Wirtschaft

Mütterrente 2014: Was bringt die Rentenerhöhung für Mütter?

Die Auszahlung der Mütterente war ursprünglich ab dem 1. Juli 2014 geplant. Aus angeblich technischen Gründen soll dies nun doch nicht möglich sein.

Nun soll die Auszahlung voraussichtlich erst zu Weihnachten geleistet werden. Ist die Mütterrente etwa nur eine Augenwischerei?

Haben die Mütter überhaupt etwas von der geplanten Rentenerhöhung 2014 laut Koalitionsvertrag?

Auszahlung der Mütterrente voraussichtlich erst Weihnachten

Die Mütterrente sollte ab dem 1. Juli 2014 ausgezahlt werden. Aufgrund von angeblich technischen Problemen sei dies nun doch nicht möglich. Carola Reimann, die stellvertretende Vorsitzende der SPD-Fraktion im Bundestag, erklärte, dass das Geld spätestens Weihnachten auf dem Konto sei. In welchem Jahr verriet sie jedoch nicht.

Ein Sprecher des Arbeitsministeriums versicherte, dass alle Mütter, die einen Rentenanspruch hätten, den vollen Betrag ab Juli bekommen würden, auch wenn dieser vermutlich erst später ausgezahlt wird.

Einen Anspruch auf die Mütterrente haben derzeit etwa 9,5 Millionen Mütter oder Väter. Das gilt jedoch auch nur, wenn sie zum Zeitpunkt der Auszahlung noch nicht verstorben sind. Sollte dies der Fall sein, würde der Staat sehr viel Geld sparen.

Wie viel Rente steht den Müttern zu?

Die Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles von der SPD verkündete für die Rentenreform laut Koalitionsvertrag 2014 für die Mütterente, dass Mütter, die vor 1992 Kinder geboren haben, einen Rentenpunkt zusätzlich erhalten würden.

Das bedeutet, dass die Mütterrenten im Westen Deutschlands um knapp 28 Euro monatlich steigen und im Osten um etwa 26 Euro pro Monat. Für Kinder, die nach 1992 geboren wurden, sollen die Frauen drei Rentenpunkte erhalten. Siehe dazu auch die abschlagsfreie Rente mit 63 ohne Abzüge nach 45 Beitragsjahren.

Rentenreform 2014: von Mütterrente profitieren nicht alle Frauen

Nicht alle Rentnerinnen profitieren von dieser Rentenreform. Insbesondere nicht die Ärmeren. Rentnerinnen, die nur einen geringen Rentenanspruch haben, steht die aufstockende Grundsicherung im Alter nach dem Sozialgesetzbuch (SGB) XII zu.

Dies entspricht nach dem derzeitigen Stand eine Aufstockung von 384 Euro zuzüglich der Warmmiete, aber abzüglich der bezahlten Rente. Der Altersarmut kann durch die Mütterrente dementsprechend nicht vorgebeugt werden.

Aber wer profitiert dann überhaupt noch von Andrea Nahles Rentenreform? Einzig und allein der Staat! Schließlich lassen sich dadurch die Kosten für die Grundsicherung senken, die von der Versichertengemeinschaft erbracht werden müssen.

Wie teuer ist die Mütterrente?

Laut Gesetzentwurf soll die höhere Mütterrente jährlich mit 6,7 Milliarden Euro zu Buche schlagen. Alleine für das Jahr 2014 ist mit einer Summe von 3,3 Milliarden Euro zu rechnen. Was bedeutet das für die Zukunft?

Ersten Prognosen vom Arbeitsministerium zufolge, soll die jährliche Summe bis 2030 auf 6,1 Milliarden Euro sinken. Das zusätzliche Geld soll dann als Rentenzuschlag ausgezahlt werden. Die Rentenversicherung müsste sonst nämlich die laufenden Renten für 9,5 Millionen Mütter nochmals neu berechnen.

Wer bezahlt die Mütterrente?

Die Union hat sich dagegen ausgesprochen, die Erhöhung der Mütterrente durch Steuergelder zu finanzieren. Experten warnen vor einer Belastung der Beitragszahler. Die Gelder sollen der Rentenkasse entnommen werden.

Laut Maria Böhmer, der Chefin der Frauen-Union, sollen ausreichend Finanzierungsmittel für die Mütterrente zur Verfügung stehen. Unionsfraktionschef Volker Kauder sieht dies ähnlich und meint, dass die Rentenkasse gut gefüllt sei. Die Erhöhung der Mütterrente sei also problemlos möglich.

Finanzierung der Mütterrente aus Rücklagen

Die Rentenversicherung soll über Rücklagen in Höhe von 28 Milliarden Euro verfügen, was 1,58 gesetzliche vorgeschriebene Monatsausgaben und einer Reserve von 0,2 Monatsausgaben entspricht.

Das Geld in der Rentenkasse ist das Geld der Beitragszahler. Das Wirtschaftswachstum ist aktuell eher schwach. Dies bedeutet, dass die Rücklagen vorzeitig aufgebraucht sein dürften. Darf sich der Staat einfach aus der Rentenversicherung bedienen?

Was sagen Experten?

Für Kindererziehungszeiten galten bisher andere Regeln. Die Gelder wurden aus Bundesmitteln zur Verfügung gestellt, da es sich um eine versicherungsfremde Leistung handelt. Es war ursprünglich keine vom Staat gewünschte Leistung. Im letzten Jahr bezahlten die Steuerzahler über 11,6 Milliarden Euro für diesen Posten.

Experten sind sich einig, dass die Mütterrente, wenn sie aus der Rentenkasse finanziert wird, gegen das bisherige Rentensystem verstößt.

Franz Ruland, der Vorsitzende des Sozialbeirats meinte, dass der Kinderlastenausgleich eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe sei, die durch Steuern bezahlt werden müsste. Die Finanzierung der Mütterrente aus der Rentenkasse sei ‚ordnungspolitisch falsch‘.

Werden die Rentenbeiträge erhöht?

Rentenexperte Bernd Raffelhüschen fordert, dass die Aufstockung der Mütterrente über die Steuergelder realisiert wird.

Franz Ruland fügte außerdem noch hinzu, dass die angeblich prall gefüllten Rentenkassen ‚abenteuerlich‘ seien. Die Erhöhung der Mütterente könne durch die Rentenversicherung nur für wenige Jahre mitfinanziert werden. Die derzeit ‚günstige Finanzlage der Rentenkasse‘ sei nur ein Zwischenhoch.

Stabilisierung der Rente nicht möglich

Auch ohne die Mütterrente wird der Beitragssatz für die Rentenversicherung bald wieder auf 20 Prozent angehoben, hieß es weiter. Schuld daran sei die demografische Entwicklung.

Annelie Buntenbach, die im Vorstand der Rentenversicherung sitzt, sieht dies ähnlich. Es wäre inakzeptabel, Verbesserungen für ältere Mütter der Rentenkasse zu entnehmen. In diesem Fall müsse der Rentenbeitrag bereits 2016 erhöht werden, wodurch eine Stabilisierung der Rente nicht möglich sei.



Erstellen Sie den ersten Kommentar!

Kommentieren

Sie müssen eingeloggt sein um zu kommentieren.