Sport

Nach Olympia: Dopen die Russen mit Xenon?

Laut übereinstimmenden Medienberichten soll Russlands Olympia-Mannschaft schon seit Jahren systematisch mit Xenon dopen. Für Doping mit Xenon-Gas gibt es noch keine Nachweismethoden.

Verschiedene Medien berichten, dass in der russischen Olympia-Mannschaft seit geraumer Zeit mit einer nicht nachweisbaren Methode zur Leistungssteigerung gearbeitet wird. Hinweisen des „WDR“ zufolge versuchen zahlreiche russische Athletinnen und Athleten bereits seit den Sommerspielen 2004 in Athen, Ihre Leistung durch Xenon-Gas zu steigern. Auch viele Medaillengewinner der Olympiade in Sotschi sollen es nutzen.

Angeblich mehr als 70 Prozent der russischen Medaillengewinner gedopt

Der Sender berichtet von einer vom Staat in Auftrag gegebenen Studie einer Forschungs- und Entwicklungseinrichtung namens „Atom-Med-Zentrum“. Demnach seien mehr als 70 Prozent der russischen Medaillengewinner der Spiele in Athen 2004 und der Winterspiele in Turin 2006 mit dem Edelgas beatmet worden.

Fraglich ist allerdings, ob das Unternehmen unabhängig ist. Von offizieller Seite wurde eine breite Nutzung von Xenon-Gas in der russischen Mannschaft nicht bestätigt.

Genauso offen ist, ob die Xenon-Methode überhaupt als Doping einzustufen ist. Eine Entscheidung der Welt-Anti-Doping-Agentur (kurz WADA) steht noch aus. Sollte die WADA allerdings zu dem Schluss gekommen, dass es sich bei der Xenon-Einnahme um Doping handelt, dann droht der gesamten olympischen Bewegung eine Riesenkrise.

Olympia droht Krise

Der ehemalige WADA-Präsident Richard Pound: „So etwas wurde ausschließlich zur Leistungssteigerung entwickelt – für mich ist das Doping.“ Auch im Fußball sei die ominöse Forschungseinrichtung aktiv.

Gemäß dem Atom-Med-Zentrum wird und wurde Xenon-Gas, das die Erythropoetin-Produktion im Körper anregen und so indirekt die Leistungsfähigkeit erhöhen soll, breit eingesetzt. Die WADA bestätigte bereits, dass sie in dem Fall tätig werden wird.

Gleiches gilt für die NADA, die Nationale-Anti-Doping-Agentur.

Der Leiter des Kölner Doping-Labors, Wilhelm Schänzer, zeigte sich zurückhaltend. Die Recherchen seien „als Hinweis zu betrachten“, sagte er und fügte hinzu: „Im Augenblick ist das eine Grauzone.“

Xenon-Gas äußerst wirksam

Ein hohes Wirksamkeitspotenzial, bescheinigt Mario Thevis, Professor für Präventive Dopingforschung an der Deutschen Sporthochschule Köln, der Xenon-Methode.

Theis gab an, dass in Tierversuchen „innerhalb eines Tages die EPO-Produktion um den Faktor 1,6, also um 160 Prozent“ gesteigert worden sei. „Es ist sehr wahrscheinlich, dass es auch im Menschen die gleiche Wirkung ausüben wird“, so der Professor.

Der Generaldirektor des Atom-Med-Zentrums erklärt, konfrontiert mit den Vorwürfen lapidar: „Sie wissen doch, was Doping ist. Das ist doch dann, wenn Spuren von biochemischen Reaktionen bleiben. Wenn es nicht so ist, wie kann es ein Dopingmittel sein?“

Handelt es sich bei der Xenon-Methode überhaupt um Doping?

Und tatsächlich ist äußerst umstritten, ob die Xenon-Methode in den WADA-Code aufgenommen werden kann oder nicht. Bereits Anfang Februar berichtete die britische Wochenzeitung „The Economist“ von der Xenon-Methode und verglich sie mit dem Training in Höhenkammern.

In dem Artikel „Breathe it in“ heißt es: „Wenn die Xenon-Behandlung lediglich die sauerstoffarme Umgebung durch den Austausch von Sauerstoff durch Xenon ersetzt, ist die Nutzung zur Leistungssteigerung zulässig.“



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