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Nachrichtenagentur dapd muss schließen

Zwei Insolvenzverfahren hat die Nachrichtenagentur dapd bereits durchgemacht. Die Mitarbeiter der Nachrichtenagentur haben bis zuletzt auf einen neuen Investor gehofft. Die Geschäftsführung der dapd hat nunmehr das Ende verkündet.

Wie die Insolvenzverwalterin Petra Hilgers gegenüber den 175 festen Mitarbeitern auf einer Betriebsversammlung mitteilte, wird die Belieferung der Kunden umgehend eingestellt. Die Mitarbeiter erhalten für den Monat April noch einmal ein Insolvenzgeld. Anfang März hatte die dapd einen Insolvenzantrag gestellt. Ein erstes Insolvenzverfahren brachte hinsichtlich der Suche nach einem Investor keinen Erfolg.

Russische Nachrichtenagentur zeigte Interesse

Die dapd galt einst als zweitgrößte deutsche Nachrichtenagentur. Noch vor wenigen Tagen zeigte die russische Nachrichtenagentur RIA Nowosti ein grundsätzliches Interesse an der dapd. Die Gespräche hierzu sind aber nach Angaben der zuständigen Insolvenzverwalterin ohne Erfolg abgebrochen worden. Im Sommer 2010 entstand die Nachrichtenagentur dapd aus der Fusion der Nachrichtenagenturen ddp und der AP.

Weltweit gilt Deutschland als der härteste Markt für Nachrichtenagenturen. Als Marktführer hierzulande gilt die dpa. Auch die Nachrichtenagentur Reuters sowie der deutsche Ableger der französischen Nachrichtenagentur AFP sowie die kirchlichen Nachrichtenagenturen KNA und epd sowie weitere Nachrichtendienste buhlen um entsprechende Kunden. Die Insolvenzverwalterin Petra Hilgers verkündete das Aus für die dapd am Donnerstagnachmittag.

Insolvenzverwalterin: Keine insolvenzrechtliche Alternative für weiteren Betrieb

Wie die Berliner Rechtsanwältin mitteilte, gibt es hinsichtlich der insolvenzrechtlichen Vorgaben nunmehr keine Alternative für die Fortführung des Betriebes mehr. Neben der letzten Hoffnung, der russischen Nachrichtenagentur RIA Novosti, gab es zuvor weitere Interessenten.

Diese hatten jedoch die Gespräche schon im Vorfeld abgebrochen. Die zuständige Insolvenzverwalterin hofft nun darauf, dass eventuell in letzter Sekunde doch noch eine Zusage einer der potentiellen Interessenten auf dem Tisch landen würde. Die Nachrichtenagentur dapd meldete im Oktober 2012 für mehrere ihrer Gesellschaften Insolvenz in Eigenverwaltung an.

Medienkrise setzt zahlreichen Verlagen zu

Eine von Ulrich Ende gegründete Beteiligungsgesellschaft übernahm zunächst die Geschäfte der dapd, stellte jedoch nur einen Monat später bereits erneut einen Insolvenzantrag. Im Vorfeld hatten die früheren Eigentümer Peter Löw und Martin Vorderwülbecke der dapd die Grundlage hinsichtlich einer weiteren Finanzierung entzogen. Seit einiger Zeit leiden zahlreiche Medienverlage und Presseagenturen unter der Informationsflut des Internets.

Weil immer mehr Beiträge kostenlos im Internet abgerufen werden können, sinkt die Möglichkeit für die Medienverlage und Nachrichtenagenturen Geld mit Inhalten zu verdienen. Die Politik hat durch ein neues Leistungsschutzrecht versucht, diesem Trend entgegenzuwirken.

Ob auf lange Sicht nicht noch weitere Presseorgane in den Strudel der Medienkrise gelangen werden, wird sich zeigen. In jedem Fall wird der Markt für Informationen noch härter als er bisher schon ist. Der Niedergang der „Frankfurter Rundschau“ und der „Financial Times Deutschland“ dürften dabei nur die Spitze des Eisbergs darstellen.



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