenz belebt das Geschäft und drückt die Preise, kurzfristig.

Einstiger Bahnmonopolist muss Strecken freigeben

Der einstige Bahnmonopolist Deutsche Bahn muss als Streckeninhaberin über die Vergabe der Strecken entscheiden, ist aber gesetzlich auch dazu verpflichtet. So gibt es inzwischen eine Reihe so genannter Nichtbundeseigene Eisenbahngesellschafften, darunter auch Fernverkehrsanbieter wie Interconnex (Leipzig-Berlin), aber hauptsächlich Regionalanbieter (wie Metronom, Cantus, Veolia). Nun wird die MSM Gruppe ebenfalls zur Gruppe der Fernverkehrsanbieter hinzustoßen. Von Köln aus sollen die Züge, die in etwa auf dem Niveau der IC-Züge der Deutschen Bahn angesiedelt werden, in Hannover getrennt werden, ein Teil fährt bis nach Berlin, der andere hingegen nach Hamburg.

Private Anbieter sinnvoll?

Seit Jahren versuchen diverse Bundesregierungen die Deutsche Bahn zu privatisieren, stoßen dabei auf eine Grenze, nämlich der, dass das Staatsunternehmen Deutsche Bahn eigentlich der Versorgungspflicht des Staates nach einem bezahlbaren Transportmittel nachkommt. Kaum ein städtisches ÖPNV-System in Deutschland läuft profitabel, doch eine Stadt ohne solch ein System würde ein großes Problem bekommen, nicht nur unter dem Aspekt des Umweltschutzes, sondern auch mit der Bereitstellung für Menschen mit einem Transportmittel zum Arbeitsplatz. Die Preise, wie sie MSM nun ankündigt, können nur realisiert werden, wenn entweder der Service eingeschränkt wird (noch weniger Service geht wohl nicht in der Bahn), oder eben über niedrigere Löhne der Angestellten. Der Privatisierungswahn der vergangenen Jahren hat beispielsweise in Großbritannien vor Augen geführt, dass eine Privatisierung nicht immer gut gehen muss, die Preise für Bahnfahrten sind im Vereinigten Königreich gestiegen, das Streckennetz verfällt immer mehr und der Service ist noch schlechter als zuvor. Es stellt sich die Frage, ob ein Öffentliches Verkehrssystem wie die Deutsche Bahn nicht als das angesehen werden sollte, was es eigentlich ist, als öffentliches Gut. Wenn nun Anbieter wie MSM und andere sich Sahne-Stücke aus dem Netz (also die profitablen Strecken) herauspicken, geraten ländliche Regionen nicht ins Hintertreffen? Vorerst bleibt es dabei, MSM beschert der Deutschen Bahn Konkurrenz, eben über den Preiskampf.

 



Erstellen Sie den ersten Kommentar!

Kommentieren

Sie müssen eingeloggt sein um zu kommentieren.